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Prozess

27.07.2010

Dominik Brunner: "Oan erwischt's glei!"

Markus S. ist ein unscheinbarer Schüler gewesen.
Bild: kne soe

Die letzten Minuten von Dominik Brunner sind ein Protokoll des Schreckens. Auch die Ex-Freundin charakterisiert den Manager als "nie aggressiv". Von Yvonne Salvamoser

"Oan erwischt's glei!" Es ist Dominik Brunners Stimme. Sein Rufen klingt blechern. "Komm her", erwidert einer der Jugendlichen, die den Manager zu Tode geprügelt haben sollen. Wortfetzen, Stimmengewirr, Brunners Stöhnen sind zu hören. Doch was gesagt wird, ist unter dem Rascheln seiner Kleider schwer zu verstehen.

Vor der Jugendkammer des Landgerichts München I spielt eine Sachverständige für Phonetik des Bayerischen Landeskriminalamts (LKA) vor, was am 12. September 2009 am S-Bahnhof Solln passiert ist. Während des Vorfalls war Brunner 22 Minuten lang mit der Polizei verbunden. Es waren die letzten Minuten seines Lebens. Nicht alles konnte die Gutachterin verstehen, die Stimmen von Markus S. und Sebastian L. nicht unterscheiden.

Es ist schon die dritte Woche in dem Mordprozess gegen die beiden jungen Männer. Weitere Zeugen sagen aus. Brunners Ex-Freundin berichtet, dass er nie gewalttätig gewesen sei. "Aufgeregt vielleicht, aber nie aggressiv", beschreibt die 51-Jährige ihren ehemaligen Lebensgefährten. "Er ist schon jemand gewesen, der sich eingemischt hat und versucht hat, zu schlichten", sagt sie. "Allerdings immer nur verbal." Wenn er das Gefühl gehabt habe, dass jemand bedrängt wurde oder Angst ausstrahlte, dann habe er versucht, das zu entzerren und die Spannung herauszunehmen. Dass er je in eine tätliche Auseinandersetzung verwickelt gewesen wäre, davon wisse sie nichts. Wenn er sich einmal aufgeregt habe, dann sei er schnell wieder ruhig geworden.

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Einmal hat Brunner einen Selbstverteidigungskurs gemacht. Was war der Anlass? Seine ehemalige Lebensgefährtin sagt: "Er war immer ein gewisser Sicherheitsfanatiker." Etwa zwei bis drei Mal in der Woche habe Brunner versucht, Sport zu treiben: Er joggte, zog seine Bahnen im Schwimmbad, machte Kieser Training. Mitte der 1990er sei er zeitweise ins Boxtraining gegangen. Ein fanatischer Sportler sei er aber nicht gewesen. Er habe sich damit fit halten wollen.

14 Jahre lang waren sie und Brunner ein Paar, bis ihre Beziehung 2005 freundschaftlich auseinander ging. Nie habe er in dieser Zeit und den zwei, drei jährlichen Treffen danach über gesundheitliche Probleme geklagt, höchstens einmal über seinen Heuschnupfen. Auch Herzbeschwerden seien nie ein Thema gewesen, sagt die Ärztin als Zeugin vor Gericht. "Das hätte er mir erzählt."

Brunner hatte nach bisherigen Berichten ein vergrößertes Herz und starb an Herzstillstand. Die Tritte und Schläge der Angeklagten sollen aber der Auslöser dafür gewesen sein. Als die ersten Rettungskräfte am 12. September 2009 gegen 16.15 Uhr am S-Bahnhof eintrafen, stellten sie bereits Kammerflimmern fest. Vor dem Schwurgericht berichtet eine 24-jährige Rettungsassistentin von den Wiederbelebungsversuchen: Über eine Stunde haben sie versucht, den Manager zu reanimieren. Sechs Mal hätten sie den Defibrillator eingesetzt. Ohne Erfolg. Es sei ihnen nicht gelungen, einen stabilen Herzrhythmus herzustellen.

Brunners Gesicht war bereits am Bahnsteig blau angelaufen - zu wenig Sauerstoff. Seine Pupillen reagierten nicht mehr auf Licht. Ein Kollege der Rettungsassistentin, ebenfalls als Zeuge geladen, wusste: "Das ist ein schlechtes Zeichen." Auch in der Klinik schlugen alle Wiederbelebungsmaßnahmen fehl. Um 18.20 Uhr, sagt eine Ärztin vor Gericht aus, haben sie den Todeszeitpunkt festgelegt.

Für Brunners Eltern ist der Tod ihres einzigen Kindes eine "Katastrophe". Seine Ex-Freundin, die ein gutes Verhältnis zu ihnen habe, weiß aus Erzählungen, dass es seiner Mutter seit dem Vorfall schlechter ging. Der Vater, der die Verhandlung anfangs verfolgte, nimmt jetzt nicht mehr teil. Auch er sei belastet. "Für sie ist es eigentlich sinnlos geworden, zu leben." Von Yvonne Salvamoser mit dpa

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