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Die bayerische AfD ist eine Partei ohne Gesicht

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Kommentar Von Uli Bachmeier
21.08.2018

Bislang hat die AfD in Bayern keinen Spitzenkandidaten für die Landtagswahl benannt. Die Partei will sich als Bewegung inszenieren.

Wer hat im bayerischen Landesverband der AfD das Sagen? Wie wird sich die Partei, deren Einzug in den Landtag laut Umfragen im Oktober bevorsteht, positionieren? Noch weiß man darüber nix Genaueres. Nur eines steht fest: Der kantige, streitbare und zuweilen arg deftig formulierende oberbayerische Gastwirt Franz Bergmüller soll nach dem Willen seiner AfD-Kollegen keine herausragende Rolle spielen.

Die AfD präsentiert sich als Bewegung

Was gegen den oberbayerischen AfD-Spitzenkandidaten vorgetragen wird, ist erkennbar ein Vorwand. Der formale Verstoß gegen das Verbot einer Doppelmitgliedschaft, die es angeblich vor fünf Jahren für einige Wochen gab, hätte in einem partnerschaftlichen Umfeld in der Partei längst problemlos getilgt werden können. Bergmüllers Gegner aber hatten und haben daran offenbar kein Interesse. Sie wollen den in bestimmten Kreisen durchaus populären Wirt möglichst schon vor der Wahl politisch kaltstellen. Anders ist es nicht zu erklären, dass ein Machtkampf in einen Grabenkrieg ausartet, der schließlich vor Gericht endet.

Bisher deutet einiges darauf hin, dass die Strategie der AfD aufgehen wird, keinen Spitzenkandidaten für Bayern zu benennen und mit einem Heer weitgehend unbekannter Kandidaten anzutreten. Vielen ihrer Anhänger, die sich in Umfragen zu der Partei bekennen, scheint es nichts auszumachen, dass sie nicht so genau wissen, wen sie da wählen. Die AfD präsentiert sich als Bewegung, eine geschlossene Formation aber ist sie nicht. Wohin ihre Reise in Bayern geht, wird sich erst nach der Wahl zeigen, wenn im Landtag die Fraktion zusammentritt. Dann muss ein Fraktionschef gewählt werden. Bis dahin ist sie eine Partei ohne Gesicht.

Wir wollen wissen, was Sie denken: Die Augsburger Allgemeine arbeitet daher mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey zusammen. Was es mit den repräsentativen Umfragen auf sich hat und warum Sie sich registrieren sollten, lesen Sie hier.

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21.08.2018

Sehr geehrter Herr Bachmeier,
daß die AfD ohne Spitzenkandidat antritt, sehe ich im Gegensatz zu Ihnen sehr positiv. Mit Markus Söder hat die regierende CSU ja einen Spitzenkandidaten, der nicht nur auf mich nur als Selbstdarsteller wirkt. So jemanden kann man im Karneval in die Bütt schicken, aber bitte nicht als Ministerpräsident.
Für die Afd soll also zur Bayernwahl nur das Parteiprogramm sprechen, das von den Parteigremien und nicht von einer Einzelperson verfasst, festgelegt und abgestimmt wurde. Das Programm, das eine Themenbreite hat, die eine einzelne Person wie der erwähnte Franz Bergmüller, der für seine Opposition zum Nichtrauchergesetz "berühmt" wurde, gar nicht darstellen kann.
Die "unbekannten" lokalen "Kandidaten" der AfD kann jeder bei den zahlreichen Parteiveranstaltungen kennenlernen, die die AfD nicht nur im Wahlkampf und nicht nur im Bierzelt anbietet. Dort kann jeder hingehen, auch als Nichtmitglied, sich informieren und sich ein Bild von Kandidaten, Parteiakteuren und wie ich von dem MdB Rainer Kraft machen. Bei Veranstaltungen, bei denen man im übrigen viel zu selten Vertreter der lokalen Presse sieht, die sonst über jedes "umgefallene Fahrrad" berichten.
Eine "geschlossene Formation" ist übrigens auch nicht die regierende CSU, da Personenzusammenschlüsse wie Parteien aus einzelnen Personen und ihren Meinungen bestehen, die durchaus unterschiedlich bezüglich einzelner Themen sein können. Da bestimmt im Idealfall die Mehrheit, was Parteilinie ist und ansonsten "basta", "Alternativlosigkeit" oder "Führerprinzip".

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