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Reise

18.05.2020

Corona-Krise beendete Kreuzfahrt: Ehepaar erlebt wahre Odyssee

Das Buchloer Ehepaar Michael Karger und Renate Dietrich-Karger konnte auf dem Heimweg noch die Sonne an Bord der MSC Magnifica genießen, während die Corona-Pandemie das öffentliche Leben in Deutschland bereits auf ein Minimum reduzierte.
Bild: Karger

Plus Ein Buchloer Ehepaar wurde auf einer Kreuzfahrt um die Welt von der Corona-Krise überrumpelt. Über eine Heimreise zwischen Piraterie-Verdacht und Ungewissheit.

Es war eine Odyssee, wie sie im Buche steht: Das Buchloer Ehepaar Renate Dietrich-Karger und Michael Karger, dessen Kreuzfahrt um die Welt aufgrund der Corona-Krise frühzeitig endete, ist zurück in der Heimat und aus der Quarantäne entlassen. Am 4. Januar war das Ehepaar vom italienischen Civitavecchia aufgebrochen, bis zum 29. April sollte die Reise ursprünglich gehen – nach zwei Dritteln wurde sie dann am 18. März vor Sydney als beendet erklärt. Zwischen ihrem letzten Landgang in Hobart/Tasmanien – 30 Minuten für Pass- und Zollkontrolle – und der Ankunft in Marseille/ Frankreich liegen sechs Wochen. Wochen auf der MSC Magnifica als „coronafreie Insel“, doch voller Ungewissheit darüber, wie sie dann wieder nach Hause kommen. Am 29. März legte das Schiff von der australischen Westküste ab und die Heimreise begann.

Per Kreuzfahrtschiff durch die Corona-Krise: Feste feiern statt Lagerkoller

„Die Heimfahrt war fantastisch organisiert“, berichtet Renate Dietrich-Karger aus der Heim-Quarantäne. Der Kapitän, Roberto Leotta, meldete sich regelmäßig mit Durchsagen zur Lage. Die Magnifica coronafrei zu halten, war das Gebot der Stunde – keiner von außen kam an Bord, wer das Boot verließ, durfte nicht zurück. Ansonsten beschreiben die Buchloer ihre Stimmung als recht gelassen. Von Lagerkoller keine Spur, sie genossen die verbliebene Zeit: „Wir feierten noch Feste, weil wir wussten, dass es so etwas zuhause lange nicht geben wird“.

 

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Doch neben dem ganz normalen Kreuzfahrer-Alltag – besetzte Liegen und Hamstern am Obstbuffet – erlebten die Eheleute noch das ein oder andere Abenteuer. In Sri Lanka sollte das Kreuzfahrtschiff auftanken. Da es nicht in den Hafen fahren durfte, fand die Betankung auf See statt. Dann kreuzten sie den Golf von Aden: Das Gebiet zwischen dem Horn von Afrika und der Arabischen Halbinsel ist bekannt für Piraterie. Auch wegen der Corona-Pandemie kamen keine weiteren Sicherheitskräfte an Bord. Die Passagiere mussten offene Flächen meiden, Außenlichter wurden ausgeschaltet, nachts waren die Balkone tabu.

Der Tag der Evakuierung rückt näher

Am 14. April erreichten sie schließlich die Stadt Suez und die Einfahrt in den Suezkanal. Hunderttausende US Dollar kostet die Durchfahrt – zu zahlen in bar. „Das ist natürlich ein mächtiger Anreiz für die Piraten“, schrieb Dietrich-Karger in ihrem Reise-Blog. Am folgenden Morgen um 7 Uhr startet die Kanal-Durchquerung. Die Buchloer beobachteten die Fahrt mitten durch die Wüste zusammen mit Freunden von einem Restaurant aus. Anschließend rückte der Tag der Evakuierung – als diese wurde die Ausschiffung von der französischen Regierung betitelt – immer näher. Am 20. April legte das Schiff im französischen Marseille an.

 

Sie mussten ihr Gepäck vor die Kabine stellen, alles wurde mit bunten Bändern markiert. Am 21. April um 7.30 Uhr gingen sie in das Theater: „Dort ging es etwas chaotisch zu“. Alle Passagiere mussten in einer Erklärung um Transit durch Frankreich bitten, Dokumente vorweisen und ihre Temperatur messen lassen. Anschließend setzten sie ihre Masken auf und gingen nach sechs Wochen das erste Mal wieder von Bord. Nachdem die französische Polizei die Papiere kontrolliert hat, stiegen sie in den Bus und fuhren gegen 11 Uhr los.

„Marsmenschen“ nehmen die Reisenden an der Grenze in Empfang

Zehn Stunden später erreichten sie Strasbourg, wo sie die deutsch-französische Grenze querten und in einen deutschen Bus umstiegen. Helfer in Schutzanzügen, die sie als „Marsmenschen“ beschreiben, schichteten das Gepäck um und kontrollierten die Passagiere. Um 2 Uhr nachts erreichten die Busse München. Der Hauptbahnhof war geschlossen, augenblicklich nach Ankunft der Busse bogen jedoch Taxis um die Ecke. „Für die Fahrer muss es ein unverhoffter Einnahmesegen gewesen sein“, sagt die Buchloerin.

Eine Stunde später trafen sie in der Wohnung ein, die sie am 4. Januar für eine Reise um die Welt verlassen haben und in der sie die folgenden zwei Wochen in Quarantäne verbringen. „Wir werden auf jeden Fall nie wieder seekrank“, erzählt die Buchloerin lachend. Auf die Frage, ob sie noch einmal eine Kreuzfahrt machen möchten, antwortet sie: „Auf jeden Fall, aber nicht diese. Einmal um die Welt zu fahren, war ein Traum, der jetzt erfüllt wurde.“

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