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Bildung

03.05.2017

Der Mythos vom bayerischen Elite-Abi

Von heute an wird es wieder ernst für Bayerns Gymnasiasten. Die Abschlussprüfungen fordern von den Schülern volle Konzentration.
Bild: Jens Büttner, dpa

In Gymnasien brüten Schüler ab heute wieder über ihren Abschlussprüfungen. Das Abitur im Freistaat galt lange als das schwerste in Deutschland – ist das noch so?

Ab neun Uhr kratzen heute tausende Bleistifte und Kugelschreiber in Hochgeschwindigkeit über Papier. In Bayern beginnen wieder die Abiturprüfungen. Rund 40.000 Jugendliche brüten am ersten Tag über Mathematik-Aufgaben, am 9. Mai folgt für alle Schüler die Prüfung im Fach Deutsch. Bis in den Juni geht es weiter mit einer dritten schriftlichen Prüfung und mündlichen Examen. Erst dann können die Schüler wieder aufatmen – und auf eine gute Abschlussnote hoffen. Gerade das bayerische Abitur gilt als besondere Auszeichnung, wird es doch weithin als bester Schulabschluss Deutschlands bezeichnet. Doch der Mythos vom Elite-Abi schwächelt.

Andere Bundesländer haben aufgeholt

Der Vorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, Heinz-Peter Meidinger, unterrichtet als Schulleiter am Robert-Koch-Gymnasium im niederbayerischen Deggendorf. Ihm zufolge gehört das bayerische Abitur immer noch zu den anspruchsvollsten in Deutschland, doch andere Bundesländer haben in den vergangenen Jahren aufgeholt: „Bayerns Abitur ist vielleicht nicht mehr das schwerste. Sachsen könnte den Freistaat in diesem Punkt überholt haben.“ Gerade in den Naturwissenschaften sei die sächsische Prüfung anspruchsvoll. Auch die Durchfallquote unterscheidet die Bundesländer, in Sachsen scheitern im Schnitt mehr Schüler an der Abiturprüfung als in Bayern. So bestanden etwa im Jahr 2009 5,2 Prozent der Schüler in Sachsen ihre Prüfung nicht – in Bayern war es lediglich ein Prozent. „Die Durchfallquote allein sagt natürlich nicht alles über die Qualität des Abiturs aus“, sagt Meidinger, „aber es ist ein Indiz dafür, dass die Prüfung sehr anspruchsvoll ist.“

Durch das G8 wurde die Abiturprüfung für Bayerns Schüler in einigen Punkten angenehmer, denkt der Schulleiter. Denn im achtjährigen Gymnasium zählen die Noten der mündlichen Prüfungen genauso viel wie die schriftlichen Tests – im G9 zählten die schriftlichen Leistungen noch doppelt. „Gerade in mündlichen Prüfungen sind die Schüler heutzutage besonders gut. Die Wertung kommt den Abiturienten also entgegen“, sagt Meidinger. Seinen Beobachtungen zufolge sei die sprachliche Kompetenz der Jugendlichen hervorragend, besonders in Fremdsprachen wie Englisch: „Ich habe vor etwa 40 Jahren mein Abitur in Englisch gemacht. Mit meinen damaligen Kenntnissen würde ich heute sicher durch die Prüfung fallen.“

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Qualität in Mathematik schlechter

In anderen Fächern leide allerdings die Qualität, etwa in der Mathematik. Im G8 müssen alle Schüler eine schriftliche Prüfung in Mathe ablegen, im G9 konnten Schüler noch wählen. Zudem hatten Schüler im neunjährigen Gymnasium die Möglichkeit, ihr Wissen in Leistungskursen zu vertiefen. All diese Änderungen haben Meidinger zufolge die Qualität der Abiturprüfung in Mathe herabgesetzt. Das bestätigten ihm auch Universitäten. Dort falle Dozenten auf, dass Abiturienten Wissenslücken haben, die es im G9 noch nicht gab. Daher müssen Universitäten zum Teil Wissen vermitteln, das Schüler im neunjährigen Gymnasium durch ihre Leistungskurse bereits hatten.

Das Niveau des Abiturs hängt allerdings nicht nur von den Prüfungen ab. Denn der größte Teil der Abschlussnote berechnet sich aus den Leistungen, die Schüler in ihren letzten beiden Schuljahren erbringen. Dabei zählen nicht alle Noten – Gymnasiasten müssen also nicht sämtliche Leistungen in ihre Abschlussnote einbringen. „Das ist besonders praktisch, wenn ein Schüler mal eine Klausur verhauen hat“, sagt Meidinger. Dabei ist es von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich, wie viele Noten die Schüler aus ihrer Abschlussnote ausklammern dürfen. Bayern ist dabei streng, die Schüler müssen die meisten ihrer Noten einbringen – was das Abitur letztendlich schwieriger macht.

Durch die Rückkehr zum G9 könnte das bayerische Abitur erneut an Qualität gewinnen. Meidinger erlaubt sich noch keine Einschätzung. Er will erst abwarten, wie sich die Lehrpläne entwickeln. Für die Klassenstufen fünf bis zehn soll der Plan im Jahr 2018 fertig sein, im Jahr darauf soll der Lehrplan für die Klassen elf bis 13 stehen.

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