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München

08.12.2020

Der Drogensumpf im Polizeipräsidium wird immer tiefer

Das Polizeipräsidium in der Innenstadt der bayerischen Landeshauptstadt.
Bild: Peter Kneffel, dpa

Im Münchner Rauschgiftskandal stehen mittlerweile 30 Beamte unter Verdacht. Sie sollen Drogen konsumiert und mit ihnen gehandelt haben. Spuren führen auch in unsere Region.

Sie feierten, sie tranken, sie koksten, sie dealten – der Skandal um einen mutmaßlichen Drogensumpf innerhalb des Polizeipräsidiums München nimmt immer größere Ausmaße an. Wie das Landeskriminalamt (LKA) am Dienstag mitteilte, stehen mittlerweile schon 30 Beamte im Verdacht, unter anderem Drogen genommen und mit ihnen gehandelt zu haben – und ein Ende der Ermittlungen ist noch nicht in Sicht, wie ein Sprecher des LKA auf Nachfrage unserer Redaktion erklärte: „Es werden in diesem Zusammenhang allein 3,5 Millionen Chatnachrichten, drei Millionen Bilder und 75.000 Videos ausgewertet – das macht deutlich, wie umfangreich die Ermittlungen sind. Noch ist es zu früh, um seriös abschätzen zu können, ob noch weitere Personen beteiligt sind.“

Im Februar dieses Jahres war das Landeskriminalamt das erste Mal mit dem Fall an die Öffentlichkeit gegangen und hatte von acht beschuldigten Beamten aus dem Bereich des Polizeipräsidiums München berichtet. Seither ist die Zahl der Verdächtigen immer weiter angestiegen und mittlerweile führen die Spuren auch aus der Landeshauptstadt hinaus.

Beamter des Polizeipräsidiums Schwaben Nord zählt zu den Beschuldigten

Schon im September hatten Ermittler der Sonderkommission „Nightlife“ (zu deutsch: Nachtleben) mindestens eine Wohnung in Augsburg durchsucht – allerdings wegen eines Verdächtigen, der nicht der Polizei angehörte. Nun teilte das LKA mit: Auch ein Beamter des Polizeipräsidiums Schwaben Nord zählt zu den Beschuldigten. Es handele sich dabei um keinen Polizisten aus Augsburg, sagte ein Sprecher des Präsidiums am Dienstag auf Nachfrage. Man wisse von dem Verdacht, dieser werde aktuell geprüft, personelle Konsequenzen habe es noch keine gegeben. Mehr könne man zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen – es gehe aber „eher um niederschwellige“ Vorwürfe.

Für den Fall im Gesamten trifft das nicht zu. Vorrangig gehe es um Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz, teilte das Landeskriminalamt mit. Daneben werde gegen einzelne Beschuldigte auch wegen des Verdachts der Strafvereitelung im Amt, der Verfolgung Unschuldiger, der Körperverletzung im Amt und des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen ermittelt – drei Beamte sollen Bilder mit Hakenkreuzen und Hitlergruß ausgetauscht haben. Die 29 weiteren Tatverdächtigen sind größtenteils Angehörige des Polizeipräsidiums München (26), zwei der Bayerischen Bereitschaftspolizei und einer des Präsidiums Oberbayern Nord in Ingolstadt.

Ins Rollen gebracht hatte die Ermittlungen im Jahr 2018 ein Drogenhändler, der seinen Geschäfte vor allem in einem exklusiven Münchner Nachtclub nachging. Im Rahmen eines anderen Falls sagte er aus, dass auch Polizisten zu seinen Kunden zählten. Diese seien mitunter in den Genuss spezieller Rabatte für Polizeibeamte gekommen.

Münchner Polizeipräsident: "Vorwürfe sind mit unserem Selbstverständnis unvereinbar"

„Die im Raum stehenden Vorwürfe sind mit unserem Selbstverständnis und auch mit der berechtigten Erwartungshaltung der Bürgerinnen und Bürger an ihre Polizei absolut unvereinbar“, betonte der Münchner Polizeipräsident Thomas Hampel am Dienstag. Im Anschluss an die strafrechtliche Aufarbeitung werde das Polizeipräsidium mit aller Konsequenz geeignete Disziplinarmaßnahmen durchführen. Hampel ist erst seit Anfang November Chef des Münchner Polizeipräsidiums. Zuvor hatte Hubertus Andrä sieben Jahre lang die größte Polizeibehörde Bayerns geleitet. Der 64-Jährige wurde am 30. Oktober offiziell in den Ruhestand verabschiedet. (mit dpa)

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