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Europawahl

08.06.2009

Die CSU feiert ihre kleine Wiederauferstehung

Am befreitesten lacht, wer der Gefahr entronnen ist. Für die CSU wardie Gefahr groß - vielleicht nicht real, aber gefühlt. Doch die tiefsitzende, wenngleich unausgesprochene Sorge, dass es womöglich dochnicht reichen, dass der Absturz zur Regionalpartei grausame Realitätwerden könnte, hat sich als unberechtigt erwiesen.

Von Uli Bachmeier

München. Am befreitesten lacht, wer der Gefahr entronnen ist. Für die CSU war die Gefahr groß - vielleicht nicht real, aber gefühlt. Doch die tief sitzende, wenngleich unausgesprochene Sorge, dass es womöglich doch nicht reichen, dass der Absturz zur Regionalpartei grausame Realität werden könnte, hat sich als unberechtigt erwiesen.

Und so geriet die Wahlparty in der Hanns-Seidel-Stiftung gestern Abend zur Jubelfeier - auch wenn es im Vergleich zur Europawahl 2004 ein dickes Minus gab und die Traumergebnisse früherer Jahre unerreichbar schienen.

Schon lange vor 18 Uhr hatten sich im Konferenzzentrum an der Lazarettstraße die ersten Prognosen herumgesprochen: Es wird reichen. Es wird besser als zuletzt bei der völlig verkorksten Landtagswahl. Vielleicht wird es deutlich besser. Plötzlich war sogar von knapp 50 Prozent die Rede. Die erste Reaktion: ungläubiges Staunen.

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Dann, um 18 Uhr, war es so weit. Das Parteivolk jubelte vor den Bildschirmen. Und das Spitzenpersonal jubelte mit. "Das wäre ja bombastisch", frohlockte der Chef der CSU-Europagruppe, Markus Ferber (Bobingen), als er von dem Ergebnis hörte. Innenminister Joachim Herrmann staunte: "49 Prozent - das hätte ich jetzt nicht gewagt zu tippen."

Immer wieder fiel derselbe Satz: "Die CSU ist wieder da." Manfred Weber, der Europa-Abgeordnete aus Niederbayern, sagte es. Alexander Dobrindt, der Generalsekretär, sagte es. Und schließlich sagte es auch CSU-Chef Horst Seehofer selbst. Er wertete das Wahlergebnis als "meine erste Bewährungsprobe" und zugleich als "erste Bewährungsprobe für die neue CSU".

Die neue CSU? Einige Kommentare klangen eher, als kämen sie aus der "guten alten Zeit". Der Europaabgeordnete Bernd Posselt nannte drei Gründe für das gute Ergebnis. Erstens: Die CSU sei "die einzige Volkspartei in Bayern, die es noch gibt". Zweitens: Die Stärke der CSU sei die Regionalisierung. "Jeder Bezirk und jeder Stamm in Bayern ist auf unserer Europaliste durch jemanden vertreten." Und drittens: Die CSU sei die Partei, die als einzige Bayern und Europa verbinde, "eine bayerische Europapartei".

Nicht ganz neu, aber längere Zeit nicht mehr so deutlich zu vernehmen ist auch das Selbstbewusstsein der bayerischen Konservativen gegenüber der Schwesterpartei CDU. Manfred Weber richtete eindeutige Mahnungen an die CDU. Angesichts des klar besseren CSU-Ergebnisses müsse die Frage erlaubt sein, "wo die Union insgesamt bleibt". Die CDU müsse sich kritisch damit beschäftigen, "wie sie ihren Anteil zur Bundestagswahl bringt".

Wirklich neu an dieser CSU allerdings ist, dass an diesem Abend im Zusammenhang mit dem überraschend guten Ergebnis immer wieder ein und derselbe Name fällt. Nicht der des Vorsitzenden Horst Seehofer. Nicht der des Spitzenkandidaten für die Europawahl, Markus Ferber. Sondern der des Bundeswirtschaftsministers Karl-Theodor zu Guttenberg. "Er ist ganz eindeutig ein Erfolgsfaktor gewesen", sagte Weber und schwärmte von Wahlkampfauftritten des Freiherrn aus Oberfranken und seine klare Linie im Streit um Staatshilfen für Opel: "Er wurde für seine Standhaftigkeit gefeiert und von den Leuten auf Händen getragen."

Der strategische Altmeister der CSU, Wilfried Scharnagl, konterte die Sticheleien von Altkanzler Gerhard Schröder gegen Guttenberg mit den Worten: "Der Schröder wird sich noch schwer in die Backe beißen wegen dem ,Baron aus Bayern'." Hintergrund: Im letzten Bundestagswahlkampf hatte Schröder noch mit einer Kampagne gegen Paul Kirchhof, den "Professor aus Heidelberg", punkten können. Und fast alle waren sich einig: Guttenberg war es, der den Unterschied zur CDU ausgemacht hat.

Seehofer verhalf dann allerdings auch noch dem eigentlichen Spitzenkandidaten der CSU zur Europawahl, Markus Ferber, zu seinem Recht. Seehofer feierte Ferber als "den Wahlsieger des Abends" und bat ihn mit den Worten aufs Podium: "Markus, wenn du die Gnade hast, hier mit hochzukommen." Ferber gab sich bescheiden: "Ich will gar nicht viel sagen, sondern nur ein herzliches Dankeschön."

Allzu euphorisch gab sich Seehofer dann allerdings nicht. Der CSU sei es gelungen, das Vertrauen der Bevölkerung zurückzugewinnen. Sie habe sich personell erneuert, habe "große Geschlossenheit" und einen "klaren inhaltlichen Kurs" gezeigt. Er sei froh, dass er sich nicht habe beirren lassen. "Das, was mir der Herrgott als schönstes Geschenk mitgegeben hat, ist die Nervenkraft." Aber er mahnte seine Partei, im anstehenden Bundestagswahlkampf jetzt nicht nachzulassen: "Wir müssen miteinander auf dem Boden bleiben und wir müssen noch einen Zahn zulegen."

Aus dem Hintergrund meldete sich dann einer zu Wort, der bei der Wahlparty gar nicht anwesend war - mit einer schriftlichen Erklärung. Edmund Stoiber, der vor gut zwei Jahren gestürzte Parteichef und jetzige CSU-Ehrenvorsitzende, ließ folgende Erklärung verbreiten: "Das annus horribilis 2008 für die CSU ist endgültig vorbei. Die CSU erhält wieder mehr Vertrauen und kann anschließen an ihre klassische Stärke. Das ist zum Wohl der Bürger Bayerns. Die Wahl erinnert mich an meine erste Europawahl als Ministerpräsident 1994, als wir auch aus einer schwierigen Lage wieder nach oben gekommen sind."

Ist also wieder alles beim Alten bei der "neuen CSU"? "Die Wahrheit liegt in der Wahlurne", sagt Seehofer. Das dritte große Ziel der CSU in diesem Jahr - nach der Bundespräsidenten- und der Europawahl - ist noch nicht erreicht: ein Sieg für die Union bei der Bundestagswahl. Ob es im September für die Wunschkoalition mit der FDP reichen wird, steht in den Sternen.

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