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23.01.2020

Donauwörth hat das langsamste Finanzamt Deutschlands

Es gibt schönere Dinge, als die Steuererklärung auszufüllen. Wer das noch dazu auf Papier tut, muss mit längeren Bearbeitungszeiten rechnen.
Foto: Oliver Berg, dpa

Plus Ein Rekord, mit dem sich die Stadt nicht rühmen kann: In Donauwörth warteten Bürger im letzten Jahr 84,5 Tage auf ihren Steuerbescheid - so lange wie nirgendwo sonst.

Wer in Donauwörth seine Einkommensteuererklärung abgeben will, braucht Geduld. Nicht nur, weil die dortige Außenstelle des Finanzamts Nördlingen seit gut einem Jahr einer Großbaustelle gleicht. Weil, wer hier etwas zu erledigen hat, den Weg über das nebenan liegende Vermessungsamt nehmen muss. Und weil selbst die Suche nach dem Briefkasten, der seit den Umbauarbeiten einen anderen Platz hat, länger dauern kann.

Geduld aber ist für die Bürger in und um Donauwörth vor allem aus einem anderen Grund gefragt: 84,5 Tage mussten sie im vergangenen Jahr durchschnittlich auf ihren Steuerbescheid warten. Das geht aus einer Auswertung des Portals Lohnsteuer-kompakt.de hervor, das die Bearbeitungszeiten von rund 400.000 Einkommensteuererklärungen, die im Jahr 2019 über diese Lohnsteuersoftware erstellt wurden, vergleicht. Das ernüchternde Ergebnis: Das Donauwörther Finanzamt ist demnach so langsam wie kein anderes in der Republik.

Steuererklärung: Im Unterallgäu warten Bürger 35,1 Tage auf den Steuerbescheid

Besser haben es da die Bürger im nordrhein-westfälischen Herne, wo die Finanzbeamten im Durchschnitt gerade einmal 26,6 Tage benötigten – der Positivrekord in Deutschland. Und auch in der Region gibt es Finanzämter, die zügig arbeiten: Wer seine Steuererklärung beim Finanzamt Memmingen-Mindelheim abgibt, muss gerade einmal 35,1 Tage auf die Erstattung warten. In Lindau sind es 44,3 Tage, in Dillingen 47,4 und in Augsburg-Land 53,3 Tage. Bundesweit liegt der Durchschnitt der Finanzämter bei 54,7 Tagen.

Warum aber müssen die Steuerpflichtigen in Donauwörth einen Monat mehr Geduld aufbringen? Wer sich im dortigen Finanzamt eine Erklärung erhofft, wird enttäuscht. Behördenleiter Konrad Weiß, der sein Büro in Nördlingen hat, hat zwar von der unrühmlichen Platzierung der Donauwörther Außenstelle erfahren. Fragen will er trotzdem nicht persönlich beantworten. Auch nicht am Telefon. Weil das die übergeordnete Behörde generell nur per Mail tue. Und es schließlich kein Thema sei, das nur Donauwörth betreffe.

Auch den Bund der Steuerzahler stören die langen Bearbeitungszeiten

Beim Bund der Steuerzahler kennt man das Problem mit den unterschiedlichen Wartezeiten nur zu gut – auch, wenn man wenig von der Auswertung von Lohnsteuer-kompakt.de hält. Schließlich macht der Steuerzahlerbund jedes Jahr selbst einen „Bearbeitungscheck“ – allerdings bezogen auf die Bundesländer, nicht auf die einzelnen Finanzämter – und kommt dabei regelmäßig zu kürzeren Zeiten als das Onlineportal. Für das Jahr 2019 liegt die Auswertung allerdings noch nicht vor. Nichtsdestotrotz sind die unterschiedlichen Bearbeitungszeiträume dem Steuerzahlerbund ein Dorn im Auge. „Es darf nicht vom Wohnort abhängen, wie lange ich auf meinen Steuerbescheid warte“, sagt Isabel Klocke, Leiterin der Abteilung Steuerrecht und Steuerpolitik. Schließlich arbeiteten alle Finanzämter mit der gleichen Software.

Was aber noch immer nicht die Frage beantwortet, wie es zu solchen Unterschieden zwischen den Finanzämtern kommt. Klocke sagt: „Es hängt von der Komplexität der Fälle und vom Abgabeverhalten der Steuerpflichtigen ab.“ In Finanzämtern, in denen besonders viele Steuererklärungen von Arbeitnehmern landen, geht es schneller als an einem Standort mit vielen Unternehmen. Und: Wenn viele Bürger die Unterlagen erst kurz vor der Ablauf der Abgabefrist einreichen, dauert es länger. Klocke sagt: „Ganz starke Abweichungen lassen sich aber auch damit nicht erklären.“

Das Bayerische Landesamt für Steuern teilt lediglich mit, dass die Finanzämter 2019 im Durchschnitt 46,5 Tage für Einkommenssteuerklärungen von Arbeitnehmern gebraucht hätten – zehn Tage weniger, als Lohnsteuer-kompakt.de ermittelt hat. Die tatsächliche Bearbeitungsdauer unterliege „im Einzelfall jedoch dem Einfluss verschiedenster Faktoren. Unvollständige Angaben oder Sachverhalte, die weiterer Klärung bedürfen, können die Bearbeitungszeit aber individuell verlängern. Dies hängt auch von der Mitwirkung des Steuerpflichtigen ab.“

Steuererklärung: Wer früher abgibt, bekommt auch eher seinen Bescheid

Warum nun genau das Donauwörther Finanzamt das langsamste ist? Eine Frage, die auch das Landesamt für Steuern nicht beantwortet. Liegt es daran, dass man in Nördlingen und Donauwörth seit anderthalb Jahren für einen Teil der in Deutschland tätigen polnischen Unternehmer zuständig ist? Die 36 neuen Stellen seien unverzüglich besetzt worden, heißt es. 2019 hätten die 85 Beschäftigten in der Außenstelle keine neuen Zuständigkeiten bekommen. In der Auswertung von Lohnsteuer-kompakt.de gehörte Donauwörth schon 2018 zu den langsamsten Finanzämtern des Landes – damals auf Platz 503 von 518.

Was das für all jene heißt, die bald wieder über ihrer Steuererklärung sitzen? Wer sie elektronisch erstellt, hat jedenfalls gute Chancen, dass es schneller geht. Schon, weil ein Teil dieser Fälle automatisch von einer Software bearbeitet wird. Ansonsten gilt: Wer früher abgibt, bekommt auch eher seinen Bescheid. Zu viel Eile ist allerdings auch nicht nötig. Denn die Finanzämter beginnen erst im März damit, die Einkommenssteuererklärungen für das Vorjahr zu bearbeiten.

Lesen Sie dazu auch: Ist das Donauwörther Finanzamt wirklich so langsam? Das sagen Betroffene

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