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Königssee

25.04.2019

Die allerletzte gelbe Telefonzelle ist abgebaut worden

Die Telekom hat die nach eigenen Angaben letzte gelbe Telefonzelle Deutschlands abgebaut. Sie stand im Wallfahrtsort St. Bartholomä.
Bild: Deutsche Telekom

Früher zierten die gelben Häuschen jede Stadt. Das ist längst passé. Die Telekom veröffentlichte nun ein Video vom Abbau der letzten Telefonzelle Deutschlands - auf dem Königssee.

Eine Fähre gleitet über den idyllischen Königssee. Seine Oberfläche spiegelt das Licht der Sonne, an den Bordwänden sprudelt das Wasser entlang und am Ufer steigen Berge und Bäume empor. Nur ein Farbklecks passt nicht in die Szene: Eine gelbe Telefonzelle steht auf der Fähre. Vor Jahren zierten Häuschen wie diese noch deutsche Straßenecken und Bahnhofsvorplätze. Die offenbar letzte gelbe Telefonzelle Deutschlands wurde jetzt abgebaut. Diesen Eindruck erweckt die Telekom zumindest in einem am Montag veröffentlichten Video. Die Bäume tragen in den Aufnahmen allerdings Blätter in herbstlichen Farben. Auf Anfrage bestätigt das Unternehmen, das Video sei bereits im Oktober entstanden. „Die Telefonzelle auf dem Königssee ist die letzte gelbe Telefonzelle gewesen, die im Dienst der Deutschen Telekom war, die wir abgebaut haben“, schreibt eine Sprecherin.

Mit der Fähre transportiert wurde das Telefonhäuschen, weil der Weg übers Wasser die einzige Möglichkeit sei, zu seinem langjährigen Zuhause zu gelangen. Es stand im Wallfahrtsort St. Bartholomä und war in ein hölzernes Bootshaus eingefasst, sodass nur die Vorderseite zu sehen war. „Die ganze Insel St. Bartholomä ist ein schützenswertes Ensemble und die Telefonzelle sollte nicht auffallen“, erklärt der Mitarbeiter, der den Abbau der Zellen verantwortete. 300 Stück habe man vergangenes Jahr demontiert.

Die erste Telefonzelle Deutschlands wurde 1881 in Berlin aufgestellt

Das gelbe Telefonhäuschen ist also Geschichte. Die berühmte Wallfahrtskapelle St. Bartholomä, nur wenige Meter vom Standort der Zelle entfernt, steht freilich noch immer. Der bayerische König Ludwig II. hatte sie einst restaurieren lassen. Sie wurde 1868 geweiht. Nur 13 Jahre später gab es das erste Telefonhäuschen – wenn es auch nicht gelb war, nicht mit Münzen gefüttert wurde und in Berlin stand, wie es von der Telekom heißt. Damals waren sie noch in Gebäuden untergebracht, in Postämtern, Hotels oder Gaststätten. Erst später wurden sie gelb und auf den Straßen verteilt. Von 1946 bis in die Mitte der 1990er Jahre war diese Farbe in Ost- und Westdeutschland vorgeschrieben. Anschließend wurden die Zellen grau-magenta, die Farben der Telekom. Zu Spitzenzeiten gab es nach Unternehmensangaben 100.000 Telefonhäuschen in Deutschland. Seit Jahren verschwinden sie wieder.

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Wieso? „Mit der steigenden Zahl an Hausanschlüssen sank die Bedeutung der Telefonhäuschen immer weiter ab“, schreibt die Telekom. Und schließlich hätten Handys und später Smartphones sie „weitgehend überflüssig gemacht“. Ein Telekom-Mitarbeiter erklärt, man baue die Häuschen ab, wenn sie weniger als 50 Euro Umsatz pro Monat erzielten. Rentabel gewesen seien sie aber schon früher nicht.

Die gelbe Telefonzelle kommt in einen Container und wird entsorgt

Als die Telefonzelle in dem Video am Ufer des Königssees an Land geht, erklärt ein Telekom-Mitarbeiter, was mit ihr passiert: Sie komme in einen Container, werde abgeholt und entsorgt. Doch obwohl die Telefonzelle von St. Bartholomä auf dem Müll landet, ist die Halbinsel nicht von der Kommunikation abgeschnitten. Laut Telekom sichert eine Funkzelle den Handyempfang.

Für Touristen ist das nicht unwichtig: Der See ist zu einem Phänomen auf Instagram geworden. 126.000 Bilder, die mit dem Hashtag „#Königssee“ versehen sind, gibt es in dem sozialen Netzwerk – immerhin ein Drittel der Zahl von Schnappschüssen von Schloss Neuschwanstein und ein Viertel vom Brandenburger Tor, die zu den meistfotografierten Sehenswürdigkeiten Deutschlands zählen. Die Bilder vom Königssee können Touristen direkt hochladen, weil sie in St. Bartholomä Empfang haben. Eine Telefonzelle brauchen sie deshalb auch nicht mehr.

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