Newsticker
Bundes-Notbremse: Ausgangsbeschränkungen fallen weniger streng aus
  1. Startseite
  2. Bayern
  3. Corona-Inzidenz: Von langsamen Laboren und geschlossenen Läden

München

09.04.2021

Corona-Inzidenz: Von langsamen Laboren und geschlossenen Läden

Der Online-Handel profitiert von den Geschäftsschließungen.
Foto: Jens Büttner, dpa (Symbolbild)

Plus Zu Ostern kletterten die Zahlen in München, nun sinken sie. Der Zickzackkurs der damit verbundenen Corona-Politik sorgt bei Händlern und Kundinnen für Verunsicherung.

Die Münchner Innenstadt ist belebt. Einzig die Warteschlangen vor einigen Geschäften deuten an diesem Donnerstag darauf hin, dass sich Deutschland aktuell im Ausnahmezustand befindet. Kunden und Einzelhändler, so scheint es, haben sich mit der Situation arrangiert – trotz aller Verwirrung um das Auf und Ab der Inzidenzzahlen. Noch vor Ostern hieß es, dass in Kürze die Notbremse greife. Dann aber gab es nur eine zweistündige Ausgangssperre am Dienstagabend. Bereits am Mittwoch war wieder alles beim Alten. Die Sieben-Tage-Inzidenz lag wieder unter 100 – entgegen aller Erwartung.

Corona-Inzidenz: Münchner Zahlen stimmen nicht immer

Unter den Geschäftsleuten herrscht dennoch einiger Unmut. Sie hatten damit gerechnet, keine Kunden mehr in die Läden lassen zu dürfen: "Click & Collect" statt "Click & Meet". Kurzfristig mussten die Mitarbeiter dann doch wieder in die Geschäfte geholt werden. "Dieses Hin und Her nimmt den Unternehmen die Planungssicherheit", sagt Florian Reil, Sprecher der IHK München. Zudem könne man auch Kunden und Kundinnen nicht zumuten, Tag für Tag die aktuelle Inzidenz in der Zeitung nachzuschlagen.

 

Zwei Münchnerinnen, die gerade aus dem Kaufhaus Ludwig Beck am Marienplatz kommen, sind da anderer Meinung: "Wir hören in der Früh immer Radio und entscheiden dann spontan", sagt eine von ihnen. Von Verwirrung könne keine Rede sein, "wir sind einfach nur froh, wenn die Läden offen haben."

Dass sich die Situation von einem Tag auf den anderen wieder ändern kann, hängt nicht nur mit dem tatsächlichen Infektionsgeschehen zusammen. Es gibt für das Hin und Her einen weiteren Grund: Die Zahlen sind nicht immer verlässlich. Vor Ostern ging der Trend eindeutig nach oben. Alle rechneten damit, dass bei einer Inzidenzzahl über 100 wieder schärfere Regeln gelten. Tatsächlich aber wurden während der Feiertage weniger Erkrankungen gemeldet – vermutlich weil viele die Labore über Ostern nicht komplett oder gar nicht besetzt waren.

Corona-Inzidenz: Unternehmer und Kundinnen verwirren die Regeln

Für Einzelhändler hat das empfindliche Folgen. Laut Christian Greiner, Vorstandschef des Kaufhauses Ludwig Beck am Marienplatz, müssen er und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter maximal flexibel bleiben und "auf alle Veränderungen sehr schnell reagieren müssen". Nach einem Jahr Pandemie komme er jedoch ganz gut mit der Situation klar.

Ähnlich sieht es bei der Personalplanung aus. Sie werde zwar von dem Hin und Her "massiv beeinflusst", sagt Greiner. Es sei manchmal eine kaum möglich, kurzfristig auf die neuen Bestimmungen zu reagieren, "aber mittlerweile schaffen das die Kolleginnen und Kollegen." Um frühzeitig an die Informationen zu den aktuellen Beschränkungen zu kommen, verlässt sich Greiner auf unterschiedliche Quellen, primär jedoch auf die der Landesregierung.

 

Trotz dieser eher positiven Beschreibung findet IHK-Sprecher Reil, dass der Meldeverzug über Ostern für Verwirrung sorgt. Nicht selten melden das Robert-Koch-Institut (RKI) und das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) unterschiedliche Zahlen. Das LGL übermittelt die von den Gesundheitsämtern erhaltenen Fallzahlen mehrmals täglich ans RKI. Laut einer Sprecherin können deshalb und aufgrund der hohen Fallzahlen und unterschiedlicher Aktualisierungszeitpunkte der Webseiten unterschiedliche Zahlen auftreten. Auch technische Probleme seien nicht auszuschließen.

Etwa 90 Prozent der Münchner Händler nutzen den Online-Bestellservice

Handelsverbandssprecher Ohlmann berichtet derweil von zahlreichen Anrufen von Händlern und Händlerinnen, die sich danach erkundigen, was denn gerade gelte. Ohlmann geht davon aus, dass etwa 90 Prozent der Münchner Händler den Online-Bestellservice nutzen – dieser decke jedoch lediglich 50 bis 70 Prozent des Umsatzes. "Das ist aber besser als nichts", sagt Ohlmann, der auch auf den für viele Betriebe wichtigen Kundenkontakt verweist. Dieser sei jedoch nur vollumfänglich gewährleistet, wenn auch die Kunden und Kundinnen über die Regelungen Bescheid wüssten. "Viele gehen aber auch nur auf Verdacht in die Stadt". Oder eben auch nicht.

Lesen Sie dazu auch Uli Bachmeiers Kommentar Die Verwirrung um die Corona-Zahlen? Ein selbstgemachtes Durcheinander!

Das könnte Sie auch interessieren:

Wir wollen wissen, was Sie denken: Die Augsburger Allgemeine arbeitet daher mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey zusammen. Was es mit den repräsentativen Umfragen auf sich hat und warum Sie sich registrieren sollten, lesen Sie hier.

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

10.04.2021

Nein Danke !!!
Wenn ich jeden morgen erst mich über die Corona Wasserstandsmeldung vorm Einkauf informieren muss; ständig Zugangstests machen soll und mich dann noch für den Einkauf vorher anmelden soll- dann lieber überhaupt nicht. Verlorene Zeit- Anfahrt, Laden aufsuchen in der Hoffnung die gewünschte Ware zu bekommen, ggfs unverrichteter Dinge nach Hause fahren. Dann lieber Internet Bestellung mit Rückgaberecht und Lieferung frei Haus. Und noch nicht einmal einen Kaffee kann man in der Innenstadt trinken. NEE nimmer niemals. DEU haben alle viel Angst; andere Länder machens besser.

Permalink
Das könnte Sie auch interessieren