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Klimawandel

26.09.2016

Bayerns Fischer schlagen Alarm

Fischarten wie Bachforelle oder Äsche, die kaltes, sauerstoffreiches Wasser brauchen, verlieren immer mehr Lebensräume.
Bild: Ulrich Wagner

Gemeinsam mit dem Landesbund für Vogelschutz fordert der Landesfischereiverband, den Klimawandel ernst zu nehmen, um zu retten, was noch zu retten ist.

Der Klimawandel droht nicht irgendwann in ferner Zukunft. Der Klimawandel ist längst da. Das sagen die, die seine Folgen in freier Natur schon jetzt unmittelbar beobachten können: die bayerischen Fischer. Beim Landesfischereitag in München diskutierten Experten, was getan werden könnte, um die Natur in und entlang der Gewässer im Freistaat widerstandsfähiger zu machen gegen Erderwärmung und Wetterextreme. Im Visier der Kritik von Fischern, Vogel- und Naturschützern stehen vor allem bestimmte Formen der Landwirtschaft und die Ausweitung der Nutzung der Wasserkraft.

Wie ernst die Bedrohung durch den Klimawandel gesehen wird, zeigte sich bei dem Treffen im Jagd- und Fischereimuseum in München schon an einem überraschenden Gast. Der Präsident des Landesfischereiverbandes, Albert Göttle, hatte nicht nur verschiedene Experten, sondern auch Norbert Schäffer, den Präsidenten des Landesbundes für Vogelschutz, aufs Podium eingeladen. Seit vielen Jahren liefern sich Fischer und Vogelschützer einen erbitterten Streit über den fischfressenden Kormoran. Jetzt aber, da es darum geht, in der Natur zu retten, was noch zu retten ist, werden aus Gegnern Partner. „Wir brauchen belastbarere Lebensräume, damit wir das aushalten, was auf uns zukommt“, sagt Schäffer.

Was auf Mensch und Natur zukommt, haben die vergangenen Jahre gezeigt. Das Hochwasser-Jahr 2013, das Trocken-Jahr 2015 und auch das Jahr 2016 mit seinen Starkregenereignissen. „Wir sind der Meinung, dass dies alles auf einen beginnenden oder schon stattfindenden Klimawandel zurückzuführen ist“, sagt Anton Steiner vom bayerischen Umweltministerium.

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Fische leiden unter Hitzestress und Sauerstoffmangel

Die Folgen für Fisch und Gewässer beschreiben Jürgen Geist, Professor für aquatische Systembiologie in Weihenstephan, und Katharina Keiz vom Landesfischereiverband: Fischarten wie Bachforelle oder Äsche, die kaltes, sauerstoffreiches Wasser brauchen, verlieren immer mehr Lebensräume. Fremde Tier- und Pflanzenarten verdrängen heimische Arten. Das Wasser in Seen durchmischt sich nicht mehr so gut. Es kommt zu Algenblüten und zu massenhaftem Wildwuchs unerwünschter Wasserpflanzen. Fische leiden unter Hitzestress und Sauerstoffmangel und werden anfälliger für Krankheiten und Parasiten.

Unmittelbar vor Ort korrigieren lässt sich freilich nur, was vor Ort falsch gemacht wird. Der globale Klimawandel ist nicht aufzuhalten. Darin sind sich die Experten einig. Sie benennen für Bayern vor allem zwei Probleme: den Sedimenteintrag, der hauptsächlich durch den verstärkten Maisanbau auch auf Hanglagen verursacht wird und zur Verschlammung der Flüsse führt, und den starken Ausbau der Wasserkraft, der den Fischen im eigentlichen Flussbett oft nur eine kümmerliche Menge Restwasser lässt.

„Jede Tonne Sediment im Gewässer ist ein Stück toter Lebensraum“, sagt Fischerei-Präsident Göttle. Gemeinsam mit Vogelschutz-Präsident Schäffer fordert er deshalb eine Verpflichtung für die Landwirtschaft, schützende Randstreifen entlang der Gewässer von der Bewirtschaftung frei zu halten. Bayern setzt hier als einziges Land in Deutschland nach wie vor auf Freiwilligkeit.

Noch deutlichere Forderungen kommen aus Gegenden Bayerns, in denen der Mais zur wichtigsten Nutzpflanze für Schweinemast und Biogasanlagen geworden ist. „Der Mais muss von den Hängen weg“, sagt Hans Dieter Scheiblhuber vom Fischereiverein Unterer Inn im niederbayerischen Simbach. Die Lage dort sei katastrophal: „Bei uns schaut schon der blanke Kies raus. Da gibt es keinen Humus mehr.“

Heftig in der Kritik steht auch die Wasserkraft. „Die Fischerei“, so sagt Göttle, „ist der große Verlierer der Energiewende.“ Mittlerweile müsse „um jeden Tropfen Restwasser“ gekämpft werden. Verstöße gegen die Vorschrift, dem Fluss eine bestimmte Menge Restwasser zu lassen, werden nach Beobachtungen des Umweltministeriums nur selten und auch nicht streng geahndet.

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