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Bevölkerung

26.04.2012

Bayern trotzt dem demografischen Wandel am besten

Deutschland will sich für Top-Fachkräfte aus Nicht-EU-Staaten weiter öffnen und ihre Zuwanderung erleichtern. Foto: Rolf Vennenbernd/Archiv dpa

Auch Bayern wird von demografischen Verwerfungen nicht verschont bleiben. Doch die Zahlen zeigen, dass sich der Freistaat in einer vergleichsweise komfortablen Situation befindet.

Familien stärken, Nachwuchs fördern und ausländische Fachkräfte nach Deutschland locken: Dies sind die Kernpunkte einer Demografiestrategie, die das Kabinett am Mittwoch vorgestellt hat. Deutschland wird – je nach Studie – 2030 drei bis fünf Millionen weniger Einwohner haben als die aktuell knapp 82 Millionen Menschen. Gleichzeitig sinkt die Zahl der Erwerbstätigen im Alter zwischen 20 und 64 Jahren nach Erkenntnissen des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung um gut sechs Millionen.

Auch Bayern wird von demografischen Verwerfungen nicht verschont bleiben. Doch die Zahlen zeigen, dass sich der Freistaat in einer vergleichsweise komfortablen Situation befindet. So ist das Bevölkerungswachstum von 2000 bis 2010 mit 2,5 Prozent in Deutschland unter den Flächenländern spitze. Gleiches gilt für die Prognose bis 2030, die für Bayern eine stabile Bevölkerungszahl ausweist. Der Regierungsbezirk Schwaben verzeichnet laut Prognose zwar bis 2030 einen Rückgang von 1,7 Prozent, liegt damit aber immer noch bundesweit in der Spitzengruppe. Zum Vergleich: Sachsen-Anhalt muss bis 2030 mit gut 19 Prozent weniger Einwohnern rechnen, in Nordrhein-Westfalen sind es immerhin noch 5,5 Prozent.

Bayern verdankt seine Top-Position seiner ungebrochenen Anziehungskraft. „Ohne Zuwanderung aus dem In- und Ausland würde die Bevölkerung auch in Bayern schrumpfen. Denn auch bei uns sterben mehr Menschen als geboren werden“, sagte Jan Kurzidim vom Bayerischen Landesamt für Statistik unserer Zeitung. Dieser negative Saldo werde auch in Bayern in Zukunft größer werden. Doch Kurzidim verweist auch auf den Umstand, dass Prognosen von „festen Trends“ ausgehen, sprich Veränderungen bei Wanderungsbewegungen oder Geburtenraten nicht berücksichtigen können. Trends, die die Regierung mit ihrer Demografiestrategie beeinflussen will.

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Experte: Wandel wurde von der Politik zu lange ignoriert

Doch beim Thema Anwerbung von Fachkräften aus dem Ausland gibt es Streit. Der Leiter des Berlin-Instituts, Reiner Klingholz, wirft der Politik vor, den demografischen Wandel 40 Jahre lang ignoriert zu haben. „Nötig wären Anwerbeagenturen und Jobbörsen im Ausland, wie sie etwa Kanada betreibt, um gute Köpfe selbst aus Deutschland abzuwerben“, erklärte Klingholz in der Frankfurter Allgemeinen.

Für Peter Saalfrank, Hauptgeschäftsführer der IHK Schwaben, ist das Problem bereits „eine Stufe tiefer“ angekommen: „Es geht längst nicht mehr in erster Linie um Ingenieure oder IT-Spezialisten – uns fehlen Facharbeiter, und das gefährdet die Betriebe in Schwaben“, sagte Saalfrank unserer Zeitung. „Wir setzen natürlich auf Ausbildung, aber wir brauchen auch Fachkräfte aus dem Ausland. Dafür sind die Hürden zu hoch.“ Es gehe nicht um ungebremsten Zuzug, sondern darum, gezielt zu werben. Saalfrank: „Wir brauchen in Deutschland endlich eine sachliche, entpolitisierte Diskussion über dieses Thema.“ (mit kna, dpa)

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