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Foto: Matthias Balk, dpa
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CSU-Chef Söder, Bundeskanzlerin Merkel und Kanzlerkandidat Laschet beim offiziellen Wahlkampfabschluss von CDU und CSU auf dem Nockherberg.

Bundestagswahl 2021
24.09.2021

Wahlkampfabschluss auf dem Nockherberg: Nochmal alles für Laschet geben?

Von Maria Heinrich

CDU und CSU beschließen auf dem Nockherberg in München ihren Wahlkampf. Es ist in Bayern die letzte öffentlichkeitswirksame Gelegenheit, sich für Armin Laschet stark zu machen. Ob das gelingt?

Der Abend des 24. Septembers sollte als das große Finale im Unions-Wahlkampfs inszeniert werden. Zum Offiziellen Abschluss von CDU und CSU auf dem Münchner Nockherberg sollte CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet gemeinsam mit Noch-Bundeskanzlerin Angela Merkel und CSU-Chef Markus Söder auftreten. Zusammen wollten die drei noch einmal Geschlossenheit unter den Schwesterparteien und Kampfgeist demonstrieren. Ein großes Tam-Tam mit Blasmusik und Böllerschützen war angekündigt.

Sorgen in der Partei sind groß, wie es am Sonntag für die Union ausgeht

Und stimmungsvoll startet der Abend auch im Festsaal am Nockherberg. Blasmusik unterhält die Gäste, es wird angestoßen, geratscht und geschäkert, als gäbe es keine Sorgen. Als würde man zu einem netten Treffen unter alten Freunden zusammenkommen. Dabei werden wohl die wenigsten Parteimitglieder zur Abschlusskundgebung so gelassen sein, wie es auf den ersten Blick den Anschein macht. Immerhin sind die Sorgen, wie es am Sonntag für die Union ausgehen könnte, unter vielen Parteimitgliedern groß.

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Foto: Sven Hoppe, dpa
Foto: Sven Hoppe, dpa

Stimmungsvoll mit Blasmusik: Der Wahlkampfabschluss von CDU und CSU am Nockherberg in München.

Nach außen wollen die Partei-Spitzen wohl gute Miene zum bösen Spiel machen. Den Abend eröffnen die beiden Generalsekretäre, Markus Blume (CSU) und Paul Ziemiak (CDU). Dann gibt es für die Gäste drei Wahl-Filmchen zum Einstimmen. Im Mittelpunkt einmal Laschet, einmal Söder und einmal der Spitzenkandidat der CSU, Alexander Dobrinth.

Dann kommt die Kanzlerin. Ihr Ankommen wird von draußen live auf die große Leinwand im Festsaal gestreamt. Sie wird in München typisch bayerisch empfangen. Mit Böllerschützen, Blasmusik und rhythmischen Geklatsche. An ihrer linken Seite Markus Söder, an der rechten Armin Laschet, so wird sie in den Festsaal und in Richtung Bühne geleitet. Und es wird gespielt und geklatscht und gejohlt. Für die Kanzlerin gibt es noch einmal einen extra Applaus. Dann für Söder. Und zuletzt für Armin Laschet. Warum am Nockherberg, fragt Generalsekretär Blume in Richtung Publikum. "Weil am Nockherberg Stimmung und Klartext zusammenkommen", so seine Antwort.

Wie sehr hängen sich Merkel und Söder für Laschet ins Zeug?

Dabei ist doch das wirklich Ungewöhnliche an diesem Abend weder die Inszenierung noch die Unterhaltung. Für viele ist es vielmehr die Tatsache, dass Angela Merkel überhaupt da war.

Bisher mischte sich die Kanzlerin nicht oft in den Bundestagswahlkampf ihres Parteikollegen Laschet ein. Kaum Interviews, keine gemeinsamen Plakate, keine öffentlichen Wahlkampftermine zusammen. Dass sie nun so plötzlich und auf den letzten Metern doch noch gemeinsam mit ihm auftritt, erst in Stralsund, an diesem Freitag in München, am Samstag noch einmal in Aachen, wirkt umso überraschender.

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Foto: dpa
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Bei ihrem Auftritt in Stralsund: Angela Merkel und Armin Laschet.

Kanzlerkandidat Laschet wird sich viel von den gemeinsamen Terminen mit Angela Merkel versprechen. Er hofft auch Rückendeckung. "Die Bundeskanzlerin greift in den Wahlkampf ein, das ist ein gutes Signal", sagte er kürzlich in Berlin. Doch es sei ein fast schon verzweifeltes Manöver von Merkel, so deuten es Wahlbeobachter. Merkel strahlte bisher nur wenig Enthusiasmus aus, aber für Laschet wird das wahrscheinlich schon reichen. Wichtig für ihn ist, dass sie neben ihm steht. Immerhin ist sie nach 16 Jahren Kanzlerschaft nach wie vor die beliebteste Politikerin der Deutschen.

Merkel: "Armin Laschet Kanzler muss werden, damit Deutschland stabil bleibt."

Auf die Rückendeckung für Armin Laschet muss man jedoch an diesem Abend am Münchner Nockherberg ein bisschen warten. Angela Merkels Rede ist die erste große dieser Veranstaltung. Sie beginnt mit den Worten: "Es ist nicht egal, wer regiert." Sie wolle jetzt noch einmal dazu aufrufen, die letzten Stunden zu nutzen, bevor am Sonntagabend die Wahllokale schließen. Merkel spricht viel über die Herausforderungen, die sie in ihrer Amtszeit angehen musste. Darüber, was ihre Unions-geführte Regierung alles geschafft hat. Und darüber, was den deutschen Bürgerinnen und Bürgern alles droht bei einem Linksrutsch, bei einer Koalition aus Rot-Rot-Grün. "Deshalb sind CDU und CSU die Parteien, die die nächste Regierung führen müssen", sagt sie. "Deshalb muss Armin Laschet Kanzler werden, damit Deutschland stabil bleibt." Viel mehr Worte verliert sie jedoch nicht über den CDU-Kanzlerkandidaten.

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Foto: Sven Hoppe
Foto: Sven Hoppe

CSU-Chef Markus Söder - von Paul Ziemiak als "politisches Schwergewicht" angekündigt - gibt sich weitaus kampfeslustiger. "Ja, es wird eng. Ja, es wird so knapp sein wie nie. Aber: Ja, wir werden am Sonntagabend die SPD noch abfangen und das Spiel in Deutschland drehen.“

Deutschland dürfe nicht zum Experimentierfeld linker Spinnereien werden, so Söder. Es gebe nur eine Chance, das zu verhindern - eine Unions-geführte Regierung. "Deshalb sind wir überzeugt, dass Armin Laschet unser Kanzler wird. Wir wollen unseren Armin Laschet, dass er der nächste Kanzler der Bundesrepublik Deutschland wird."

Immer dabei: Das Schreckensgespenst von Rot-Rot-Grün

Nach dem CSU-Chef tritt Armin Laschet auf die Bühne - der erstmal über München und Bayern schwärmt und von dem Empfang mit Blasmusik und Böllerschüssen. Im Vergleich zu Markus Söder findet er jedoch weniger zündende Worte. Immer mal wieder schweift er ab und erzählt Anekdoten aus den 70er, 80er und 90er Jahren. Wie an diesem Abend schon viel gehört, spricht auch er über das Schreckgespenst einer Rot-Rot-Grünen-Regierung. "Jetzt ist die Pandemie gerade erst wieder vorbei, und die Sozialisten kommen wieder daher mit ihren Steuererhöhungen und Verboten." Jetzt gehe es in den nächsten 48 Stunden darum, das zu verhindern und das allen zu sagen, die noch unentschlossen sind.

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Foto: Matthias Balk
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Als Einziger der Drei spricht er allerdings darüber, was nach der Wahl passieren könnte - Stichwort Koalitionsverhandlungen. Und er richtet seine Worte direkt an den CSU-Chef: "Wenn es ein Dreierbündnis wird, dann sitzen da CDU und CSU zusammen - und ich bin froh, wenn Markus Söder mit dabei ist." Und weiter: "Ich sage jedem, der mit am Koalitionstisch sitzt: Zieht euch warm an. Armin und Markus, das wird ein tolles Team."

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