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Bombenanschlag auf das Oktoberfest

04.02.2015

Der Terroranschlag vom Oktoberfest: Fragen und Antworten

13 Menschen sterben am Haupteingang des Oktoberfests 1980. Die Frage nach den Tätern ist auch heute noch nicht vollständig beantwortet.
Bild: Werek

Am 26. September 1980 reißt eine Rohrbombe 13 Menschen auf dem Oktoberfest in den Tod. Nach fragwürdigen Ermittlungen wird die Akte geschlossen. Jetzt kommt Bewegung in den Fall.

Im Herbst 1980 reißt ein blutiger Terroranschlag die Menschen auf dem Münchner Oktoberfest aus der Feierstimmung. Beim schwersten Attentat in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland sterben 13 Menschen. 33 Jahre nachdem die Ermittlungen eingestellt worden sind, kommt wieder Bewegung in den Fall. In ihrem Themenabend zeichnet die ARD am Mittwochabend mit dem Film "Der blinde Fleck" die Geschichte nach. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum Oktoberfest-Attentat.

Was ist passiert? Am 26. September 1980 explodiert um 22.19 Uhr in einem Papierkorb am Haupteingang des Oktoberfests eine Rohrbombe. Die Bombe steckte in einem Feuerlöscher und bestand aus einer Mörsergranate, die mit fast eineinhalb Kilogramm TNT befüllt war.

Wie viele Opfer gab es? Außer dem Bombenleger selbst sterben zwölf weitere Menschen. 211 werden verletzt, 68 davon schwer. Mehreren Opfern müssen nach dem Anschlag beide Beine amputiert werden, zahlreiche Menschen tragen teils schwere Behinderungen davon. Das Oktoberfest wird schon am Folgetag fortgesetzt.

Wer waren die Täter? Nach dem Anschlag wird Gundolf Köhler, ein 21-jähriger Student, als Täter ermittelt. Später gehen die Ermittler davon aus, dass die Bombe zu früh detonierte und Köhler mitriss.

Aus welchem Hintergrund kam der Täter? Köhler war Anhänger der neonazistischen Wehrsportgruppe Hoffmann, die am 30. Januar 1980 verboten worden war. Der bayerische Ministerpräsident und Kanzlerkandidat Franz Josef Strauß (CSU) hatte diese Gruppe zuvor lange als Ansammlung von "Spinnern" und "Verrückten" verharmlost und die Gefahr von Anschlägen aus diesem Umfeld verneint.

Wie liefen die Ermittlungen? Nach dem Attentat bildet das Bayerische Landeskriminalamt die Sonderkommission "Theresienwiese". Die Kommission aus 50 Beamten findet am Tatort einen Bundespersonalausweis und den Studentenausweis Köhlers und geht deshalb von einer Einzeltat aus. 

Zu welchem Ergebnis kamen die Ermittlungen? Acht Monate nach dem Anschlag liefert die "Soko Theresienwiese" ihren Schlussbericht, dem im November 1982 ein zweiter folgt. Darin kommen die Beamten zum Ergebnis, Köhler habe nicht aus politischen, sondern aus persönlichen Motiven agiert. Der Generalbundesanwalt Rebmann zweifelt, lässt zunächst weiter fahnden, beendet aber 1983 die Ermittlungen. Da es keine Beweise für weitere Täter gibt, schließt sich auch Rebmann der These vom Einzeltäter an. Als Köhlers Motiv wurden private Beziehungsprobleme und Misserfolge in seiner Ausbildung vermutet.

Weshalb sorgte das Ergebnis für Zweifel? Unmittelbar nach der Bekanntmachung sorgt das Ergebnis für Empörung. Vor allem der Rechtsanwalt der Opfer, Werner Dietrich, bezweifelt die Theorie. Zeugenberichten zufolge sei Köhler vor der Explosion mit zwei Männern gesehen worden, mit denen er gestritten haben soll. So sagt eine Zeugin aus, Köhler und ein weiterer Mann hätten mit den Händen an einem weißen Gegenstand gezerrt.

Wer sind die Triebfedern der neuen Ermittlungen? BR-Reporter Ulrich Chaussy stellt schon 1980 Nachforschungen zu dem Anschlag an und stößt früh auf Ungereimtheiten. Es sei nicht hinnehmbar, "dass man sich dieser unbefriedigenden Klärung so früh zufrieden gibt", sagt Chaussy. Offenkundig hätten Ermittler Details übersehen, Aussagen ignoriert oder in den Akten verschwiegen. 2004 vermutet der Schweizer Historiker Daniele Ganser, es habe sich um eine Untergruppe einer europaweiten Geheimarmee gehandelt, deren Zweig "Gladio" in Italien 1990 aufgedeckt worden war. Das BKA teilt mit, dass alle betreffenden Beweise 1997 vernichtet worden waren.

Wie kam es zur erneuten Aufnahme der Ermittlungen? Neben Chaussy und Werner Dietrich ist die Ex-Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin, die treibende Kraft für die Wiederaufnahme der Ermittlungen. Aufgrund neuer Zeugenaussagen, die Dietrich sammelt und veröffentlicht, prüft die Generalbundesanwaltschaft im September 2014 erstmals neue Ermittlungen. Hintergrund sind nicht zuletzt Versäumnisse bei der Aufklärung der NSU-Morde. Am 11. Dezember 2014 ordnet Generalbundesanwalt Harald Range die Wiederaufnahme der Ermittlungen an.

Gibt es neue Erkenntnisse? Im Dezember 2014 berichtet der Spiegel von einer Zeugin, die durch Zufall am Tag nach dem Anschlag Flugblätter gesehen haben will, auf denen Gundolf Köhler als Held verehrt wurde. Zu dem Zeitpunkt hatte die Polizei Köhlers Namen noch gar nicht bekannt gegeben.

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