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Bayern
22.06.2016

Über 3300 minderjährige Flüchtlinge sind einfach verschwunden

Übe 3300 minderjährige Flüchtlinge, die in Bayern ohne Eltern ankamen, werden vermisst.
Foto: Thomas Lohnes, epd

In Bayern kamen im vergangenen Jahr fast 17.000 Kinder und Jugendliche als Flüchtlinge an - ohne Eltern. Viele sind verschwunden. Und niemand weiß, was aus ihnen geworden ist.

Mehr als 3300 minderjährige Flüchtlinge , die in Bayern angekommen sind, sind im vergangenen Jahr verschwunden. Das Sozialministerium geht zwar davon aus, dass die meisten Jugendlichen nach der "Inobhutnahme" durch die bayerischen Behörden auf eigene Faust zu Angehörigen weiterreisten. Doch gesicherte Erkenntnisse gibt es nicht, ihr Schicksal ist ungeklärt. Das geht aus den Antworten von Sozial- und Innenministerium auf zwei Anfragen der Landtags-SPD hervor. 

Demnach wurden 2015 exakt 4452 jugendliche Flüchtlinge als vermisst gemeldet, die ohne Eltern nach Bayern gekommen waren. Im Behördenjargon heißen sie "unbegleitete Minderjährige" - daher abgekürzt "uM" oder auch "umF". Lediglich 1090 tauchten in Deutschland oder in Skandinavien wieder auf. "Darüber hinaus liegen derzeit keine weiteren Erkenntnisse vor", heißt es in der Antwort des Sozialministeriums. Bundesweit waren im vergangenen Jahr 5835 geflohene Kinder und Jugendliche verschwunden, nun steht fest, dass der Großteil dieser Fälle die bayerischen Jugendämter betrifft.

Vermisste Jugendliche werden EU-weit zur Fahndung ausgeschrieben

Ein Sprecher des Sozialministeriums verwies darauf, dass viele jugendliche Flüchtlinge zwar in Bayern in Obhut genommen wurden, weil die Hauptfluchtrouten über Bayern führen.  "Für viele ist Bayern oder Deutschland gar nicht das Ziel." Auch Unicef, das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, gehe nicht davon aus, dass die Jugendlichen in großen Zahl Opfer von Drogen- oder Prostitutionsringen würden, sagte die oberbayerische SPD-Abgeordnete Doris Rauscher. "Aber wir dürfen das nicht auf die leichte Schulter nehmen."

Denn ungeklärt ist auch, ob nicht zumindest einzelne Kinder und Jugendliche zu Opfern von Verbrecherbanden geworden sind. In der bundesweit einheitlich geführten polizeilichen Kriminalstatistik gibt es kein Merkmal "unbegleiteter minderjähriger Flüchtling". Der Münchner SPD-Abgeordnete Florian Ritter kritisiert: "Das ist eigenartig. Da geht es ja schließlich nicht um ein rassistisches Merkmal."

Dabei werden die vermissten Jugendlichen keineswegs nur in Deutschland gesucht, sondern im Schengener Informationssystem EU-weit zur Fahndung ausgeschrieben. Ritter wollte vor allem wissen, ob junge Mädchen und Frauen Zuhältern und Sextätern in die Hände fallen. Dafür gibt es bislang keine Indizien. "Beim Bayerischen Landeskriminalamt liegen derzeit keine Erkenntnisse über Flüchtlinge (Erwachsene und auch umF) vor, die Opfer von Menschenhandel zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung oder zur Ausbeutung der Arbeitskraft geworden sind", heißt es in der Antwort des Innenministeriums auf Ritters Anfrage.

Mit dieser Auskunft möchte Ritter sich aber nicht begnügen. "Niemand weiß etwas", sagte der SPD-Politiker. "Die Staatsregierung sollte genauer nachforschen." dpa/AZ

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Die Diskussion ist geschlossen.

22.06.2016

Tja so ist das ohne Grenzkontrollen - es läuft rein wer will und es läuft raus wer will.

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Dass nun ein Fahndungsapparat nach nicht straffälligen Flüchtlingen in Position gebracht werden soll, scheint mir in Anbetracht der sonstigen polizeilichen Aufgabenfülle nicht angemessen.

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Wenn es diese überwiegend jugendlichen Migranten (Kinder sind da nur wenige dabei) es von Syrien oder weiter nach Deutschland geschafft haben, mache ich mir über weitere Reisen innerhalb der EU keine zu großen Sorgen. Die hellen Köpfe versuchen in nordische Länder mit stärker reglementierter Einreise zu gelangen, weil da einfach die weiteren Chancen besser als in Deutschland sind. Schweden hat erst die letzten Tage sein Asylrecht weiter verschärft. Deutschland ist offen und man kann da auch jederzeit zurück.

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Ich denke mit dieser Aktion soll nur von in Deutschland lösbaren Problemen wie der faktischen behördlichen Akzeptanz von Scharia-Kinderehen abgelenkt werden.

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22.06.2016

Es scheint sich doch hier um erfasste umF´s zu handeln und nicht um personen, die ohne Kontrolle nach Deutschland gekommen sind. Ich habe täglich mit der Erfassung afghanischer, syrischer Namen zu tun. Dabei stelle ich fest, dass viele umF´s doppelt erfasst sind, mal mit deutscher Umschreibung des Namens, mal mit englischer. Es handelt sich aber um ein und die selbe Person! Es wäre interessant festzustellen, wieviele Phantome hier gesucht werden.

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22.06.2016

Es scheint sich doch hier um erfasste umF´s zu handeln und nicht um personen, die ohne Kontrolle nach Deutschland gekommen sind.

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Schon richtig; es gibt da aber verschiedene Möglichkeiten von "Kontrolle".

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> Kontrolle als bloße Erfassung irgendwie hervorgebrachter Personendaten ohne jede sofortige Plausibilitätsprüfung (ortskundige Dolmetscher etc.)

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> Kontrolle als Erfassung anhand von Personaldokumenten mit/ohne Prüfung sowie biometrischer Erfassung

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> 100% ID Check mit detailierter Abfrage/Erfassung von Herkunft, Reiseweg und Ziel.

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Deutschland machte überwiegend die erste Variante und die ist eigentlich den Aufwand nicht wert. Wer vor der biometrischen Erfassung verschwindet ist wenn er will einfach weg.

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