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Allgäu

04.05.2019

Der Grünten soll zur Erlebniswelt werden

Wächter des Allgäus wird der Grünten auch genannt. Auf dem Berg soll künftig eine Art Erlebniswelt entstehen.
Bild: Ralf Lienert

Plus Zwei Winter lang standen die Lifte am Grünten im Oberallgäu wegen finanzieller Probleme still. Nun gibt es neue Besitzer – und neue Ideen und große Pläne.

Wächter des Allgäus wird er genannt, dieser markante Berg, der für viele Wanderer und Wintersportler so etwas wie ihr alpines Wohnzimmer ist. Bei schönem Wetter ist der Ausblick spektakulär – ist die Luft klar, sieht man die Zugspitze. Dieses Panorama könnten künftig noch mehr Menschen als bisher erleben. Denn für den Grünten gibt es aufstrebende Pläne.

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Zwei Wintersaisons standen die Lifte am Grünten still, nachdem die Betreibergesellschaft in finanzielle Schwierigkeiten geraten war – jetzt tut sich was. Zunächst ist da aber ein Haufen Papier. Geschlagene 14 Stunden hat der Termin beim Notar gedauert. So kompliziert war das Vertragswerk wegen der komplexen Eigentumsverhältnisse und der Erbproblematik nach dem Tod des langjährigen Grüntenlifte-Betreibers Gerhard Prinzing. Nun ist die Oberallgäuer Familie Hagenauer neue Besitzerin der Grüntenlifte oberhalb von Rettenberg-Kranzegg im Oberallgäu. Die Unternehmerfamilie betreibt seit Jahren auch die „Alpsee Bergwelt“ nahe Ratholz zwischen Immenstadt und Oberstaufen.

Das planen die Betreiber am Grünten

Und so soll es bald am Grünten aussehen: Unter dem Markennamen „Grünten Berg Welt“ ist auf der Nordseite des Berges einiges geplant. Das gab der Kemptener Insolvenzverwalter Florian Zistler von der Pluta Rechtsanwaltskanzlei am Freitag bekannt. Über Details der Planungen wurden Vertreter des Landratsamtes, Kommunalpolitiker und die Grundbesitzer am Donnerstag informiert. Komplett abgebaut werden demnach die bestehenden, in die Jahre gekommenen Schlepplifte und die Sesselbahn, die bisher nur im Winter liefen. Stattdessen soll es künftig auch einen Sommerbetrieb mit einer neuen Zehner-Kabinenbahn geben. Im Winter werden zusätzlich eine kuppelbare Sechser-Sesselbahn und ein Schlepplift Skifahrer und Snowboarder befördern.

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Die Gondelbahn wird bis aufs Plateau unterhalb des Gipfelhangs fahren. Geplant ist der Abriss der Grüntenhütte. Stattdessen soll ein Berggasthaus mit 150 Sitzplätzen innen und 400 Plätzen auf der Terrasse gebaut werden. Oben ist ein kleiner Streichelzoo für Kinder geplant. Im Wald soll von der Bergstation nach unten ein Flying Fox – eine Art Stahlseilrutsche – gebaut werden. Sie wird im Konzept „Walderlebnisbahn“ genannt.

Die Familie Hagenauer hat laut Insolvenzverwalter Zistler zugesagt, bei der Sanierung des Wanderwegenetzes die Grundstücksbesitzer, die Gemeinde und die Gastronomiebetriebe am Berg einzubinden. Martin Hagenauer sagt, die „Grünten Berg Welt“ solle ein Ausflugsziel für Einheimische und Übernachtungsgäste werden, die die einzigartige Aussicht in die Allgäuer Voralpenlandschaft genießen können.

Bund Naturschutz ist besorgt

Die neuen Bahnen verlaufen nach Auskunft des Rettenberger Bürgermeisters Oliver Kunz „fast zu 100 Prozent auf den bisherigen Trassen“. Für den Sommerbetrieb muss allerdings das Einvernehmen der Grundstücksbesitzer hergestellt werden. „Ich begrüße das Konzept ausdrücklich“, sagte der Oberallgäuer Landrat Anton Klotz im Gespräch mit unserer Zeitung. Er gab sich überzeugt, dass  die naturschutzrechtlichen Fragen zu lösen sind. Wichtig sei es, dass die Alpgenossenschaft mitzieht und „wir das Genehmigungsverfahren sauber durchführen.“ Unter Umständen sei für das Projekt auch eine Umweltverträglichkeitsprüfung erforderlich, sagte der Landrat.

 

Kritisch bewertet der Bund Naturschutz (BN) die Planung. Er sehe den Sommerbetrieb als Neuerschließung, da die Lifte bisher ja nur im Winter liefen, sagte BN-Regionalreferent Thomas Frey: „Und der Bund Naturschutz ist grundsätzlich gegen Neuerschließungen.“ Die vergangenen beiden Winter hätten gezeigt, dass das Grüntengebiet auch ohne große touristische Erschließung von vielen Schneeschuhwanderern, Rodlern und Tourengehern besucht werde.

„Es gibt im Konzept Punkte, die wir kritisch sehen“, erklärte auch Steffen Reich, beim Deutschen Alpenverein Referatsleiter für den Bereich Naturschutz. Dass der neue Betreiber ein Ganzjahreskonzept vorgestellt habe, sei aus Sicht des Alpenvereins verständlich. Man müsse aber kritisch hinterfragen, ob eine Zehner-Kabinenbahn nicht überdimensioniert sei.

Wann am Grünten gebaut werden könnte, ist bislang noch unklar. Heuer wohl nicht mehr, schätzen Experten. (mit sast)

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

06.05.2019

In 30 Jahren wird das gesamte Allgäu nur noch 'Erlebnis' sein. Es ist erschreckend. Bereits jetzt spricht man von Overtourism. Die letzten Zufluchtsorte fallen, die letzten Nischen, die noch das ursprüngliche Heimatgefühl vermitteln konnten, müssen platt gemacht werden. ERLEBNIS! Der moderne Mensch will von morgens bis abends bespaßt werden, weil er mit sich selbst nichts mehr anzufangen weiß. Eine einfache Wanderung mit der Brotzeit im Rucksack - wo denkt man hin. Und gleichzeitig redet man von Energiesparen wegen des Klimas und unterschreibt Volksbegehren wegen der Insekten. Lächerlich.

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04.05.2019

Muss denn jedes Stückchen auf diesem Planeten zu einer Erlebniswelt verkommen?

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