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20.02.2016

Das sind die Verlierer und Gewinner des Winters

Das Bild, das in den vergangenen Tagen am Ifen entstand, zeigt einen Winter, wie er sein soll. 128 Kilometer Pisten sind derzeit im Raum Oberstdorf/Kleinwalsertal in Betrieb.
Bild: Benedikt Siegert

Wo ist er nur, der Schnee? Wenn man im Allgäu auf die Suche geht, findet man Pisten und Loipen, die besser sind als gedacht.

Robert Römer, Inhaber und Betreiber der Buron-Lifte bei Wertach im Oberallgäu in einer Höhenlage zwischen 900 und 1450 Metern, hat einen Entschluss gefasst: Wenn der nächste Winter wieder so schlecht wird, dann will er den Skibetrieb aufgeben. Gerade einmal an fünf Tagen liefen die Lifte in dieser Saison. Römer sagt: „Wenn ich davon leben müsste, wäre ich schon lange verhungert.“ Geradezu ideal sei dagegen der Winter 2014/15 verlaufen: Da waren die Buron-Lifte an 55 Tagen in Betrieb. Ähnlich wenig Schnee wie in diesem Winter gab es auch schon 2013/14 und 2006/7.

Weil die Winter zunehmend unberechenbarer und unsicherer seien, setzt Römer jetzt zunehmend auf das Sommergeschäft und die Talgastronomie. Vor einigen Jahren wollte er noch in die Beschneiung mit Wasser aus dem nahen Grüntensee investieren, jetzt plant der Unternehmer ein Spieledorf für den Sommer – mit Hüpfburg, Trampolins und überdachten, großen Sandkisten mit Spielgeräten.

Dass das Sommergeschäft zunehmend wichtiger werde, sagt auch Ralf Speck von der Alpspitzbahn in Nesselwang. Immerhin: Dort laufen in diesen Tage die Lifte. „Auch Nachtskifahren können wir wieder anbieten“, Wie lange? Speck zuckt die Schultern. Vor allem am Sonntag und Montag soll es für Februar wieder ungewöhnlich warm werden.

Weil man in diesem Winter auch Wanderer auf den Berg fuhr, ist die Alpspitzbahn nach Angaben von Speck bisher „mit einem blauen Auge davon gekommen“. Es sind die Sommerattraktionen, die das Geschäft auch im Winter retten sollen: Beispielsweise der große Flying Fox „Alpspitz-Kick“ – eine riesige Seilrutsche. Speck: „In den Weihnachtsferien hatten wir 500 Flüge, in anderen Wintern kaum einen.“ Von Nesselwang ist es nur eine 20-minütige Autofahrt dorthin, wo in Sachen Winter fast alles wie sonst im Februar ist: In Oberjoch laufen die neuen Bergbahnen und hier beginnt das 140 Kilometer lange Loipen-Netz ins Tannheimer Tal. Alles ist frisch präpariert.

Hoffnung auf ein schneereiches Finale

An der Talstation der Nebelhornbahn in Oberstdorf treffen wir Roland Pichl, 54, aus Lauben bei Kempten. Pichl ist das, was man einen leidenschaftlichen Skifahrer nennt. Er hat sich eine Super-Schnee-Saisonkarte fürs gesamte Allgäu gekauft und führt genau Buch, wo er wann unterwegs war. „Bisher waren es 16 Skitage“, sagt er und hofft, dass noch einige hinzukommen werden. „Eigentlich ging immer irgendwo was“, berichtet er. Zum Beispiel im grenzübergreifenden Skigebiet Fellhorn/Kanzelwand. Dort sind sämtliche Lifte und Anlagen in Betrieb. Die Talabfahrten nach Oberstdorf und ins Kleinwalsertal sind offen. Bayernweit habe man ein „Top-Produkt“ vorzuweisen, sagt Fellhornbahn-Chef Augustin Kröll selbstbewusst. Was ihn wurmt: Dass bei der Diskussion über den milden Winter alles über einen Kamm geschert werde. Zumindest im Gebiet Fellhorn/Kanzelwand sei diese Saison besser als die vergangenen gelaufen, sagt er.

Peter Schöttl ist Chef der Nebelhornbahn in Oberstdorf und gleichzeitig Geschäftsführer bei der Wendelsteinbahn im oberbayerischen Brannenburg. Und Schöttl ist auch Präsident des Verbandes Deutscher Seilbahnen (VDS). Während die Nebelhornbahn seit Dezember in Betrieb ist und derzeit alle Pisten bis ins Tal gut befahrbar sind, hatte die Wendelsteinbahn bisher erst an fünf Tagen Skibetrieb. „Ohne Beschneiungsanlagen geht es heute nicht mehr“, sagt Schöttl. Am Nebelhorn, wo eine neue Beschneiung auch im oberen Teil in Betrieb genommen worden war, liege man in dieser Saison über dem Schnitt der vergangenen fünf Jahre. Erst vergangenen Donnerstag wurde die nächtliche Kälte nochmals genutzt, um die Talabfahrt künstlich zu beschneien.

Nach einem schlechten Geschäft in den Weihnachtsferien für viele Liftbetreiber und einer nicht optimalen Faschingszeit hoffen Bergbahnen und Wintersportler jetzt auf ein schneereiches Finale. Weil Ostern bereits Anfang April ist, könnten bei entsprechendem Wetter und guter Schneelage in den Ferien noch viele Skifahrer ins Allgäu kommen. Doch zunächst soll es ungewöhnlich mild werden. Erst für Dienstag prognostizieren die Meteorologen neue Schneefälle.

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