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Allgäu

13.01.2020

Behörde spricht nach schweren Verstößen Tierhalteverbot aus

Vielen Tieren geht es auf Allgäuer Höfen gut. Aber in letzter Zeit mehren sich in der Region die Fälle von massiven Verstößen gegen das Tierschutzgesetz.
Bild: Ralf Lienert (Symbolbild)

Plus Erstmals in der Skandal-Serie auf Allgäuer Höfen muss ein Bauer, der viele seiner Kühe und Kälber hat verwahrlosen lassen, seinen Betrieb stilllegen.

Erstmals in der seit vergangenem Sommer anhaltenden Serie von Tierquälereien auf Allgäuer Bauernhöfen ist jetzt ein Tierhalte- und Betreuungsverbot verhängt worden. Der Landwirt aus einem Ortsteil von Dietmannsried, bei dem vergangene Woche Kontrolleure unhaltbare hygienische und gesundheitliche Zustände bei gut der Hälfte der 600 Tiere festgestellt hatten, muss seinen Betrieb stilllegen. Das Landratamt Oberallgäu wird den Bescheid über das Tierhalteverbot im Laufe der Woche zustellen.

Allgäuer Tierskandal: Tiere mussten getötet werden

Nachdem am vergangenen Donnerstag bereits ein Tier wegen seines schlechten Zustandes getötet werden musste, erlitten jetzt am Wochenende fünf weitere Kühe und zwei Kälber das gleiche Schicksal. Bilder und Videos von den Kadavern sowie den Zuständen im Stall sind unserer Redaktion von Philipp Hörmann aus Grönenbach zugespielt worden. Der 39-Jährige ist gelernter Metzger, hat seinen früheren Beruf jedoch aufgegeben und ist jetzt Berufsfeuerwehrmann in München. Über die Organisationen „Soko Tierschutz“ und „Metzger gegen Tiermord“ kämpft er gegen unhaltbare Zustände auf Nutzviehbetrieben. Dabei schleicht er auch mal unangemeldet nachts auf die in Frage kommenden Bauernhöfe und macht Bilder.

„Ich betrete einen Hof nur, wenn ich ganz konkrete Hinweise bekommen habe. Notfalls nehme ich dabei auch den Vorwurf des Hausfriedensbruches in Kauf“, sagte Hörmann am Montag gegenüber unserer Redaktion. Ihm gehe es um das Aufdecken skandalöser Verstöße. Dabei arbeite er eng mit den Behörden zusammen. So hat er am Montag auch die Kriminalpolizei über seine Erkenntnisse informiert.

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Im aktuellen Fall spricht Hörmann, der durch seine Nachforschungen auf Milch- und Mastbetrieben schon vor Jahren zum Veganer geworden ist, von „schrecklichen Zuständen“. Im Stall des Dietmannsrieder Bauern habe er ein frischgeborenes Kalb gesehen, das auf einer Urinlache lag. Hunderte von Milchkühen stünden im Dreck, viele von ihnen seien abgemagert, manche könnten nicht mehr laufen.

Landrat spricht im Tierskandal von "dramatischen Zuständen"

Auch der Oberallgäuer Landrat Anton Klotz, der sich vergangene Woche selbst ein Bild von der Situation in dem Dietmannsrieder Ortsteil gemacht hatte, spricht von „dramatischen Zuständen“. Er sei „maßlos enttäuscht“ und verstehe nicht, warum „der gut ausgebildete Landwirt so mit der Kreatur umgehen kann. So etwas habe ich noch nie erlebt“. Es könne durchaus sein, dass in den nächsten Tagen weitere Tiere wegen ihres miserablen Zustandes eingeschläfert werden müssten, sagte Klotz.

Am Montag waren erneut Amtstierärzte auf dem Hof. Laut Andreas Kaenders, Pressesprecher im Landratsamt Oberallgäu, habe die Tierkörperbeseitigungsanlage Kraftisried den Auftrag bekommen, die sieben Kadaver abzuholen.

Entsetzen über den neuen Fall von Tierquälerei herrscht auch bis in die Landespolitik hinein. So kritisiert Florian von Brunn, umweltpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, die Verantwortlichen im Landratsamt Oberallgäu, die zu lange zugeschaut hätten. Außerdem fordert Florian von Brunn ein sofortiges Kontrollprogramm für Milchvieh-Großbetriebe.

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