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Ostallgäu

20.05.2019

Defekte Gasleitung löste Hausexplosion aus - zwei Leichen gefunden

Wohnhaus explodiert
2 Bilder
Einsatzkräfte räumen an einem zerstörten Haus in Rettenbach Schutt beiseite. In den Morgenstunden kam es dort zu einer Explosion, Menschen wurden dabei verschüttet.
Bild: Hildenbrand, dpa

Nach einer Explosion in einem Wohnhaus im Ostallgäu herrscht traurige Gewissheit: Die Helfer finden eine zweite Leiche. Die Ursache für das Unglück steht fest.

Eine defekte Gasleitung hat im Allgäu die verheerende Wohnhausexplosion mit zwei Toten verursacht. Wie die Polizei am Montag berichtet, wurde neben dem komplett zerstörten Gebäude eine beschädigte Leitung für Flüssiggas entdeckt. Dadurch sei wohl über einen längeren Zeitraum Gas in das Haus geströmt, obwohl das Gebäude selbst keinen Gasanschluss gehabt habe. "Wie diese Beschädigung verursacht wurde und wie das Flüssiggas in das Wohnanwesen gelangte, ist noch nicht abschließend geklärt", erklärt Polizeisprecher Jürgen Krautwald.

Ausnahmezustand nach Explosion in Rettenbach

Noch am Sonntag ist die Anspannung in der 900-Einwohner-Gemeinde beinahe greifbar. Wo zuvor ein Wohnhaus stand, liegt nur noch Schutt. Ein Bagger räumt Ziegel- und Holzreste von der Straße. Das Dach des Gebäudes ist auf das Erdgeschoss gestürzt, von den Stockwerken dazwischen ist nichts mehr zu sehen. Etwa 350 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Rettungsdienst, Technischem Hilfswerk, Polizei und Bergwacht sind vor Ort und suchen mit schwerem Gerät nach den Vermissten.

Sechs Menschen lebten nach Angaben der Polizei in dem Haus: eine fünfköpfige Familie und eine weitere Person. Diese ist zum Zeitpunkt des Unglücks nicht vor Ort, ebenso wie zwei Söhne der Familie. Die Buben sind draußen auf einem Spielplatz. Mutter, Vater und Tochter dagegen halten sich während der Explosion im Haus auf.

Am Mittag gelingt es den Helfern, die 39-jährige Frau mit schwersten Verletzungen aus den Trümmern zu bergen. In der Nacht bergen die Retter dann einen Toten, bei dem es sich um den Ehemann der 39-Jährigen handelt. "Wir haben unter anderem einen Autokran und Radlader, auch Rettungshunde und vier Hubschrauber sind im Einsatz", sagt der Füssener Polizeichef Edmund Martin. Die Helfer tragen Schicht für Schicht der Trümmer ab. Am Montagvormittag wurde zudem ein siebenjähriges Mädchen gefunden - die Tochter der Familie.

Nach einer Explosion in einem Wohnhaus im Allgäu herrscht traurige Gewissheit: Das Unglück in Bayern hat ein zweites Todesopfer gefordert.
Video: dpa

In Rettenbach herrscht große Betroffenheit. Kaum einer kann glauben, welch eine Tragödie sich an diesem eigentlich friedlichen Sonntag ereignet hat. Auch für die Rettungskräfte ist das eine schwierige und ungewohnte Situation. Ein erfahrener Helfer spricht von einer "Sonderlage", einen vergleichbaren Einsatz habe er noch nie erlebt.

Rettenbach: Anwohner berichten von großem Knall der Explosion

Martin Frei arbeitet in unserer Redaktion und ist als Feuerwehrmann vor Ort. Er ist schockiert: "Wenn an einem sonnigen Sonntagvormittag die Sirene heult, dann hat man als Feuerwehrmann einen Gedanken: Verkehrsunfall, wahrscheinlich mit Motorrad."

Doch die Alarmierung am Sonntag ist selbst für die erfahrensten Kameraden der Wehr neu: "Gebäudeeinsturz nach Explosion." Frei und seine Kollegen von der Feuerwehr warten auf ihren Einsatz und kümmern sich darum, dass nur die zu dem eingestürzten Haus kommen, die dort auch gebraucht werden. Schnell versammeln sich einige Schaulustige und Gaffer.

Doch es kommen vor allem Dorfbewohner an die Absperrung – kopfschüttelnd, mit sorgenvollem Blick, fassungslos. Viele kennen die Bewohner des Hauses. Sie berichteten, wie sie das Unglück, den donnernden Explosionsknall, erlebt haben. Ein Nachbarsbub dreht mit seinem Fahrrad immer wieder eine Runde an der Absperrung vorbei. Ein Freund von ihm könnte unter den Trümmern liegen, erzählt er.

Nach der verheerenden Wohnhausexplosion mit zwei Toten hat das Landratsamt Ostallgäu eine Spendenaktion gestartet. Mit dem Geld soll hauptsächlich die Familie der Opfer unterstützt werden, erklärte Landrätin Maria Rita Zinnecker (CSU) am Montag. "Wir werden unbürokratisch und schnell das Geld zukommen lassen", sagte die Landrätin. Sie war am Sonntag bei den Bergungsarbeiten selbst vor Ort. Auch die Bewohner aus der Nachbarschaft, die durch die Explosion Schäden erlitten haben, sollen unterstützt werden. (mit dpa)

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