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Film

25.04.2020

Das vergessene Lachen der Maria Schell

Das Verhältnis war nicht immer ungetrübt: Maria Schell mit ihrer Tochter im Jahr 1972.
Bild: Wolfgang Kühn, United Archives, Imago Images (Archiv)

Vor 15 Jahren starb die beliebte Schauspielerin Maria Schell. Ihre Tochter Marie Theres Kroetz-Relin erzählt vom bitteren Ende des Weltstars.

Sie war zu ihrer Zeit einer der wenigen deutschen Weltstars. Das mitreißende Lachen war ihre Visitenkarte. Sie brillierte in „Die letzte Brücke“ und „Die Brüder Karamasow“. Ernest Hemingway gratulierte ihr persönlich, als er sie in einer TV-Verfilmung seines Romans „Wem die Stunde schlägt“ sah. Am Ende starb Schauspielerin Maria Schell mit 79 Jahren schwer krank und verarmt auf einer Alm in Kärnten.

Um an die großartige Karriere der gebürtigen Österreicherin zu erinnern, hatte ihre Tochter Marie Theres Kroetz-Relin zu ihrem 15. Todestag an diesem Sonntag eine Kino-Retrospektive mit Krimis ihrer Mutter geplant, die aber nun wegen der Corona-Krise ins Wasser fällt. „Ich wollte, dass man Maria Schell noch mal anders als in den bekannten Filmen sieht“, sagt die 53-Jährige, die in München geboren wurde, ebenfalls Schauspielerin ist und heute in Wasserburg am Inn lebt. „Aber ich kann das ja zu ihrem 95. Geburtstag im kommenden Jahr noch mal versuchen.“

Die Tochter wurde im Filmgeschäft zu einer Konkurrentin

Das Verhältnis zur Mutter war nicht immer ungetrübt. „Als Kind war meine Mama mein Ein und Alles“, erzählt Marie Theres Kroetz-Relin im Gespräch mit unserer Redaktion. Als sie selbst jedoch im Filmgeschäft zu einer Konkurrentin geworden sei, habe sich die Beziehung abgekühlt. „Da kam bei ihr Eifersucht hoch, die sich so hochschaukelte, dass mein Onkel Maximilian (Schell, Anm. d. Red.) und meine Mutter mir beispielsweise einmal erklärten, ich soll die ,Goldene Kamera’ nicht annehmen, weil meine Leistungen nicht gut genug dafür gewesen sind.“ Sie selbst habe damals geheult, hätte aber den Preis trotzdem entgegengenommen. Inzwischen sei sie mit ihrer Mutter wieder im Reinen, sagt die Ex-Frau des Dramatikers und Schauspielers Franz Xaver Kroetz.

Das vergessene Lachen der Maria Schell

Maria Schell hatte nach Darstellung der Tochter zwei Seiten. „Einerseits war sie die tolle und glänzende Karrierefrau, andererseits war sie ein liebendes Weibchen, das sich ihren Männern untergeordnet hat.“ Auch von Kroetz-Relins Ex-Mann habe Maria Schell geschwärmt: „Wenn es den Franzl zweimal geben würde, tät’ ich einen davon heiraten.“ Auch die letzten Worte, die sie von ihrer Mutter gehört hat, seien nicht an sie, sondern an Kroetz gerichtet gewesen. Am Telefon habe die Mama, als sie schon sehr krank war und seine Stimme hörte, gesagt: „Servus Schatzi, wie geht es dir?“

Kroetz-Relin über Alzheimer-Gerüchte ihrer Mutter: "Da wurde viel verdreht"

Sie selbst habe ihre Mutter in den letzten Tagen vor ihrem Tod noch im Krankenhaus gefüttert und sie so weit hochgepäppelt, dass sie nochmals nach Hause durfte. Dort sei sie dann kurz darauf friedlich gestorben. „Ich glaube, es war gut so.“

Kroetz-Relin widerspricht Medienberichten, dass ihre Mutter zuletzt an Alzheimer erkrankt gewesen sei: „Da wurde viel verdreht.“ Maria Schell sei allerdings seit langem manisch-depressiv gewesen. Diese furchtbare Krankheit habe sie letztendlich auch in den finanziellen Ruin getrieben. „Am Ende sind nur mehr Schulden da gewesen. Darum musste ich auch ihr Erbe ablehnen.“

Maria Schell habe 16 Schlaganfälle gehabt

Kaum jemand habe die Krankheit damals verstehen und erkennen können. Sie und Kroetz hätten diese Persönlichkeitsentwicklung zwar erkannt, seien aber angefeindet worden, weil sie Maria Schell für geschäftsunfähig erklären lassen wollten. Denn die Schauspielerin tätigte während ihrer manischen Phasen ungezügelt Einkäufe. Einmal habe sie beispielsweise für damals 16.000 Mark einen Privat-Helikopter bestellt, weil sie zu einer Theatervorstellung zu spät dran war. Hinterher ist die Wohnung der Tochter, wo Maria Schell zwischenzeitlich lebte, irrtümlich vom Gerichtsvollzieher leer geräumt worden. Im Zuge ihrer Erkrankung habe ihre Mutter 16 Schlaganfälle gehabt, sagt Marie Theres Kroetz Relin. „Jeder hat ein Kerzchen bei ihr ausgelöscht.“

Doch Maria Theres Kroetz-Relin erinnert sich nicht nur an die schwierigen Seiten, sondern auch an die wunderbare Begabung ihrer Mutter. „Sie war eine großartige Nachkriegsschauspielerin und hat auch deswegen eine so steile Karriere gemacht, weil sie den Menschen im damals zerstörten Deutschland Hoffnung geben konnte.“ Es sei schade, dass die öffentliche Erinnerung an sie langsam verblasse.

Kroetz-Relin selbst probt derzeit an einem Theaterstück, produziert von der Komödie im Bayerischen Hof in München, und plant ein weiteres Buch mit Anekdoten über ihre berühmte Familie.

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