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Bayern

23.06.2017

Der Eichenprozessionsspinner - ein reizendes Tierchen

Ihre Haare machen die Raupe des Eichenprozessionsspinners gefährlich: Sie haben kleine Widerhaken und bohren sich in die Haut von Menschen. Allergische Reaktionen sind die Folge.
Bild: Patrick Pleul, dpa

Der Eichenprozessionsspinner breitet sich immer weiter aus. Welche Regionen in Bayern besonders betroffen sind und was die Raupen für uns Menschen so gefährlich macht.

Ein bisschen sieht es so aus, als würde da Zuckerwatte am Stamm kleben. Doch die weißen, gesponnenen Gebilde, die derzeit an vielen Bäumen in ganz Bayern hängen, sind Nester. Unzählige Raupen des Eichenprozessionsspinners tummeln sich dort. Und auch, wenn die flauschigen Tierchen auf den ersten Blick eher harmlos wirken – sie sind es ganz und gar nicht. Die etwa 0,3 Millimeter langen Härchen der Raupen enthalten das Nesselgift Thaumetopoein und können Haut und Atemwege reizen sowie zu schweren allergischen Reaktionen bis hin zu einem anaphylaktischen Schock führen.

Der Eichenprozessionsspinner breitet sich von Jahr zu Jahr weiter aus

Einer, der über die Jahre immer wieder Patienten hatte, die mit den reizenden Haaren der Raupen unangenehme Bekanntschaft gemacht haben, ist Dr. Jakob Berger, stellvertretender Vorsitzender des bayerischen Hausärzteverbandes, der seine Praxis in Herbertshofen im Landkreis Augsburg hat. „Am häufigsten sind lokale Entzündungen und Rötungen. Im schlimmsten Fall kann es zu einer Kreislaufreaktion kommen“, sagt er. Gelindert werden die Beschwerden mit Antihistaminika und entzündungshemmenden Cremes, kurzzeitig können die juckenden Quaddeln auch mit Cortison behandelt werden. Wer nur eine lokale Reaktion hat, müsse nicht unbedingt eine Praxis aufsuchen, sagt Berger. Oft reicht es, die Stelle zu kühlen und eine Salbe aufzutragen. Wenn sich die Rötung aber weiter ausbreitet oder man zusätzliche Symptome wie Atem- oder Kreislaufprobleme bekommt, muss man zum Arzt.

Der Schädling hat sich mittlerweile in ganz Bayern ausgebreitet, teilweise dürfen ganze Wälder nicht mehr betreten werden. „An bestimmten Stellen brodelt es besonders“, sagt Gabriela Lobinger, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft. Mit diesen brodelnden Regionen meint sie vor allem Schwaben sowie Mittel- und Oberfranken. „Wir merken insgesamt, dass sich die Gebiete mit starkem Befall verändern. Ingolstadt oder das Nördlinger Ries zum Beispiel waren früher nie auffällig. Nun schon.“

Auch im Landkreis Augsburg hat sich der Eichenprozessionsspinner ausgebreitet. In Kutzenhausen etwa mussten die Kinder der Grundschule ihre Pausen im Gebäude verbringen, weil sich der Schädling in Bäumen auf dem Schulgelände angesiedelt hatte. Teilweise durften die Schüler nicht einmal die Fenster öffnen, weil die Härchen auch mit dem Wind verteilt werden. In Biberbach musste wegen der Raupen ein Spielplatz gesperrt werden. Auch im Meitinger Freibad hatten sich die Tiere breitgemacht. Um die Badbesucher zu schützen, wurden Bauzäune rund um die betroffenen Eichen aufgestellt. Dann rückte eine Spezialfirma an, um den Schädling zu beseitigen.

Die Gefahr durch das Tier ist nicht so einfach zu bannen

Im ganzen Freistaat kämpft man derzeit gegen den Eichenprozessionsspinner, in Gärten oder an Straßenrändern werden die Nester abgesaugt. Das Problem dabei ist: Man erwischt meist nicht alle Härchen. „Die Raupen häuten sich mehrmals. Die Häutungsreste mit den Haaren dran verteilen sich. Man kann sie nicht alle finden", sagt Lobinger. Mehrere Jahre lang können die Gifthärchen so am Baum bleiben.

Auch Insektizide kommen immer wieder zum Einsatz – allerdings sind sie hauptsächlich in den ersten beiden Larvenstadien bis Ende Mai effektiv. Denn danach haben die Raupen schon ihre Brennhaare entwickelt. Und deren Gift ist auch noch nach dem Einsatz chemischer Mittel wirksam.

Wer in seinem Garten ein Nest findet, dem rät Lobinger, es auf keinen Fall anzufassen und es nicht abzuflammen – das komme tatsächlich immer wieder vor. „Wenn man den Eichenprozessionsspinner vernichten möchte, muss man eine Firma beauftragen, die dann mit Schutzanzügen kommt“, sagt sie. Während die Raupen für Menschen – aber auch für Tiere wie etwa Hunde – ein Gesundheitsrisiko darstellen, seien sie für die Eichen nicht sehr gefährlich, sagt Lobinger. „Sie fressen sehr langsam. Es müssten Zigtausende sein, um einen Baum kahl zu fressen.“ Und selbst so einen Kahlfraß würde eine Eiche aushalten. Dauerhafte Schäden drohen erst, wenn die Bäume fünf Jahre hintereinander abgefressen werden, sagt Lobinger.

Anfang Juli geht der ganze Spuk zu Ende. Die Raupen verpuppen sich, im August schlüpfen die unscheinbaren grau-braunen Schmetterlinge, die völlig ungefährlich sind. Die legen dann ihre Eier in die Baumkronen – etwa 150 Stück pro Falter. Die Jungraupen überwintern im Ei und schlüpfen im nächsten Frühling.

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