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Neues Konkordat

03.08.2010

Debatte um Bezahlung der Bischöfe

Der Regensburger Oberhirte Gerhard Ludwig Müller.
Bild: aw htf

"Es sieht so aus, als würden wir vom Staat bezahlt", sagt der katholische Bischof aus Regensburg Gerhard Ludwig Müller. Er will eine Neuregelung der Bischofsbesoldung. Von Alois Knoller

Als erster katholischer Bischof hat der Regensburger Oberhirte Gerhard Ludwig Müller eine Neuregelung der Bischofsbesoldung ins Gespräch gebracht. Seit der Säkularisation von 1803 sei die Dotierung der Bischöfe ein ungelöstes Problem, sagte Müller in einem Zeitungsinterview. "Es sieht so aus, als würden wir vom Staat bezahlt. In Wirklichkeit handelt es sich nur um die Renditen aus den enteigneten Kirchengütern."

Der bayerische Staat zahlt im Jahr 88 Millionen Euro an die Kirchen, katholischerseits auf Basis des Konkordats von 1924 mit dem Vatikan. Ein Teil davon ist die Bezahlung der sieben Bischöfe, ihrer Weihbischöfe und Domkapitel, die sich bislang an der Beamtenbesoldung orientiert. Bischof Müller plädierte für ein eigenes Besoldungssystem. "Mir geht es in erster Linie um die Freiheit der Kirche", sagte er. Die Kirche müsse vom Staat unabhängig sein.

Über eine Entflechtung liefen bereits Verhandlungen mit dem Staat, informierte der Leiter des Katholischen Büros in Bayern, Prälat Lorenz Wolf, auf Anfrage. Denkbar sei eine pauschalierte Zahlung des Staates, wie es für die Evangelische Kirche schon praktiziert wird. "Bei der Höhe der Besoldung der Bischöfe spricht der Staat dann nicht mehr mit", nannte Wolf als Vorteil.

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Die staatlichen Zahlungen an die Kirchen stünden freilich nicht zur Debatte. Dies seien "rechtmäßige Verpflichtungen", die nicht verjähren, meinte Wolf. Allerdings sei bereits erwogen worden, die Leistungen in Form eines Ausgleichsfonds zu erbringen - wofür dem Staat bislang das Geld nicht reichte. Es müsse verhandelt werden, was in einem zukünftigen Finanzsystem kapitalisiert und was pauschaliert wird.

Jede Neuregelung ist kompliziert, weil die Gesamtsumme gleich bleiben muss. Immerhin gelang es dem Katholischen Büro 2009, die Vergütung für die Dienstwohnungen der Domkapitulare klarer zu regeln. "In fünf Jahren werden wir auch die Bischofsbesoldung hinkriegen", versprach Wolf. Für die Ablösung von Kirchengebäuden aus staatlicher Baulast, die Bischof Müller ebenfalls forderte, müsse man allerdings jedes Gebäude einzeln betrachten. Alois Knoller

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