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CSU-Machtkampf
03.12.2017

Seehofer über seine Zukunft: "Einmal müssen Sie noch schlafen"

Horst Seehofer will nicht erneut als Spitzenkandidat in die Landtagswahl ziehen.
Foto: Andreas Gebert, dpa (Archiv)

Trotz des Wirbels um seine Person wirkt Horst Seehofer entspannt. Was er sich vom Montag erhofft und wie Parteikollegen reagieren.

Kann jemand in so einer schwierigen Situation derart guter Laune sein? Horst Seehofer kann das offenbar. Der CSU-Chef, der über Wochen hinweg eine heftig und hinterhältig streitende Partei erlebt hat, steigt aus dem Auto, als wäre er auf dem Weg zu einem gemütlichen Kaffeekränzchen. Es ist Sonntag, kurz vor 14 Uhr. Drinnen in der neuen CSU-Parteizentrale am Mittleren Ring im Münchner Norden will Seehofer die abschließenden Gespräche über seine Zukunft an der Spitze von Partei und Staat führen. Er zeigt Mitgefühl mit den vor der Tür frierenden Journalisten. „Geh ma rein.“ Er bittet um Geduld, dass er sich seine Erklärung für den Montag aufhebt: „Einmal müssen Sie noch schlafen.“ Und er vermittelt den Eindruck, als sei er mit sich und der Welt im Reinen.

Horst Seehofer: "Wir entscheiden"

Immerhin kündigt er eine Abstimmung in der Sondersitzung der CSU-Fraktion am Montagmorgen an, was als weiterer Beleg für seine Bereitschaft, zumindest bei der Spitzenkandidatur den Weg freimachen zu wollen, gedeutet werden kann: „Wir kommen nicht als Plaudertanten zusammen“, sagt Seehofer: „Wir entscheiden.“ Und noch ein Satz lässt aufhorchen. Seehofer sagt: „Ich hoffe, dass wir das abschließen, was ich eigentlich am Donnerstag vor acht Tagen abschließen wollte.“

Es ist eine klassisch auslegungsbedürftige Seehofer-Formulierung. Wie berichtet hatte der Parteivorsitzende und Ministerpräsident an besagtem Donnerstag erst mittags vor der Sitzung der CSU-Fraktion im Landtag angekündigt, dass am Abend „alles klar“ sein werde. Am Abend im Parteivorstand aber war dann eben wieder nichts mehr klar. Hinterher war das damit begründet worden, dass führende CSU-Politiker Seehofer dazu überredet hätten, doch noch weiterzumachen. Als Parteichef? Als Ministerpräsident? Sowohl als auch? Das wiederum war unklar geblieben.

Auch an diesem Sonntag vor der Parteizentrale sind die wartenden Journalisten darauf angewiesen, alle möglichen Zeichen zu deuten. Ob der CSU-Machtkampf schon hier und heute beigelegt werden kann, bleibt zunächst offen.

Die Sitzung läuft. Seehofers Sprecher berichtet, dass im Raum „Große Lage“ sein Chef und Markus Söder direkt nebeneinandersitzen. Haben sich die beiden Erzrivalen verständigt? Keine Antwort. Von niemandem.

Doppelspitze mit wenigen Gemeinsamkeiten: Horst Seehofer und Markus Söder, hier beim Parteitag der CSU 2015.
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Der Mann, der nicht aufhören kann: Horst Seehofer
Foto: Peter Kneffel, dpa

Die CSU-Politiker, die hineingehen, wissen naturgemäß nicht, was sie erwartet. CSU-Europagruppenchefin Angelika Niebler sagt zur Frage einer möglichen Doppelspitze: „Alles machbar, alles möglich.“ Der CSU-Landtagsabgeordnete Joachim Unterländer meint, das sei zumindest „nicht auszuschließen.“ Die CSU-Oberbayern-Chefin Ilse Aigner bekräftigt die Meinung ihres Bezirksvorstandes, Seehofer solle erneut als Parteichef antreten.

Diejenigen, die herauskommen, wissen aber offenkundig auch nichts Näheres. Der Bezirkschef der Augsburger CSU, Staatssekretär Johannes Hintersberger, hält beide Daumen hoch und sagt: „Miteinander hat Zukunft.“ Der Münchner CSU-Chef, Kultusminister Ludwig Spaenle, teilt mit: „Wir feiern jetzt Advent.“ Und Ilse Aigner – jetzt auf dem Heimweg – hofft gar auf himmlischen Beistand: „Ich zünde mir heute noch eine Kerze an.“ Nahezu alle anderen suchen wortlos das Weite.

Kandidiert Joachim Herrmann?

Informationen unserer Redaktion vom Sonntagmittag, wonach Seehofer und Söder sich auf eine Ämtertrennung verständigt haben, werden nicht bestätigt, aber auch nicht dementiert. Einzig die Aussage, dass Söder am Montagfrüh in der CSU-Landtagsfraktion keinen Gegenkandidaten bekommen werde, wenn er sich um die CSU-Spitzenkandidatur für die Landtagswahl 2018 und somit als Nachfolger Seehofers im Amt des Ministerpräsidenten bewirbt, wird in Frage gestellt. Innenminister Joachim Herrmann, so heißt es, „ringt noch mit sich“, ob er nicht vielleicht doch kandidieren soll.

Das bleibt unklar bis in den Abend. Gewissheit wird sehr wahrscheinlich erst der heutige Montag bringen. Dann treffen sich Fraktion und Vorstand.

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