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Allgäu

15.11.2019

Der Ötzi lockt hunderttausende Touristen an. "Udo" auch?

Mit dem Fund des Menschenaffen Udo ist der Freistaat jetzt um eine Attraktion reicher.
Bild: Velizar Simeonovski/Universität Tübingen

Plus Natur, Kultur, Schweinsbraten und Bier locken Millionen Touristen nach Bayern. Aber deren Wünsche ändern sich. Gut, dass die Region um eine Attraktion reicher ist.

Er steht erst seit acht Tagen im Rampenlicht und ist bereits eine Berühmtheit. Nun hat der Allgäuer Urahn Udo prominente Fürsprecher bekommen: Ministerpräsident Markus Söder und Wissenschaftsminister Bernd Sibler (beide CSU) haben am Donnerstag bei einem Ortstermin in Pforzen (Ostallgäu) Unterstützung bei der öffentlichen Präsentation der spektakulären Knochenfunde versprochen.

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"Das ist ein sensationeller wissenschaftlicher Fund", sagte Söder. Und den gelte es nun erlebbar zu machen. Udo könnte ein zentraler Baustein im bayerischen Tourismus werden, der zuletzt sieben Rekordjahre in Folge erlebte.

Wie Udo dem Tourismus in Bayern helfen kann

Wie berichtet waren in einer Tongrube nahe Kaufbeuren Fossilien des vermutlich ersten Menschenaffen mit aufrechtem Gang ausgegraben worden. Der Primat namens "Danuvius guggenmosi", von Forschern der Universität Tübingen kurz Udo getauft, lebte vor gut 11,6 Millionen Jahren und gilt als bislang fehlendes Bindeglied zwischen Mensch und Menschenaffe. Er habe den Beginn des aufrechten Gangs nicht im Allgäu, sondern in seiner Heimat Franken erwartet, flachste ein sichtlich gut aufgelegter Ministerpräsident. "Wir werden gemeinsam mit allen Beteiligten überlegen, wie man das sensibel entwickeln kann."

Sibler plädierte für eine Präsentation, die die Menschen "anfassen und erleben können", die zugleich aber das wissenschaftliche Umfeld berücksichtigt. Denkbar sei eine digitale Simulation, etwa in Zusammenarbeit mit einer Hochschule. Welche touristische Strahlkraft Skelettfunde entfalten können, zeigt etwa Bozen in Südtirol, wo das "Ötzi-Museum" mit den Überresten des mehr als 5000 Jahre alten "Mannes aus dem Eis" jährlich mehrere hunderttausend Besucher anlockt.

Drei Gründe nennen Touristen am häufigsten auf die Frage, warum sie ihren Urlaub in Bayern verbringen: die Landschaft, das Kulturangebot und bayerische Spezialitäten.
Bild: Matthias Becker

Bayern ist schon jetzt das touristische Top-Ziel in Deutschland

Bereits ohne Udo ist Bayern das touristische Top-Ziel Deutschlands: 39,1 Millionen Urlauber erholten sich im Jahr 2018 im Freistaat. Jeder fünfte reiste aus dem Ausland an, die meisten aus den USA, Österreich und der Schweiz.

Doch trotz aller Rekorde braucht der Tourismus neue Impulse. Zu dieser Erkenntnis kommt eine Studie des Professors Alfred Bauer und seines Teams aus der Fakultät für Tourismus-Management der Hochschule Kempten. Die Analyse mit dem Titel "Szenarien für den Tourismus 2040" zeigt, wie die Urlaubsbranche sich weiterentwickeln sollte, damit Bayern auch in 20 Jahren noch das bei Touristen beliebteste Bundesland ist. "In der Fläche" sehen Bauer und sein Team noch "erhebliche Entwicklungspotenziale" für den ohnehin schon boomenden Tourismus. Sie arbeiten zentrale Zukunftsziele heraus: Der Tourismus 2040 setzt auf Nachhaltigkeit, betont die bayerische Identität und macht den Urlaubern eine Vielzahl an Angeboten.

Zum Oktoberfest kommen in kurzer Zeit besonders viele Menschen nach Bayern.
Bild: Ralf Lienert (Archiv)

Touristen legen immer weniger Wert auf Konsum und immer mehr Wert auf Individualität

Das wichtigste Merkmal des durchschnittlichen Touristen Mitte des 21. Jahrhunderts: Er legt weniger Wert auf Konsum, sondern strebt nach höheren Werten – etwa umwelt- und sozialverträglich zu verreisen. Langfristig sei anzunehmen, dass immer weniger Touristen mit dem eigenen Auto kommen.

Der Zukunftsreisende mag es außerdem individuell. Um dauerhaft Erfolg zu haben, müssten sich die Urlaubsregionen weiter "spezialisieren und ihre Angebote differenzieren", schreiben die Experten. Wer nur auf Altbewährtes vertraut, riskiert, abgehängt zu werden – genauso wie Betriebe, die in der Digitalisierung nicht mit der Zeit gehen.

Die große Frage: Will die Branche an ihren derzeitigen Wachstumszielen festhalten und eine überhohe Auslastung ihrer heutigen Infrastruktur riskieren, Stichwort: Overtourism? Oder löst sie sich vom Wachstumsdenken, begrenzt den Ansturm auf ihre beliebtesten Ziele und verzichtet auf Angebote, die nicht nachhaltig sind? Dieser Konflikt zwischen zwei konkurrierenden Zielen, so die Kemptener Forscher, werde "die Diskussion im Tourismus maßgeblich prägen".

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