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Schweinepest

28.02.2018

Die Sorge vor der Schweinepest wächst - und der Ärger auch

Wegen der Angst vor der Schweinepest will die Bundesregierung die Schonzeit für Wildschweine aufheben.
Bild: Lino Mirgeler, dpa

Wegen der Schweinepest soll die Schonzeit für Schwarzwild aufgehoben werden. Warum das bei bayerischen Förstern und Jägern Kopfschütteln auslöst.

Noch gibt es in Deutschland keinen Fall der Afrikanischen Schweinepest – anders als in Polen, dem Baltikum und der Tschechischen Republik. Doch die Sorge wächst, dass die tödliche Krankheit eingeschleppt und auch hierzulande ausbrechen könnte. Die Bundesregierung will jetzt zum Schutz vor einer möglichen Ausbreitung der Seuche die Schonzeit für Wildschweine aufheben.

Bisher ist die Jagd auf Keiler und Bachen nur von Mitte Juni bis Ende Januar erlaubt. Überläufer und Frischlinge, also jüngere Tiere bis zwei Jahre, dürfen schon jetzt ganzjährig geschossen werden. Die Verordnung, der der Bundesrat noch zustimmen muss, sieht zudem vor, dass weibliche Wildschweine „mit nicht mehr gelb gestreiften Frischlingen“ bejagt werden dürfen, weil der Nachwuchs von anderen Bachen in der Rotte übernommen würde.

Präsident des Bayerischen Jagdverbandes übt Kritik

Der Bayerische Jagdverband (BJV) sieht dies äußerst kritisch, wie Präsident Jürgen Vocke gegenüber unserer Zeitung sagte. „Der Muttertierschutz ist für uns nicht verhandelbar.“ Auch wenn eine Schonzeitaufhebung beschlossen wird, müsse der Schutz von führenden Bachen gewährleistet sein. Gerade eine Bache halte eine Rotte zusammen.

Würde ein Muttertier erlegt, sprenge der gesamte Familienverbund auseinander und die Schäden auf den Feldern, so Vocke, würden multipliziert. „Ein Abschuss wäre deshalb kontraproduktiv.“ Allerdings spreche sich der Jagdverband durchaus für einen verstärkten Abschuss von Bachen aus, die keine Frischlinge führen, also keinen Nachwuchs haben.

Bedenken hat der Jagdverband bei einer Aufhebung der Schonzeit. „Wenn die Frischlinge noch im Wurfkessel liegen, die Bache aber auf der Futtersuche unterwegs ist, kann der Jäger nicht erkennen, ob sie Frischlinge führt oder nicht“, sagt Vocke. Wenn diese Bache dann geschossen werde, müssten die Frischlinge „elend verhungern“.

Kopfschütteln bei Augsburger Förstern

„Das Erlegen einer führenden Bache ist für uns tabu“, betont auch Hubert Droste, Leiter des Staatsforstbetriebs Zusmarshausen im Landkreis Augsburg. „Wir wollen weiter tierschutzgerecht jagen.“ Außerdem dürfe das Schwarzwild nicht alleine verantwortlich gemacht werden. Schon jetzt würde sich der Staatsforst nach Kräften bemühen, die wachsende Wildschwein-Population einzudämmen. „Wir sind bereits am Limit angekommen.“ Die Forderung, 70 Prozent der Sauen abzuschießen, habe deshalb bei seinen Förstern Kopfschütteln ausgelöst, sagt Droste.

Er nennt Zahlen. Im Jagdjahr 2017/2018 seien im Bereich des Forstbetriebs Zusmarshausen bisher 421 Sauen erlegt worden. „Damit hat sich die Strecke im Vergleich zu vor zehn Jahren um das Dreifache erhöht.“ Droste geht davon aus, dass die Schwarzwild-Population trotz der scharfen Bejagung weiter zunehmen wird. Eine Trendwende durch die Aufhebung der Schonzeit für Keiler und Bachen erwartet er nicht.

Die Wildschweine würden in den großen Mais- und Rapsfeldern eine ideale Nahrungsgrundlage finden. Außerdem gebe es in den Wäldern durch den Klimawandel immer häufiger eine Eichen- und Buchenmast. „Den Schweinen geht es verdammt gut“, sagt Droste. Durch das bessere Nahrungsangebot würden im Februar, März oder April geborene Frischlinge bereits im Dezember 25 bis 30 Kilogramm wiegen und in die Rausche kommen, also paarungsbereit sein.

Notfallpläne werden geprobt

„Das hat es so vor 20 Jahren nicht gegeben“, sagt Droste. Durch milde Winter sei auch die Frischlingssterblichkeit deutlich zurückgegangen. Der Forstmann glaubt, dass bei den Wildschweinen „die obere Grenze der Biotopkapazität noch nicht erreicht ist“. Man habe es trotz aller Anstrengungen nicht geschafft, den Anstieg der Population zu bremsen.

In den kommenden Tagen sollen Übungen mit Polen und den angrenzenden Bundesländern stattfinden, bei denen Notfallpläne für den Fall des Ausbruchs der Afrikanischen Schweinepest durchgespielt werden sollen. Verbreitet wird die für Haus- und Wildschweine tödliche Seuche häufig von Menschen, etwa durch achtlos weggeworfene Schweinefleischprodukte. Bayerns Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU) forderte den Bund auf, Tiertransporte aus Osteuropa durch die Bundespolizei oder Zollbehörden verschärft zu kontrollieren.

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