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Bildung
13.09.2016

Schulstart in Bayern: So viele Schüler wie seit zehn Jahren nicht

Drei mal Zwillinge an der Grundschule Wittislingen, von links: Julia und Laura, Valentin und Pius, Miriam und Sarah.
Foto: Karl Aumiller

Vor allem an Grund-, Mittel- und Berufsschulen lernen wieder mehr Kinder und Jugendliche. Das hat verschiedene Gründe, aber einer ist besonders wichtig. Mancher Schulleiter warnt.

Drei Zwillingspaare an einer Schule, dazu noch alle sechs Jahre alt: Erstklässler und Eltern an der Grundschule in Wittislingen (Kreis Dillingen) trauten am ersten Schultag ihren Augen kaum. Julia und Laura, Valentin und Pius, Miriam und Sarah heißen die Geschwisterpaare, die gestern dort eingeschult wurden. „Das gab es bei uns noch nie“, sagt Rektorin Angelika Riesner und freut sich. „Vor einem Jahr hatten wir Drillinge. Unsere Lehrer sind also geübt“, meint sie lachend.

Die Zwillinge sind sechs von 48 Erstklässlern an der Wittislinger Grundschule. Im Freistaat wurden gestern 111.600 Kinder eingeschult – knapp 2300 mehr als zuletzt. Das macht einen Anstieg von rund zwei Prozent. Auch insgesamt stieg die Zahl der Schüler an Bayerns allgemeinbildenden und beruflichen Schulen leicht auf rund 1,7 Millionen an. In den zehn Jahren davor war sie kontinuierlich gesunken, wie die Schüler- und Absolventenprognose des Kultusministeriums zeigt. Regional und mit Blick auf die verschiedenen Schultypen sind die Veränderungen aber teils stark unterschiedlich.

Mehr Kinder an Grundschulen in Bayern

An Grund- und Mittelschulen geht es nach statistisch unterfütterten Vorausberechnungen am steilsten nach oben. Bis zum Schuljahr 2019/2020 lernen demnach gut sechs Prozent mehr Kinder an den Grundschulen in Bayern. Für Mittelschulen verzeichnet die Prognose ein Plus von 7,6 Prozent, an Berufsschulen gar knapp zehn. In Oberbayern, Mittelfranken und Schwaben steigen die Zahlen am stärksten.

Gründe dafür gibt es mehrere: Ballungsregionen wie München, Nürnberg und Augsburg sind attraktiv, auch innerhalb des Freistaats ziehen die Bürger vermehrt in strukturstarke Regionen um. Für alle drei Schularten nennt das Ministerium aber „insbesondere den Zustrom von Flüchtlingen“ als Ursache.

Jürgen Wunderlich, Leiter des Beruflichen Schulzentrums in Neusäß bei Augsburg, hat deswegen gerade wieder viel zu tun. Der Vorsitzende des Berufsschullehrer-Verbands in Bayern muss ständig neue Räume für Berufsintegrationsklassen suchen, in denen junge Asylbewerber Deutsch lernen. „Wir haben keinen Platz mehr“, sagt Wunderlich über sein Schulhaus. Heute starten trotzdem sieben neue Klassen – an einer „Außenstelle“ in Untermeitingen (Kreis Augsburg).

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Grundsätzlich befürwortet Wunderlich, dass die Berufsschulen mehr Schüler verzeichnen. „Die Zahlen zeigen auch, dass wir wieder mehr Auszubildende haben.“ Aber: „Wir brauchen Räume. Und wir brauchen vor allem Lehrer.“

Schlechte Jobperspektive an Realschulen und Gymnasien

Die Wartelisten für Lehrer an Berufs-, Mittel- und Grundschulen aber sind leer. Inzwischen qualifiziert das Ministerium Pädagogen nach, die für andere Schularten studiert haben. Denn an Realschulen und Gymnasien bleibt die Jobperspektive schlecht. Simone Fleischmann, Präsidentin des Lehrer- und Lehrerinnenverbands in Bayern, warnt: „Die Prognosen sind sehr ernst zu nehmen.“ Die Mittelschulen etwa würden künftig mehr Mädchen und Buben besuchen. Aber dort fehlten bereits jetzt Lehrkräfte. Springer der „Mobilen Reserve“ würden als feste Klassleiter eingesetzt. All das, weil es seit Jahren an vorausschauender Planung fehle.

Welche Schule die Wittislinger Zwillinge später besuchen werden, kann noch keiner sagen. Eines aber ist sicher: In ein paar Jahren wird es nahe Dillingen wieder einen besonderen ersten Schultag geben. Rektorin Riesner ist kürzlich Oma von Zwillingen geworden.

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