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Coronavirus

17.04.2020

Bayerns Wirtschaft fordert mehr Hilfe in der Corona-Krise

Ab Ende April könnten die Türen auch in Bayern wieder öffnen: Läden bis 800 Quadratmeter sollen dann wieder aufmachen. Gleichzeitig gilt ein Maskengebot.
Bild: dpa

Bayern geht in der Corona-Krise besonders streng vor – oft auch zulasten der eigenen Wirtschaft. Eine neue Studie zeigt jetzt: Der Shutdown trifft den Freistaat hart.

Schon am Mittwoch, in der Pressekonferenz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, war Markus Söder anzumerken, dass er es deutlich weniger eilig hatte als viele seiner Kollegen, das öffentliche Leben in Deutschland wieder hochzufahren. In Nebensätzen und mit knappen Bemerkungen machte der bayerische Ministerpräsident klar, dass der Freistaat einen Sonderweg gehen werde: vorsichtiger, langsamer, strenger.

Man dürfe sich „nicht durch die Krise tasten“, betonte Söder – womöglich auch als Ansage an Armin Laschet, den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten, der kurz zuvor davon gesprochen hatte, das öffentliche Leben „in einem tastenden Verfahren“ wieder hochzufahren. Geschäfte öffnen in Bayern nun erst eine Woche später als im Rest Deutschlands, auch beim Schulunterricht strebt Bayern einen anderen Weg an als der Bund.

 

Bayern gilt als Corona-Hotspot

Söders Vorsicht ist begründet: Bayern gilt aufgrund seiner Nähe zu Italien als Corona-Hotspot. Nirgendwo sonst im Land haben sich so viele Menschen mit dem neuartigen Virus angesteckt: Insgesamt zählte das Landesamt für Gesundheit am Donnerstag bayernweit 35.523 Fälle. Das sind etwa 271 Infizierte pro 100.000 Einwohner. Zum Vergleich: In Baden-Württemberg liegt diese Zahl bei 234, in Mecklenburg-Vorpommern nur bei 39.

Das ist der Grund, warum Söder wiederholt härter durchgreift als seine Amtskollegen – oft auch zulasten der eigenen Wirtschaft. Dabei trifft ein Shutdown Bayern deutlich härter als die meisten anderen Länder. In einer neuen Studie des Ifo-Instituts, die unserer Redaktion vorab vorlag, haben die Wissenschaftler die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise für die Bundesländer berechnet. Demnach würde das stark industriell geprägte Bayern in einem zweimonatigen Shutdown fast zwei Drittel (56,3 Prozent) seiner Wertschöpfung einbüßen, nur Baden-Württemberg würde noch stärker getroffen.

 

Wirtschaftlich starke Länder wie Bayern könnten allerdings nach Ansicht der Forscher im Anschluss an den Shutdown relativ schnell wieder zu alter Produktionsstärke zurückfinden, wohingegen andere Bundesländer wie Berlin oder Mecklenburg-Vorpommern, die stark vom Tourismus leben, die Folgen noch länger spüren werden.

Dem Gastgewerbe macht die Corona-Krise zu schaffen

Bisher trugen die bayerischen Betriebe den Weg der Staatsregierung weitgehend mit – immer öfter sind nun aber auch Forderungen nach weiteren Erleichterungen zu hören. So nannte der Bayerische Industrie- und Handelskammertag den Corona-Fahrplan einen „ersten wichtigen Schritt in Richtung Normalisierung“. Gleichzeitig mahnte BIHK-Präsident Eberhard Sasse aber auch, dass tausenden Hotels, Gasthäusern und Veranstaltern weiter harte Zeiten bevorstünden. Ministerpräsident Markus Söder hatte angekündigt, dass man frühestens Pfingsten über eine Öffnung nachdenken könnte. Ohne schnelle zusätzliche Maßnahmen „werden wir diese Unternehmen nicht über die Zeit retten“, warnte Sasse.

Auch Thomas Geppert, Landesgeschäftsführer des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands, malt ein düsteres Bild. „Wir sind die Hauptbetroffenen dieser Krise“, sagte er unserer Redaktion. Tausende Betriebe hätten Existenzängste, die Besitzer wüssten oft nicht, wie es weitergehen soll. Geppert forderte von der Staatsregierung ein „Signal zum Durchhalten“: Einen zusätzlichen Schutzschirm sowie reduzierte Mehrwertsteuer für Gastronomiebetriebe. „Ganz allein“, betonte Geppert, „werden die Betriebe es nicht aus der Krise schaffen.“

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