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Mordprozess

29.07.2010

Dominik Brunner: Gutachter hält Angeklagte für schuldfähig

Dominik Brunner starb im Alter von 50 Jahren
Bild: DPA

Dominik Brunners Herz war stark vergrößert. Aber damit hätte er noch lange leben können. Wären da nicht die Tritte und Schläge am Münchner S-Bahnhof Solln gewesen. Von Yvonne Salvamoser

Dominik Brunners

Herz war stark vergrößert. 538 Gramm wog es, etwa 200 Gramm mehr als das eines gesunden Mannes. Damit hätte er noch lange leben können. Da ist sich der Rechtsmediziner

Wolfgang Keil

sicher. Wären da nicht die Tritte und Schläge gewesen. Durch die Belastungssituation konnte

Brunners

Herz nach Aussage des Gutachters nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden. Die Folgen: Kammerflimmern und der Tod durch Herzversagen.

Dominik Brunner: Gutachter hält Angeklagte für schuldfähig

In dem Mordprozess gegen Markus S. (19) und Sebastian L. (18) vor der Jugendkammer des Landgerichts München I sagten am Donnerstag weitere Zeugen und Gutachter aus. Eine Herzspezialistin, die Brunners EKG ausgewertet hat, schätzt seine Überlebenschance zwölf Minuten nach der Schlägerei, beim Eintreffen der Rettungssanitäter auf "bestenfalls 16 Prozent".

Rechtsmediziner Keil sagt: "Zu diesem Zeitpunkt bestanden de facto kaum noch Chancen, das Herz in Gang zu bringen." Das Bewusstsein hätte er wahrscheinlich nie wieder erlangt. So groß wären die Schäden an Brunners Gehirn schon gewesen.

Am Nachmittag des 12. September 2009 hatten die Angeklagten am S-Bahnhof Solln auf den Manager eingeschlagen, der vier Schüler im Alter von 13 bis 15 Jahren vor den beiden beschützen wollte. "Da hat große Kraft gewirkt", urteilt Keil.

Bei der Obduktion fanden er und seine Kollegen "eine Vielzahl an Verletzungen": Drei davon stammen von Fußtritten ins Gesicht und in den Bauch, 19 weitere von stumpfer Gewalteinwirkung, das heißt von Faustschlägen oder nicht ganz so heftigen Tritten. Vor allem in sein Gesicht, auf Mund und Augen, auf die Schultern und seine Arme hätten die beiden gezielt.

Er blutete stark im Mund. Tiefgreifende Verletzungen der Lippeninnenseite seien dafür die Ursache, sagt Keil. Auf seiner Oberlippe machten die Rechtsmediziner eine Verletzung aus, die unter Umständen von der Spitze eines Sicherheitsschlüssels stammen könnte. Augenzeugen hatten berichtet, dass sich Markus S. einen Schlüssel zwischen die Finger geklemmt haben soll.

Mit dem Fuß hat der 19-Jährige gegen Brunners rechte Schläfe getreten. Eine Expertin für Form- und Werkzeugspuren konnte dort Abdrücke seiner Turnschuhsohlen ausmachen - und auch von denen seines Mitangeklagten. Sebastian L. hatte bisher abgestritten, auf Brunner eingetreten zu haben.

Während des Angriffs, so Keil, waren die beiden jungen Männer voll schuldfähig. Sie hatten nach den Ergebnissen seiner Untersuchungen wohl am Abend vor dem Vorfall Marihuana geraucht. Während Sebastian L. nüchtern war, hatte Markus S. dagegen maximal 2,09 Promille Alkohol im Blut. Beide seien aber "situativ voll orientiert" gewesen. Unter anderem macht Keil das daran fest, dass sie rasch über die Gleise geflüchtet seien. "Das ist nicht ganz einfach."

Nach der Schlägerei haben Mediziner auch bei Markus S. Verletzungen gefunden. Keil geht von fünf bis acht Fausthieben aus.

Seine Verletzungen hätte Dominik Brunner - ohne seine Herzkrankheit - überleben können. Die Art und Weise des Angriffs wertet Rechtsmediziner Keil als lebensgefährlich. Der Tritt in den Bauch hätte etwa Leber und Milz beschädigen können. Ein solch harter Tritt in den Kopf ließe normalerweise den Schädel brechen. "Es ist wie ein Wunder, dass ein so massiver Kopftritt nicht zu schwersten Kopfverletzungen geführt hat."

Von seinem vergrößerten Herzen allerdings hat Brunner offenbar nichts gewusst. Seine Lebensgefährtin, die bis zu seinem Tod mit ihm zusammenlebte, weiß, dass er jährlich zur Vorsorgeuntersuchung gegangen ist. Dabei sei aber "nichts rausgekommen". Der 50-Jährige litt an Tinnitus, Heuschnupfen. Aber: "Er war ein fitter Mensch", beschreibt ihn die 30-Jährige. "Ich kann sagen, er war definitiv nicht krank." Regelmäßig sei er geschwommen, gejoggt und einmal pro Woche sei er mit ihr ins Kieser Training gegangen.

Vermutlich rührte Brunners vergrößertes Herz von unerkanntem Bluthochdruck her - wie in den meisten Fällen, erklärt Keil. Todesfälle, ausgelöst durch körperlichen oder psychischen Stress, seien bei dieser Erkrankung keine Seltenheit. Yvonne Salvamoser mit dpa

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