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Zecken

23.04.2012

Die Blutsauger greifen wieder an

Eine weibliche Reliktzecke (Haemaphysalis concinna) krabbelt über ein Blatt im regionalen Institut für durch Zecken übertragbare Krankheiten e.V. im brandenburgischen Brieskow-Finkenheerd. Foto: Patrick Pleul/Archiv dpa

Die Zecken haben ihr erstes Opfer. Und die Saison hat gerade erst begonnen.

Die kleinen Blutsauger lauern wieder in Büschen und im hohen Gras. Ein erstes Opfer ist schon gemeldet: ein Fall von FSME, der Frühsommer-Meningoenzephalitis – einer Hirnhautentzündung, gegen die Medikamente machtlos sind. Wie viele Borreliose-Fälle es in diesem Jahr schon gibt, ist unklar. Und die Zecken-Saison hat gerade erst begonnen.

Bayern und Baden-Württemberg sind Risikogebiete. Hier kommt es besonders oft zu den folgenschweren Zeckenbissen. Warum die kleinen Blutsauger ausgerechnet im Süden der Republik so gefährlich sind, können auch die Experten vom Robert-Koch-Institut nicht beantworten. Sie führen nur Statistik. Bundesweit zwischen 250 und 500 Menschen fangen sich demnach jedes Jahr bei Spaziergängen durch Wald und Wiese FSME ein – ein Virus, gegen das es zwar eine Impfung, aber keine wirksamen Medikamente für den Fall einer Erkrankung gibt.

Mit Borreliose, die durch Bakterien ausgelöst wird, infizieren sich Tausende. Zwischen 60000 und 100000 Neuerkrankungen gibt es jährlich in Deutschland, schätzt das Nationale Referenzzentrum für Borrelien in Erlangen. Genaues weiß man nicht, weil eine Meldepflicht für diese Krankheit nur in den ostdeutschen Bundesländern und in Rheinland-Pfalz besteht. In Bayern gibt es zumindest Überlegungen, diese Meldepflicht ebenfalls einzuführen. Denn Bayerns Gesundheitsminister Marcel Huber befürchtet: „Der Klimawandel könnte dazu führen, dass sich die Lebensbedingungen für Zecken verbessern und die Borreliose in Bayern zunimmt.“ Doch welche Lebensbedingungen für eine Zecke gut und welche schlecht sind, kann bisher niemand so wirklich sagen.

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Kleiner als ein Streichholzkopf, kommt die blutsaugende Milbe in rund tausend verschiedenen Unterarten vor. Und die Tiere fühlen sich offenbar überall wohl, wo es feucht und lauwarm ist. Im Unterholz, auf Grashalmen und an Büschen sitzen sie und warten auf Mensch oder Tier: auf ein Stück Haut, in das sie ihre Mundwerkzeuge stoßen und aus dem sie Blut saugen können.

Das an sich ist noch nicht gefährlich. Doch etwa fünf Prozent der Zecken tragen den FSME-Erreger in sich, jede fünfte kann Borreliose-Bakterien übertragen. Während FSME durch den Speichel der Tiere weitergegeben wird, sitzen die Borreliose-Bakterien im Darm der Zecke. Dadurch wird FSME meist schon kurz nach dem Biss übertragen, Borreliose oft erst nach etwa zwölf Stunden.

Deshalb ist es wichtig, eine Zecke so schnell wie möglich zu entfernen. Das sollte aber nicht mit den – im Verhältnis zum Tier – viel zu dicken Fingern oder einer normalen Pinzette passieren. Denn dabei besteht die Gefahr, dass der kleine Blutsauger zerquetscht wird, und so noch mehr von den giftigen Stoffen aus seinem Inneren in den eigenen Körper gedrückt werden. Stattdessen sollte eine spezielle Zecken-Pinzette zum Einsatz kommen: ein Werkzeug mit fein auslaufenden, gebogenen Enden, das die oft flach liegenden Tiere erst aufrichtet und dann herauszieht. Im Zweifelsfall ist aber ein Gang zum Arzt immer die beste Entscheidung.

Am allerbesten ist es freilich, den Blutsaugern erst gar nicht die Chance zu geben, sich festzubeißen: durch lange, helle Hosen und hohe Schuhe, die sie beim Spaziergang durch Wald und Wiese von der eigenen Haut fernhalten.

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