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Bildung
16.03.2017

Massiver Lehrermangel? Hilferuf aus Grund- und Mittelschulen

Immer wieder fallen Stunden aus. Die Opposition fordert deshalb, mehr Lehrer anzustellen.
Foto: Caroline Seidel, dpa

Lehrer mussten zuletzt gut improvisieren, um den Unterricht gewährleisten zu können. Das bayerische Kultusministerium räumt Engpässe ein. Aber was kann man tun?

Notstand! Notprogramm! Lehrermangel sofort stoppen! Mit solch dramatischen Appellen beschreibt die Opposition im Landtag die Situation an Bayerns Grund- und Mittelschulen. Bei der CSU klingt es ein bisschen anders. Man könne „nicht restlos ausschließen, dass es an einzelnen Schulen zu unvorhersehbaren Engpässen kommt“, hieß es vor einigen Tagen aus dem Kultusministerium. Während der Grippewelle im Februar zum Beispiel habe man „Schwierigkeiten“ gehabt, präzisierte eine Ministeriumsmitarbeiterin gestern im Bildungsausschuss des Landtags. Jetzt herrsche kein Notstand mehr.

Opposition und Lehrerverband fordern mehr Lehrer in Bayern

Das sieht nicht nur die Opposition anders, sondern auch Simone Fleischmann, die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV). Teilweise wüssten die Lehrer nicht mehr, „wie sie den normalen Schulbetrieb aufrecht erhalten sollen“, klagt sie.

SPD, Grüne und Freie Wähler fordern deshalb, die Grund- und Mittelschulen ab sofort und auch langfristig besser auszustatten. Der Kemptener Grünen-Abgeordnete Thomas Gehring zitiert Rektoren, die von einem „miserablen Jahr“ berichten, der Frust an den Schulen sei so groß wie nie. Einen Hauptgrund für die „prekäre Situation“ sieht Gehring darin, dass die Regierung nicht genug Lehrer in der mobilen Reserve bereithält. Diese Springer sollen kurzzeitig den Unterricht übernehmen, wenn ein Lehrer überraschend ausfällt – zum Beispiel, wenn wie jedes Jahr im Winter die Grippe umgeht. Über 3000 Lehrer seien derzeit flexibel einsetzbar, heißt es aus dem Kultusministerium. Doch Schulleiter in Bayern beklagen schon seit Jahren, dass die mobile Reserve so mobil gar nicht ist. Die Springer übernehmen demnach zum Beispiel auch Schwangerschaftsvertretungen, helfen aus, wenn jemand langfristig krank ist. Wer spontan Hilfe braucht, hat dann das Nachsehen.

Improvisierte Vertretungsstunden gelten als Unterricht

Die CSU hingegen argumentiert, dass statistisch gesehen im Schuljahr 2015/2016 an der Mittelschule nur 1,9 Prozent der Schulstunden ersatzlos ausgefallen seien, an der Grundschule sogar nur 0,8 Prozent. Das zerpflückt nicht nur die Opposition. Wer an den Schulen in der Region fragt, hört stets dieselben Erklärungen. Rektoren berichten von Teilzeitkräften, die spontan mehr Stunden übernehmen, von Lehrern, die zwei Klassen gleichzeitig unterrichten und von Schülern, die in andere Klassen verfrachtet werden, damit keine Stunde ersatzlos gestrichen ist.

„Man sieht, wie anstrengend unser Job ist“, sagt BLLV-Präsidentin Fleischmann dazu im Gespräch mit unserer Zeitung. Tatsächlich stellten drei Viertel der zuletzt 400 pensionierten Lehrer einen Antrag auf frühzeitigen Ruhestand. Dass 60 der 400 Stellen Anfang März noch nicht wieder besetzt waren, nennt Fleischmann „katastrophal“. Doch die Wartelisten für Grund- und Mittelschullehrer sind leer. Die Opposition fordert deshalb, weitere Gymnasial- und Realschullehrer ohne Stelle nachzuqualifizieren. Fleischmann ist auch dafür. „Wir nehmen gerade jeden.“ An einer Schule im Freistaat übernehme ihres Wissens nach im Moment eine Stewardess den Unterricht. Sie habe in Nordrhein-Westfalen eine Pädagogik-Ausbildung absolviert und mache sich gut. Aber das Beispiel zeige, wie es um die Unterrichtsversorgung bestellt sei.

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