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Jagdverband

16.10.2020

Bayerns Jäger wählen einen neuen Chef – trotz Corona

Die Querelen im Bayerischen Jagdverband sollen am Samstag mit der Wahl eines neuen Präsidiums endlich ad acta gelegt werden. Die Landesversammlung soll trotz der Corona-Pandemie stattfinden.

Plus Die BJV-Landesversammlung kann laut Staatsregierung stattfinden – ob mit mehr als 400 Teilnehmern ist noch offen. Corona überschattet aber die wirklich spannenden Fragen.

Die nervenzehrende Hängepartie im krisengeschüttelten Bayerischen Jagdverband (BJV) soll sich nicht ein weiteres Mal verlängern. Schließlich wissen die rund 50000 Jäger, die in den rund 160 Kreisgruppen organisiert sind, nun schon seit mehr als einem Jahr nicht, wer den traditionsreichen Verband künftig führen und wie es nach den Querelen um den scheidenden Präsidenten Jürgen Vocke weitergeht.

Deshalb soll, nachdem wegen Corona bereits der Landesjägertag im März in Lindau hatte abgesagt werden müssen, die für diesen Samstag geplante Landesversammlung im Messezentrum Nürnberg auf jeden Fall stattfinden – ob tatsächlich mit mehr als 400 Teilnehmern aus ganz Bayern oder in deutlich reduzierter Form war am Donnerstag noch offen.

Wer wird neuer Jäger-Präsident?

Die eigentlich spannende Frage, wer im Rennen um die Präsidentschaft die Nase vorn hat – der CSU-Abgeordnete Ernst Weidenbusch oder der bisherige Vizepräsident Thomas Schreder –, trat diese Woche wegen der steigenden Corona-Fallzahlen zunächst in den Hintergrund. Ministerpräsident Markus Söder ( CSU) und Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger ( Freie Wähler) stellten am Donnerstag auf Nachfrage unserer Redaktion aber klar, dass die Veranstaltung stattfinden darf. Söder sagte zwar: „So ganz wohl fühlt man sich dabei nicht.“ Er verwies aber auf die Hygienevorschriften, die für Messen und Kongresse gelten. Aiwanger sagte, er halte es für „vertretbar“, dass die Jäger sich mit Abstand und Maske in der großen Halle treffen. Eventuell könne man sich auch darauf beschränken, nur die Stimmberechtigten, also jeweils einen Vertreter je Kreisgruppe einzuladen. Die Stadt Nürnberg werde alles, so Söder, noch einmal genau prüfen.

Die Querelen haben den Jagdverband stark belastet

Dass der CSU-Abgeordnete Weidenbusch aus dem Landkreis München gegen Vizepräsident Schreder aus dem Landkreis Erding antritt, hat sich erst vor Kurzem ergeben. Zunächst war Wirtschaftsstaatssekretär Roland Weigert (Freie Wähler) der Kandidat des „Team Zukunft“, dem auch Weidenbusch angehört. Auf Betreiben Söders zog er seine Kandidatur zurück. Söder begründete seinen Wunsch mit der hohen Arbeitsbelastung der Regierung während der Corona-Krise, sorgte aber mit einem Kabinettsbeschluss dafür, dass die Regelung für alle gilt. Auch alle anderen Regierungsmitglieder werden deshalb ihre Ehrenämter in überregionalen Verbänden niederlegen.

Die Neuwahlen am Samstag haben eine wild bewegte Vorgeschichte. Die schon lange schwelende Führungskrise beim BJV wurde, wie mehrfach berichtet, beim Landesjägertag im Frühling vergangenen Jahres in Passau öffentlich. Die ein Jahr zuvor frisch gewählte Schatzmeisterin Mechtild Maurer hatte zunächst intern Zweifel an der Haushaltsführung unter Präsident Jürgen Vocke geltend gemacht. Daraufhin war ein Wirtschaftsprüfer eingesetzt worden, was dazu führte, dass in Passau kein Haushalt vorgelegt werden konnte. Vocke führte den Verband damals schon seit rund einem Vierteljahrhundert. Er selbst sah sich als unermüdlichen Kämpfer für die Belange der Jäger. Die Zahl seiner Kritiker innerhalb des Verbandes aber wuchs beständig. Sie warfen ihm selbstherrliches Führungsgebaren vor.

Jürgen Vocke, bisheriger Präsident des Bayerischen Jagdverbandes, zog sich nach Vorwürfen der Untreue zurück.
Bild: Ulrich Wagner (Archiv)

Gegen den scheidenden Chef Vocke gab es eine Strafanzeige

Als die strittigen Finanzfragen auch im August vergangenen Jahres noch nicht geklärt waren, platzte dem Vorsitzenden der BJV-Kreisgruppe Memmingen, Andreas Ruepp, der Kragen. Er erstattete gegen Vocke Strafanzeige wegen des Verdachts auf Untreue beziehungsweise Unterschlagung und forderte seinen sofortigen Rücktritt. Ruepp, der auch Beisitzer im Präsidium des BJV ist, begründete seinen Schritt damit, dass er als Polizeibeamter zu den Vorgängen nicht länger schweigen könne. Vocke zog sich zurück. Die Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen ein, die bis heute noch nicht abgeschlossen sind.

Vize-Präsident Thomas Schreder und Schatzmeisterin Mechtild Maurer übernahmen kommissarisch die Führung des Verbandes. Ende Oktober vergangenen Jahres gelang es ihnen, bei der Landesversammlung in Schrobenhausen einen „Befriedungsbeschluss“ herbeizuführen. Beim Landesjägertag im März diesen Jahres sollte nicht nur Vocke, sondern das gesamte Präsidium offiziell zurücktreten. Zugleich sollte Klarheit über die Finanzen und mögliche Verfehlungen in der Vergangenheit geschaffen werden. Damit sollte der Weg für Neuwahlen und einen Neustart des Verbandes freigemacht werden. Die Versammlung aber musste im Corona-Lockdown abgesagt werden.

Nun gibt es einen neuen Anlauf. Wer bei der Wahl das Rennen machen wird, ist nach Aussage beider Kandidaten offen. Beide haben, wie es aus der Jägerschaft heißt, intensiv um Unterstützer geworben. Schreder hatte dafür ein Jahr Zeit, Weidenbusch hatte ein Team.

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