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Foto: Matthias Becker (Archivbild)
Foto: Matthias Becker (Archivbild)

Einhaltung der Corona-Regeln: Ein Fluggast übt Kritik am Allgäu Airport und der Flughafenpolizei.

Corona-Pandemie
12.05.2021

Vorwürfe gegen Allgäu Airport: Fluggast schildert "unfassbare Szenen"

Von Daniel Halder und Simone Härtle

Plus Bilder zeigen: Menschen stehen bei der Einreise dicht an dicht. Ein 60-Jähriger übt nun scharfe Kritik an Flughafen und Polizei. Was die Betroffenen sagen.

„Ich hätte nicht gedacht, dass so etwas in Bayern möglich ist“: Es sind schwere Vorwürfe, die Dr. Martin Bentler gegen die Betreiber des Allgäu Airports und die Polizei am Memminger Flughafen richtet. Der 60-Jährige hat Aufnahmen gemacht, die zeigen, wie viele Menschen im Wartebereich vor der Passkontrolle dicht an dicht stehen. Die Bilder und Videos, die unserer Redaktion vorliegen, hat er an mehrere Behörden geschickt. Der Flughafen verweist auf die Eigenverantwortung der Passagiere und darauf, dass viel für die Sicherheit der Reisenden getan werde.

Bentler war mit seiner Frau am 1. Mai mit einer Wizzair-Maschine aus dem bulgarischen Warna in Memmingerberg gelandet. Vor der Passkontrolle hätten sich „unfassbare“ Szenen abgespielt, sagt er. „Im Einreisebereich standen Menschen auf engstem Raum zusammen. Keiner konnte den Mindestabstand einhalten.“ Seine Frau, eine Augenärztin, die selbst Corona-Impfungen in ihrer Praxis und im Impfzentrum in Bad Tölz durchführe, habe die Polizei mehrfach auf die Situation aufmerksam gemacht. „Die Beamtin bei der Passkontrolle sagte lediglich, sie sei dafür nicht zuständig.“ Auch andere Polizisten hätten nicht oder sogar abweisend reagiert. „Es waren etliche Beamte vor Ort, keiner wollte eingreifen. Im Gegenteil: Unsere Bedenken wurden einfach abgetan. Mich hat das geschockt“, sagt Bentler. Ähnliche Vorwürfe wurden bereits Anfang des Jahres laut.

Polizei: Flughafen ist für die Einhaltung der Regeln zuständig

„Für die Kontrollen zur Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln ist grundsätzlich der Flughafenbetreiber mit seinen Mitarbeitenden zuständig“, sagt Holger Stabik, Sprecher des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West. Dennoch nähmen die Polizisten die Anliegen der Passagiere ernst und schritten gegebenenfalls bei Verstößen ein. „Es darf aber in diesem Zusammenhang auch von den Reisenden ein Mindestmaß an höflichem Umgang mit den Beamtinnen und Beamten vorausgesetzt werden.“

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Und wie steht der Flughafen zu den Vorwürfen? „Jede Person ist primär selber dafür verantwortlich, einen größtmöglichen Abstand zu anderen Personen einzuhalten“, sagt ein Sprecher auf Anfrage unserer Redaktion. Dennoch gebe es regelmäßige Kontrollen und Hinweise durch das Flughafenpersonal. Auch werde durch Schilder und Durchsagen auf die Masken- und Abstandspflicht aufmerksam gemacht. An einem Flughafen sei es aber gerade in Hochphasen nicht immer möglich, alle Abstände einzuhalten. Die Passagiere und Beschäftigen müssten daher medizinische Masken tragen.

Das will der Allgäu Airport gegen das Problem tun

Der Sprecher sagt außerdem: „In Zusammenarbeit mit der bayerischen Gesundheitsbehörde wurden drei Leichtbauhallen gebaut, die insgesamt 1200 Quadratmeter zusätzliche Wartefläche vor der Einreise bieten.“

 

Bentler und seine Frau haben das Geschehen im Flughafengelände auf Fotos und Videos dokumentiert. Der 60-Jährige sagt, er habe das Material an die Polizei und an etliche Behörden geschickt – mit der Bitte um Antwort. Tätig wurde nach seinen Worten das Unterallgäuer Gesundheitsamt. Dort bestätigt man auf Nachfrage unserer Zeitung, dass es am Airport derzeit wöchentlich Ortsbegehungen zu den Corona-Auflagen gebe. Ziel sei es, dass das vorhandene Hygienekonzept des Flughafens weiter optimiert und überwacht werde.

Nach dem jüngsten Vorfall wurde die Zahl der Personen, die sich im Wartebereich aufhalten dürfen, laut Landratsamt nochmals von 60 auf 40 reduziert. Generell habe man aber die Erfahrung gemacht, dass der Flughafenbetreiber aktiv daran mitwirke, dass der Infektionsschutz gewährleistet wird.

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