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Studiengebühren

15.01.2013

Der Erhalt "wäre ein negatives Zeichen"

Michael Piazolo (Freie Wähler) ist für die Abschaffung der Studiengebühren: "Für sozial schwache Familien ist es schwierig, die tausend Euro pro Jahr aufzubringen."
Bild: Peter Kneffel/ Archiv/ dpa

Michael Piazolo (Freie Wähler) ist für die Abschaffung der Studiengebühren. Seiner Meinung nach müssten die Hürden für Studierende in erster Linie niedrig sein.

Herr Piazolo, warum wollen Sie die Studienbeiträge abschaffen?

Michael Piazolo: Weil sie sozial ungerecht sind: Sie benachteiligen bayerische Studenten. Für sozial schwache Familien ist es schwierig, die tausend Euro pro Jahr aufzubringen. Außerdem gibt es einen Bildungsauftrag des Staates. Und den lege ich so aus, dass ein Erststudium kostenfrei sein sollte.

Ein Teil der Studenten ist schon heute von den Beiträgen befreit, es gibt zinsgünstige Darlehen. Sind Studienbeiträge wirklich eine so hohe Hürde?

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Piazolo: Es gibt eine Abfederung, die hauptsächlich an der Kinderzahl festmacht. Das heißt: Die Befreiung hilft dem Chefarzt mit mehreren Kindern, der Kassiererin mit einem Kind hingegen nicht. Wie hoch die Hürde ist, hängt von den Familien ab. Ich merke aber als Hochschullehrer, dass viele Studenten dieses Geld erst verdienen müssen. Und diese Zeit fehlt dann im Studium.

Ist die Qualität der Ausbildung letztlich nicht wichtiger als die Kostenfreiheit?

Piazolo: Beides ist wichtig. Die Hürden für Studierende müssen niedrig sein. Aber natürlich ist die Qualität ganz entscheidend. Deshalb sagen wir ja auch: Wenn die Gebühren wegfallen, müssen wir sie voll aus dem Staatshaushalt kompensieren.

Die FDP argumentiert: Investitionen in Krippen oder Kindergärten seien drängender als die Entlastung von Studenten. Was entgegnen Sie?

Piazolo: Vergleicht man die Bildungsausgaben, so liegen wir in Europa weit zurück. Wir haben massiven Nachholbedarf. Es geht also nicht um ein Entweder-oder. Sondern um ein Sowohl-als-auch – Unis und Krippen.

Bayern könnte mit Studienbeiträgen bald alleine in Deutschland stehen. Was würde das für den Bildungsstandort Bayern bedeuten?

Piazolo: Es wäre ein negatives Zeichen auch ins Ausland, wenn nur noch hier Studierende finanziell belastet würden. Ich glaube aber nicht, dass es zu starke Auswirkungen hätte. Denn Bayerns Hochschulen stehen ohne Zweifel gut da.

Müssen die Hochschulen bei einer Abschaffung der Studienbeiträge finanzielle Einbußen befürchten?

Piazolo: Ich verstehe diese Sorge der Hochschulen sehr gut, denn in anderen Bundesländern gab es Einbußen. Voller Ersatz ist aber möglich. Ich halte etwa das Kompensationsmodell aus Baden-Württemberg für sehr gut. Dort wird der staatliche Zuschuss an die Kopfzahl der Studenten der jeweiligen Lehrstühle gebunden.

Was würde ein Scheitern des Volksbegehrens für die Hochschulen bedeuten?

Piazolo: Es wäre ein Rückschlag für die Studierenden. Abschaffung mit voller Kompensation würde dagegen deutlich machen, dass Bayern bei der Bildung und den Investitionen in die besten Köpfe ganz weit vorne ist.

Hier ist die Gegenposition der FDP.

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