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Bildung
21.09.2021

Söder ermahnt bayerische Hochschulen: Gendern soll keine Pflicht sein

Fehlende Gendersternchen sollen nicht sanktioniert werden.
Foto: Sebastian Gollnow, dpa (Symbolbild)

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder stellt klar: Wer an der Uni keine geschlechtergerechte Sprache verwendet, darf deswegen nicht schlechter benotet werden.

Kann es sein, dass Studentinnen und Studenten schlechtere Noten für Seminararbeiten bekommen, nur weil sie keine geschlechtergerechte Sprache verwenden und auf Gendersternchen verzichten?

Werden Studierende schlechter benotet, wenn sie nicht gendern?

Seit Wochen geistern derlei Meldungen durchs Land und CSU-Chef Markus Söder hat das Thema als „kulturelle Sollbruchstelle“ identifiziert, über das im Wahlkampf gesprochen werden muss. Er hatte, wie berichtet, Wissenschaftsminister Bernd Sibler (CSU) damit beauftragt, der Sache nachzugehen und die sprachlichen Leitfäden, die es an zwei Drittel der bayerischen Hochschulen und Universitäten gibt, auf möglicherweise überzogene Vorgaben zu überprüfen. Am Dienstag im Kabinett sollte Klarheit herrschen. Doch so ganz klar ist offenbar nicht, ob es überhaupt konkrete Fälle von Sanktionen gegeben hat.

In der Pressekonferenz Sitzung sagte Sibler: „Wir hatten keine offizielle Beschwerde.“ Es gebe aber Hinweise, „dass es sein kann, dass es gefühlt und unterschwellig so daherkommt, dass die Verwendung der Gendersprache in Prüfungen vorausgesetzt wird“. Auch Söder blieb vage. „Es scheint Fälle zu geben, so hören wir das immer wieder“, sagte er. Bereits vergangene Woche hatte die Bayerische Universitätenkonferenz betont, dass die sprachlichen Leitfäden der Orientierung dienen, aber „in keiner Weise verpflichtend“ seien.

Gendern: Bayerische Staatsregierung ermahnt Universitäten

Es blieb somit bei einer vorsorglichen Ermahnung der Universitäten durch die Staatsregierung: Der Verzicht auf Gendersternchen oder Ähnliches dürfe nicht zu schlechteren Noten führen. Nichts, was über die Regeln des deutschen Rechtschreibrats hinausgehe, dürfe prüfungsrelevant sein, sagte Sibler.

Söder sagte, Gleichberechtigung sei ein absolut selbstverständliches Ziel, bei dem Bayern auch noch Nachholbedarf habe. Dazu gehöre auch eine geschlechtersensible Sprache. Staatliche Texte sollen deshalb so abgefasst werden, dass Frauen und Männer sich gleichberechtigt wiederfinden. „Aber wir sind gegen Übermaß, sondern für Augenmaß“, sagte Söder. Er wolle keine Überforderung durch Gendersternchen, keinen Sprachersatz („Elternteil“ statt „Vater und Mutter“) und keinesfalls irgendwelche Sanktionen.

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Die Diskussion ist geschlossen.

22.09.2021

„Gendern bedeutet … die Anwendung geschlechtergerechter Sprache.“ (Wikipedia)
Wer ist nicht für eine gerechtere Welt; also verbietet es sich vom Grundsatz her, gegen eine geschlechtergerechte Sprache Position zu beziehen. Aber als älterer Mensch habe ich schon ein Problem damit:

Beim Gendern handelt es sich nämlich nicht um einen natürlichen Sprachwandel, sondern etwas, das politisch durchgesetzt wurde. Ältere Menschen tun sich mit abrupten Umstellungen schwer. Mir persönlich wäre lieber gewesen, man hätte einen zweiten Muttertag eingeführt und dafür den Vatertag ersatzlos gestrichen. Aber zu spät, diese Alternative wurde nicht diskutiert.

Heute nur eine Bitte: eine einheitliche Regelung für den ganzen deutschen Sprachraum. Es sollte nicht zerstört werden, was Martin Luther mit seiner Bibelübersetzung auf den Weg gebracht hat. Während die Europäische Union ihre sprachliche Vielfalt als Vorteil ansieht, sehen andere im Fehlen einer gemeinsamen Sprache eine Barriere für die Gründung der Vereinigten Staaten von Europa ist das (Und Deutsch als Fremdsprache wird in der EU immer weniger erlernt.) Realistischer scheint mir Letzteres zu sein. Ich stimme auch dem Duden-Chefredakteur zwar nicht als Wörterbuchmacher, aber als älterer Mensch zu: "Wir Wörterbuchmacher hätten es lieber, wenn möglichst viel Einheitlichkeit herrscht."

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22.09.2021

Deutschland lebet ja in den letzten Jahren mehr von Verboten als von Geboten (oder war es schon immer so?). Der Schwachsinn "Gendern" wäre mal ein vernünftiges Verbot.

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22.09.2021

Dieses unsägliche Gendern fühlt sich an, wie Stolper-Lesen und -Hören. BürgerInnen hört sich an, wie das Gegenteil von BürgerAußen. Außerdem sollte gerade auch in Hochschulen mehr auf das Beherrschen korrekter Rechtschreibung geachtet werden. Denn da hakt's tatsächlich vermehrt. Wenn in der Grundschule Kinder schreiben lernen, wie sie hören, muss man sich nicht wundern.
Ich kenne wirklich keine Frau, die sich daran stört, wenn von Bürgern, Mitarbeitern oder dergleichen gesprochen wird. Die meisten fühlen sich, wie ich, durchaus auch angesprochen.

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21.09.2021

Ich werde diese Genderquatsch nicht mitmachen!!!

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21.09.2021

Akzeptanz der gendergerechten Sprache ist in der Praxis doch Gott sei Dank sehr begrenzt. Ich werde nie Sternchen setzen oder gar Vater und Mutter durch Elternteile ersetzen. Auch erwarte ich, dass Briefe/Korrespondenz und dergleichen an mich mit der korrekten Anrede versehen sind. Ich fühle mich nicht als es oder geschlechtsneutral quasi sorry dass zu sagen als "Wallach" .Bin auch nicht von Selbstzweifeln zu meiner Geschlechtszugehörigkeit beseelt. Und Söder hat recht, dass an FHS und Hochschulen die Nichtverwendung gendergerechter Sprache als negativ bewertet werden darf. Mir ist gleichgültig was abgehobene , hippe (Geistes) Wissenschaftler und Soziologen hierzu denken.

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21.09.2021

"Auch erwarte ich, dass Briefe/Korrespondenz und dergleichen an mich mit der korrekten Anrede versehen sind."
Ich erinnere mich an den Fall dass der Kundin einer Bank genau dies sogar höchstrichterlich verwehrt wurde.
Welche Seite zwingt sich hier also auf?

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21.09.2021

Wäre es nicht so mit möglichen negativen Folgen belastet, so könnte man über diese unsinnige Debatte nur noch lachen. Diese überstrapazierte angebliche gendergerechte Sprache drückt doch nicht im geringsten Sprache und seine möglichen und vielfältigen Gegebenheiten aus. Sprache liegt auch und immer beim Betrachter; so wie der Hörende das versteht, verstehen will bzw. manigfaltig verstehend hört. Warum soll und wird bei Bezeichnungen immer nur singular bzw. geschlechterbezogen gedacht? Die Mehrheit der Menschen wünscht sich eine "normale", beidseitig bezeichnende Sprache und nicht irgendwelche abstrußen Schreibweisen. Scheinbar aber wird immer nur auf diejenigen gehört, welche ihre Meinung am lautesten verbreiten! Komisch, war das nicht schon immer bei irgendwelchen Rechtschreibreformen der Fall?

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21.09.2021

Man hat es doch in der AZ gemerkt: Kaum wird, wenn auch nur auf die simpelste Weise (Doppelnennung), umgestellt, kommen reihenweise die "Sprachverfechter" aus ihren Löchern um den Untergang der Kultur ohne Sinn und Verstand herzuschreiben.

Sprache wandelt sich - schon immer - überall - jederzeit.

Ob die "und" Schreibweise, Binnen-I, oder * angewandt wird, ist sicher diskutabel, aber sicher ein Prozess der sich selbst, ohne Einfluss der Politik durchsetzen wird.

Aber vielleicht ist es ja so wie Herr Söder meint dass böse "Genderworte" wie "Elternteil" teile seine Wählerschaft überfordern - das würde zumindest einiges erklären.

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