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Bergunfallstatistik

05.08.2020

Deutscher Alpenverein: So gefährlich ist es in den Bergen

2019 sind in den Bergen mehr Menschen gestorben. Das besagt die aktuelle Bergunfallstatistik des Deutschen Alpenvereins.
Bild: Bayerisches Rotes Kreuz, dpa

Plus Wandern wird immer beliebter. Raus aus der Stadt, rein in die Natur. Ungefährlich ist das nicht, wie Unfallzahlen zeigen. Auch Corona bringt Herausforderungen.

2020 ist vieles anders, auch der Urlaub. Weil das Coronavirus die Reiseplanung fest im Griff hat, zieht es viele Menschen in diesem Sommer nach draußen – in die Natur. Wenn schon nicht ans Mittelmeer, dann wenigstens in die bayerischen Voralpen, mögen sich viele denken. Wandern scheint – spätestens seit Beginn der Pandemie – wieder voll im Trend zu liegen.

 

Bergunfallstatistik des Deutschen Alpenvereins: Mehr Tote in den Bergen

Ungefährlich ist ein Ausflug in die Berge allerdings nicht, wie die neusten Unfallzahlen des Deutschen Alpenvereins (DAV) zeigen. Allein im vergangenen Jahr hatten 877 Mitglieder des Vereins einen Unfall. 54 verunglückten sogar tödlich. Für Stefan Winter, Ressortleiter für Sportentwicklung beim DAV, eine Überraschung: "Das ist eine deutliche Steigerung an Todesfällen im Vergleich zum Jahr 2018. Für uns eine völlig unerwartete Entwicklung. Vor allem weil es 2019 insgesamt weniger Unfälle und Notfälle gab." 

Obwohl im vergangenen Jahr so viele Menschen bei Bergunfällen ums Leben kamen wie zuletzt im Hitzesommer 2003, beunruhigt ihn die Zahl nicht. "Zwar haben wir eine leichte Steigerung, doch mit Blick auf unsere Mitgliederzahlen bleibt die Quote relativ gesehen im Durchschnitt", erklärt er. Aktuell hat der DAV rund 1,3 Millionen Mitglieder. Rein statistisch gesehen, so Winter, bedeute das, dass ein Wanderer rund 2500 Jahre, 24 Stunden am Tag, in den Bergen unterwegs sein müsste, um tödlich zu verunglücken. Ein schwacher Trost, wie er selbst sagt.

Interessant ist ein Blick auf die Verteilung der Unfälle. Im Bereich des Wintersports gab es heuer verhältnismäßig wenige Vorfälle. Ein Grund, vermutet Winter, könnte die Wetterlage gewesen sein. Viele Landkreise hatten die Katastrophenlage ausgerufen und Pisten waren gesperrt geblieben. Generell ist die Gefahr durch einen Lawinenabgang verletzt zu werden, relativ gering, wie die Statistik zeigt. Stürze sind mit rund 95 Prozent dagegen die Hauptunfallursache.

Welche Sportart in den Bergen am gefährlichsten ist

Das größte Risiko sich zu verletzen, verzeichnet der DAV in seiner Statistik beim Wandern. Knapp jeder dritte Unfall im Report des Vereins geht darauf zurück. Auch die tödlichen Unfälle sind mit 43 Prozent in diesem Bereich besonders hoch. Wie das sein kann? Winter erklärt: "Wichtig ist, im Hinterkopf zu haben, dass die meisten unserer Mitglieder – rund 85 Prozent – auch tatsächlich Wandern." Andere Sportarten wie das Mountenbiken, Klettern, Bergsteigen oder Fels- und Eisklettern werden von verhältnismäßig wenigen Sportlern beim DAV ausgeübt. Die häufigste Ursache für einen tödlichen Unfall biem Wandern sind laut DAV-Statistik Stürze. In jedem fünften Fall handelt es sich um körperliche Ursachen. "Unsere Erhebung zeigt, dass das Risiko besonders für Männer ab 60 Jahren steigt – das liegt oftmals an unerkannten Herz- und Kreislauferkrankungen", sagt Winter.

Dass die Berge gerade in der Corona-Pandemie verstärkt angesteuert werden, beobachtet auch der DAV. Mit den ersten Lockerungen kam der große Ansturm: Staus, Parkplatzprobleme und genervte Anwohner gehören an gewissen Hotspots seither zum Alltag.

Was Neueinsteiger in den Bergen beachten sollten

Einsteigern, rät Winter, sich langsam an den Berg heranzutasten. "Wer nicht regelmäßig zwei bis dreimal die Woche Sport macht, oder Vorerkrankungen hat, sollte sich unbedingt vor einer Tour durchecken lassen.

Dass die Berge besonders im Juli und August schon immer beliebt waren, weiß auch Roland Ampenberger von der Bergwacht Bayern: "Die meisten Rettungseinsätze haben wir in den Sommermonaten." Da sich die bayerischen Alpen auch für Tagesausflüge eignen würde, seien sie in den vergangenen Jahren immer stärker frequentiert worden. Dass gerade Neueinsteiger, die Corona-bedingt erstmals einen Berg besteigen, schneller verunglücken, hält Ampenberger für unwahrscheinlich: "Das kann jeden treffen – ob geübt oder ungeübt." Immer wieder, so der Bergretter, sei Unbekümmertheit der Auslöser für einen Unfall. Ob eine falsche Wahrnehmung, unterschätztes Wetter, fehlende Ausrüstung oder verlorene Orientierung – man dürfe nicht vergessen, dass man sich nicht mehr in der Stadt aufhalte.

Die Arbeit der Bergrettung hat sich durch die Corona-Pandemie angepasst. Es wird versucht in kleinen Teams mit festen Kollegen zu arbeiten. "Eine mögliche Infektionsgefahr sei aber im Notfall kein Ausschlusskriterium", betont Ampenberger. Wer wegen Corona weniger Sport machen konnte, der sollte bei seinem ersten Bergausflug Vorsicht walten lassen: "Man geht fit in die Berge, nicht in die Berge, um fit zu werden", appelliert er.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Mehr Tote in den Bergen: Warum Bergsport dennoch sicherer geworden ist

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