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Friedhöfe

22.11.2019

Beleuchtung, QR-Codes, Rebstöcke: Was auf modernen Gräbern alles möglich ist

Ein QR-Code am Grabstein: Wird dieser mit einem Mobiltelefon gescannt, öffnet sich eine Art Lexikoneintrag über den Verstorbenen.
Foto: Stephanie Pilick, dpa

Plus Auf immer mehr Friedhöfen gibt es technische Spielereien oder alternative Beerdigungsangebote. Welch außergewöhnliche Orte es für die ewige Ruhe gibt.

Das Jenseits ist manchmal nur einen Klick entfernt. Die Handykamera scannt den QR-Code am Grabstein – und plötzlich öffnet sich da so etwas wie ein Lexikoneintrag über den Verstorbenen. Man sieht ein Foto von ihm, erfährt, welche Musik er zu Lebzeiten gerne gehört hat, mit wem er verheiratet war oder wo er wohnte. In mehreren bayerischen Städten gibt es mittlerweile solche QR-Codes (englisch: Quick Response, „schnelle Reaktion“) an Grabsteinen. Und es ist längst nicht der einzige Wandel in der Bestattungskultur. Im ganzen Land erfinden sich Friedhöfe neu, bieten technische Spielereien oder Alternativen zur herkömmlichen Bestattung an – es bleibt ihnen oft auch nichts anderes übrig.

QR-Codes an Grabsteinen: So wandeln sich die Friedhöfe in Bayern

Das Problem, das dahinter steckt, ist folgendes: „Es fällt auf, dass die Leerflächen immer größer werden“, sagt Ralf Michal, Vizepräsident des Bundesverbandes Deutscher Bestatter. „Der Gräberkult, wie man ihn von früher kennt, ist überholt, und die Kommunen haben es verschlafen, vernünftige zeitgemäße Bestattungsformen zu schaffen.“ Inzwischen würden sich die Angehörigen in 20 bis 25 Prozent der Fälle für eine Alternative entscheiden – etwa eine Gemeinschaftsgrabfläche, eine Wald- oder Seebestattung. Friedhöfe würden deshalb immer defizitärer, sagt Michal. Denn hinter den populär werdenden alternativen Formen stecken oft Unternehmen. Diese müssten zwar aufgrund gesetzlicher Vorschriften mit einem Friedhof kooperieren, heimsten aber den Großteil der Kosten ein. Und das Geld fehle den Kommunen dann für den Unterhalt der Friedhöfe, sagt Michal.

Auf dem Protestantischen Friedhof in Augsburg hat man sich Gedanken darüber gemacht, wie man mit leeren Gräbern, die zu verfallen drohen, umgehen könnte. Weil es dort viele historische Grabdenkmäler gibt, die aufgelassen werden, aber wegen des Ensembleschutzes nicht entfernt werden dürfen, bietet der Friedhof Patenschaften an. Die Paten kümmern sich um die alten Gräber, lassen sie restaurieren und können dort dann Angehörige bestatten lassen. In ihren Besitz gelangt das Grab allerdings nicht. Wenn sie es nicht mehr in Anspruch nehmen, fällt das Denkmal wieder an den Friedhof zurück. Mehrere Patenschaften gibt es schon, man würde sich aber noch mehr wünschen.

Ewige Ruhe unter Weinreben: Was auf Friedhöfen in Franken möglich ist

Auch in Franken hat man sich etwas Besonderes einfallen lassen. In Nordheim am Main gibt es seit knapp einem Jahr den ersten Friedweinberg Bayerns. Ewige Ruhe unter Reben. Bürgermeister Guido Braun hat mit seiner Idee vom Friedweinberg einen Nerv getroffen. Das Medieninteresse war riesig, als die Fläche mit 186 Rebstöcken im Dezember 2018 eingeweiht wurde. 14 Menschen haben sich seitdem dort bestatten lassen, 33 weitere Plätze sind schon reserviert.

Bei einer Mindest-Liegedauer von zehn Jahren belaufen sich die Kosten 49,60 pro Jahr. Knapp 200.000 Euro hat es gekostet, die 4000 Quadratmeter zu planen und zu gestalten. An den Metallpfählen, an denen sich die Reben hochranken, gibt es höchstens ein kleines Namensschild. Grabschmuck wie Blumen oder Kerzen werden nur bis zwei Wochen nach der Beerdigung geduldet.

Das High-Tech-Grab, das Manfred Guggenmos entworfen hat.
Foto: Stephanie Pilick, dpa

Im Unterallgäu leuchten Gräber in der Dunkelheit

Nicht nur auf dem Friedweinberg ist die Grabgestaltung schlicht. Auch auf gewöhnlichen Friedhöfen entscheiden sich immer mehr Menschen für ein pflegeleichtes Grab. Einer, der das auf die Spitze getrieben hat, ist Manfred Guggenmos. Wenn es auf dem Friedhof in Dirlewang (Unterallgäu) dunkel wird, dann geht an einem Grab wie von Geisterhand das Licht an. Mit etwas Übersinnlichem hat die ganze Sache aber nichts zu tun – sondern mit Technik. Denn in dem Grab, das da jeden Abend in der Dunkelheit leuchtet, steckt jede Menge High-Tech.

Auf dem Grabstein stehen Module, die das Sonnenlicht speichern und damit einen Akku versorgen. Es sei das erste mit Solarstrom beleuchtbare Grab, sagt Guggenmos. Der Elektromeister entwickelte es vor einigen Jahren, als seine Eltern starben. Dass das Grab automatisch beleuchtet wird, ist nicht die einzige Besonderheit. Es gießt sich auch selbst. Im Boden gibt es Sensoren, die die Feuchtigkeit messen, im Grabstein sitzt ein Kompressor, der Luft in einen Tank pumpt. Durch diesen Druck wird das Wasser verdrängt, das dann mit einem Schlauch zu den Pflanzen gelangt. Guggenmos sagt, es sei ihm darum gegangen, selbst mal in einem Grab zu liegen, das pflegeleicht ist.

Ein Grab im Weltraum: Ein Nördlinger bietet Bestattungen jenseits der Erde

Beim Thema Technik ist man in Kempten noch ein wenig zurückhaltend. Dort wurde vor Kurzem über QR-Codes an Grabsteinen diskutiert. Die Stadträte waren skeptisch – sie lehnten es trotz einer Empfehlung des deutschen Städtetags ab, eine Passage in die Friedhofssatzung aufzunehmen, die QR-Codes prinzipiell erlaubt. Die Sorge der Stadträte: Über die Codes hätte jeder Zugriff auf alle möglichen Daten des Toten. Will künftig jemand so etwas an einem Grab montieren lassen, will die Verwaltung im Detail prüfen, welche Informationen abrufbar sein sollen. Kein Problem gibt es indes, wenn jemand zu Lebzeiten festgelegt hat, was über ihn einmal veröffentlicht wird – mit nur einem Klick gelangen die Friedhofsbesucher dann zu dem Verstorbenen im Jenseits.

Apropos Jenseits: Mittlerweile kann man sich tatsächlich auch jenseits der Erde bestatten lassen – nämlich im Weltraum Ein Bestatter aus Nördlingen bietet sie tatsächlich an, die ewige Ruhe im All. Dafür wird ein kleiner Teil der Asche des Verstorbenen in eine spezielle Urne gefüllt. Die wird dann zur Nasa geschickt und dann mit anderen Urnen in einer Rakete in den Weltraum geschossen. (mit bh, jan, dpa)

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