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Kriminalität

22.01.2021

Corona-Telefonbetrug: So nutzen Täter das Impfen für ihre Maschen

Hinter betrügerischen Anrufern stecken häufig Kriminelle, die genau wissen, wie sie ihre Opfer manipulieren können, um an Geld zu kommen.
Foto: Karolin Krämer, dpa (Symbolbild)

Plus Die bayerische Polizei warnt eindringlich vor neuen Betrugsmaschen im Zusammenhang mit Corona. Das Tückische dabei: Die Täter denken sich immer wieder neue Methoden aus.

Es ist erst ein paar Tage her, als Gustav Wilhelm den ominösen Anruf erhielt. Ein fremder Mann meldete sich. "Er hatte einen ziemlich starken Akzent, aber sein Deutsch war gut zu verstehen", erinnert sich der Senior aus dem Großraum Augsburg. Der Anrufer sprach davon, dass er Wilhelm für einen früheren Kauf entschädigen und ihm aufgrund der schwierigen finanziellen Lage während der Corona-Krise 450 Euro erstatten wolle. Wilhelm bräuchte ihm nur seine Bankverbindung geben, und schon würde er ihm das Geld überweisen, versprach der Mann. "Da habe ich gleich aufgemerkt", sagt der 82-Jährige, der seinen richtigen Namen an dieser Stelle aber nicht lesen möchte. "Immer wieder kam er auf meine Bankdaten zu sprechen. Da habe ich gesagt: Von Ihnen lasse ich mich nicht betrügen. Und dann habe ich aufgelegt." Mit seinem Erlebnis hat sich Wilhelm nun an unsere Redaktion gewandt. "Denn ich glaube, dass hinter dem Anruf eine Bande steckt, die an mein Geld kommen wollte." Er könnte Recht mit seiner Vermutung haben.

Die Täter gehen äußerst trickreich vor und richten großen Schaden an

Die bayerische Polizei warnt aktuell wieder eindringlich vor sogenannten Corona-Maschen. Dabei versuchen Kriminelle mit Tricks und Betrügereien, Geld von meist älteren Bürgern zu ergaunern, heißt es dazu beim bayerischen Landeskriminalamt (LKA): "Grundsätzlich suchen sich Betrüger vorwiegend Personengruppen aus, die vermeintlich auf ihre Tricks leichter hereinfallen, nicht gut informiert und einfach zu verunsichern sind – zum Beispiel ältere und allein lebende Personen."

Das Tückische: Die Täter denken sich immer wieder neue Methoden aus, um ihre Opfer reinzulegen, und gehen äußerst trickreich vor. Ihnen gelingt es dabei, erheblichen Schaden anzurichten, wie ein Fall aus Augsburg zeigt, der im Dezember vor Gericht verhandelt wurde. Mit einer List brachten die Betrüger einen 83-jährigen Mann dazu, dreimal Bargeld im Wert von etwa 30.000 Euro abzuheben und ihnen zu übergeben. Neuerdings entdecken die Täter nun auch das Thema Impfen und die aktuellen Corona-Bestimmungen für ihre Machenschaften. Verschiedene Polizeipräsidien im Freistaat berichten immer wieder von neuen Maschen, wie Bürger um ihr Geld gebracht werden:

So versuchen professionell organisierte Betrügerbanden, zum Beispiel wegen angeblicher Impftermine Zugang zu Wohnungen von Rentnern zu erhalten. Dabei fänden derzeit noch überhaupt keine Impfungen in Privathäusern statt, betont die Polizei. Ein weiterer Vorwand der Täter lautet, dass Senioren, die sich gegen das Coronavirus impfen lassen wollen, eine Vorab-Gebühr für ihre Impfung bezahlen müssen. Immer wieder kommt es auch vor, so heißt es beim Polizeipräsidium Straubing, dass sich falsche Polizisten telefonisch melden und behaupten, eine drohende Anzeige wegen eines Verstoßes gegen die Corona-Bestimmungen könne nur durch die Zahlung einer größeren Summe abgewendet werden. Das Polizeipräsidium Oberpfalz berichtet auch von einigen Fällen, wo die Täter ältere Menschen telefonisch dazu aufforderten, sich zu einer bestimmten Uhrzeit an einem Treffpunkt einzufinden, um sich dort impfen zu lassen. Die Angerufenen sollten dafür aber einen größeren Geldbetrag mitbringen, um für die Impfung zu bezahlen.

Bayerische Polizei zu Betrugsmaschen: "Ein gesundes Misstrauen ist keine Unhöflichkeit."

Wer hinter den Betrügereien im Zusammenhang mit Corona steckt, ist nicht gewiss. Beim LKA heißt es dazu, dass es "hierzu noch keine belastbaren Zahlen und damit einhergehende Ermittlungserkenntnisse vorliegen". Beim Phänomen "falsche Polizeibeamten" handele es sich in der überwiegenden Anzahl der Fälle um Tätergruppierungen aus der Türkei, erklärte eine LKA-Sprecherin, beim Enkeltrick um überwiegend aus Polen agierende Tätergruppen. "Wir bitten um Vorsicht. Ein gesundes Misstrauen ist keine Unhöflichkeit."

Wie können sich Bürger nun vor diesen neuen Betrugsmaschen schützen? Die bayerische Polizei weist in diesem Zusammenhang auf einige wichtige Informationen hin: In Bayern erfolgen die Einladungen zu Corona-Impfungen derzeit grundsätzlich nicht telefonisch. Die Impfungen werden aktuell ausschließlich in den eingerichteten Impfzentren sowie in Alten- und Pflegeheimen durch mobile Impfteams durchgeführt. Die Impfung gegen Corona ist außerdem für alle Bürger kostenfrei. Es müssen keine Vorauszahlungen oder Aufwandsentschädigungen gezahlt werden.

Corona-Betrusgmaschen: Welche Tipps und Ratschläge die Polizei gibt

Darüber hinaus raten die Beamten dazu, niemals Geld an fremde Personen zu übergeben. "Lassen Sie keine fremden Personen in Ihre Wohnung, geben Sie telefonisch nie Auskunft über ihre Vermögensverhältnisse. Lassen Sie sich von Anrufern nicht unter Druck setzen. Rufen Sie beim geringsten Zweifel über Notruf 110 die Polizei an. Sprechen Sie mit Verwandten und Bekannten über das Phänomen, um andere Menschen zu warnen."

Das Gleiche hatte sich auch Gustav Wilhelm gedacht, nachdem er den ominösen Anruf erhalten hatte. "Auch wenn ich die Masche gleich durchschaut habe, weiß ich, wie schnell man auch darauf reinfallen kann", sagt er. "Davor will ich meine Mitmenschen ausdrücklich bewahren und sie zur Vorsicht mahnen."

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