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Bayern
13.12.2017

Zum Fahrplan-Wechsel eine Gratis-Fahrt ins Chaos

Am Freitagabend fuhr der Sonderzug, der die neue Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen München und Berlin eröffnete, pünktlich im Berliner Hauptbahnhof ein.
Foto: Emmanuele Contini, imago

Die Deutsche Bahn bekommt die Probleme im Zugverkehr nur allmählich in den Griff. Was dahinter steckt und warum es offenbar auch im Konzern kräftig rumort.

Die Bahn hat nach dem Fahrplanwechsel am Wochenende weiter mit Problemen zu kämpfen. Auf der neuen und milliardenteuren Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Berlin und München fiel am Dienstagmorgen erneut ein ICE aus. Grund war eine technische Störung am Zug, wie eine Sprecherin der Deutschen Bahn sagte. Der ICE habe schon aus Hamburg nicht losfahren können.

Der Ärger für Bahnreisende dürfte wohl noch mehrere Tage so weitergehen. Wie die Bahn am Dienstagnachmittag verkündete, habe sich der Verkehr auf den Schienen "spürbar stabilisiert". Dies gelte insbesondere auch für die neue Schnellfahrstrecke, auf der bis zum Nachmittag sämtliche "Sprinter" ohne größere Verspätungen gefahren seien. Man arbeite "mit Hochdruck" daran, die Situation für die eigenen Kunden schnell zu verbessern.

16 ICEs sind durch den Wintereinbruch beschädigt

Allein 16 ICEs seien am Wochenende durch Folgen des Wintereinbruchs beschädigt worden. Deren Reparatur komme "gut voran". Und auch die "Beseitigung einzelner ETCS-Störungen" mache Fortschritte. Das digitale Signalsystem der Bahn (European Train Control System), das auf der neuen Strecke erstmals in Deutschland eingesetzt wird, scheint eine der größten Ursachen für die Probleme der Bahn zu sein – auch weil der genaue Fehler wohl noch nicht ausgemacht ist. Der Zughersteller Alstom, der die Hochgeschwindigkeitszüge mit dem ETCS ausgerüstet hatte, soll eine "Task Force" gebildet haben, um die ICEs zu überprüfen.

Trotz aller Fortschritte stehen noch immer zahlreiche Züge nicht zur Verfügung. Ein Engpass, der sich wohl auch noch etwas hinziehen wird. Man erwarte "eine weitere Stabilisierung der Fahrzeugverfügbarkeit bis zum Wochenende", heißt es in der Mitteilung des Konzerns.

Die Bahn weist die Vorwürfe zurück

Der Hessische Rundfunk berichtete derweil unter Berufung auf ungenannte Bahn-Mitarbeiter, dass seit der Umstellung auf den neuen Fahrplan am Sonntag täglich zwischen 20 und 40 Verbindungen im Fernverkehr ausgefallen seien. Laut dem Bericht war der Fahrplanwechsel mit zu geringen Reserven geplant worden, es fehlten mindestens zehn ICE-Züge, um einen reibungslosen Betrieb zu gewährleisten. Diese Vorwürfe wies die Bahn am Dienstag zurück. Allein für den Verkehr auf den neuen ETCS-Strecken hätten 110 ICE-Züge bereitgestanden, die mit der neuen Technologie ausgerüstet waren. Wesentlicher Grund für die kurzfristigen Ausfälle seien die schnee- und eisbedingten Schäden an der Flotte gewesen.

Im Internet machen seit dem Wochenende Bahnreisende ihrem Ärger Luft, der Staatskonzern wird angesichts der Ausfälle mit Spott überschüttet. Und auch bahnintern rumort es offenbar kräftig. Medien zitierten einen nicht namentlich genannten Bahn-Aufsichtsrat mit dem Satz, dass der Start der neuen Schnelltrasse nicht peinlicher hätte sein können. Immerhin hat es zehn Milliarden Euro gekostet und es hat 26 Jahre gedauert, bis das Prestigeprojekt fertig war.

Nach 26 Jahren und zwei langen Baustopps ist die ICE-Strecke zwischen Berlin und München fertig. Mit der schnellsten Verbindung dauert die Fahrt gerade einmal 3:55 Stunden.
16 Bilder
So schnell geht's mit dem ICE aus der Region nach Berlin
Foto: Martin Schutt, dpa

Und als wären die Pannen rund um die neue Strecke zwischen München und Berlin nicht schon genug, ereignete sich an anderer Stelle noch ein weiterer Patzer.In Neu-Ulm mussten am Dienstagmorgen 50 Pendler zusehen, wie der ICE, auf den sie warteten, einfach an ihnen vorbeifuhr. "Der Lokführer hat den Halt übersehen", erklärte ein Bahnsprecher. Das Ganze hat einen Hintergrund: Bislang hielten ICEs nicht in Neu-Ulm. Das änderte sich jedoch am Sonntag mit dem neuen Fahrplan der Deutschen Bahn. Doch am Dienstagmorgen schlug offenbar die Macht der Gewohnheit zu und der Lokführer ließ Neu-Ulm links liegen. dpa, AZ

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