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München

26.09.2020

Donisl-Wirt gibt auf: Beginnt in München eine Gastro-Pleitewelle?

Der Donisl zählt zu den traditionsreichsten Wirtschaften in München. Dass er vor allem bei Touristen beliebt ist, sorgte lange für stabile Umsätze.
Bild: Alexandra Maierhofer

Plus Der Donisl, eine der bekanntesten Gaststätten Münchens, sperrt zu. Es könnte der Auftakt einer Pleitewelle sein – und für Wirte die Chance auf ein Oktoberfest-Zelt.

Wenn es um den Donisl geht, sind sich die Münchner schon lange uneins. Für die einen ist er ein Kulturgut der Stadt, eine Traditionswirtschaft im besten, herkömmlichen Sinn. Die anderen halten ihn für eine reine Touristen-Attraktion, so wie der Marienplatz, an den er grenzt. Vertreter letzterer These könnten sich nun bestätigt sehen. Karl-Heinz Reindl, Donisl-Wirt, gibt auf. Weil wegen Corona kaum noch Touristen in der Stadt sind.

Ein Herzensprojekt sei er, der Donisl, sagt Karlheinz Reindl. Er betreibt das Wirtshaus seit 2015. „Und freilich, das ist jetzt schon ein Paukenschlag, für die Kollegen, für ganz München. Aber als Geschäftsmann musste ich eine Entscheidung treffen. Und die war leider eindeutig.“ Den Vertrag mit der Hacker-Pschorr-Brauerei als Verpächterin hat er vorzeitig zum Jahresende aufgelöst. „Wir haben wegen Corona fast alle Reservierungen dieses Jahr verloren. Touristen, Messegänger, Fußballfans – fast alles weg. Uns fehlt die Basis, den Betrieb am Laufen zu halten“, erklärt Reindl im Gespräch mit unserer Redaktion. „Den Ausschlag hat letztlich gegeben, dass keine Besserung in Sicht ist.“ Seit Mai sei er darüber im Austausch mit Hacker-Pschorr, die definitive Entscheidung sei dann Anfang September gefallen.

Prominente Wirtschaften in Münchens Gastronomie schließen

Knapp 40 Groß-Wirte sind in Münchens Innenstadt angesiedelt. Dass die Lage für sie „existenzbedrohend“ werde, hatte Angela Inselkammer, Präsidentin des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes, schon Ende Juli erklärt. Während kleine Lokale in den Münchner Stadtteilen oft schnell in den Normalbetrieb zurückgekehrt seien, würden große Häuser in den Innenstädten eher gemieden. Zu einer möglichen Pleitewelle sagte Inselkammer damals, sie vermute, „dass das im Herbst und ganz schlimm im Frühjahr kommen wird.“ Bereits im Mai hatte das Paulaner im Tal Insolvenz anmelden müssen. Ist der Donisl nun das zweite prominente Glied einer immer längeren Kette von Corona-bedingten Schließungen in Münchens Gastronomie?

Karlheinz Reindl
Bild: Reindl

Gregor Lemke, Vorsitzender der Münchner Innenstadtwirte, ist noch gelassen. „Es gibt keine Anzeichen dafür, dass jetzt einer nach dem anderen umfällt.“ Dass der Donisl nun schließen muss, ist nach Ansicht von Lemke einem „Zielgruppen-Problem“ geschuldet: „Rund 50 Prozent des Touristen in München kommen aus dem Ausland, darauf hatte der Donisl seinen Fokus. Die sind ihm jetzt komplett weggebrochen.“ Er sei sich aber „relativ sicher“, dass die Wirte in der Innenstadt gut aufgestellt seien.

Auch Daniela Ziegler, Kreisgeschäftsführerin des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands in München, warnt davor, das Donisl-Aus zu überbewerten. Jedoch: Gut durch den Sommer gekommen seien fast nur Gastronomen, die genügend Freischankflächen hatten. „Die anderen, auch große Wirte, stehen teils vor massiven Problemen, weil sie in den Sommermonaten keinen Puffer gebildet haben – gerade in Städten wie München, Nürnberg oder Augsburg, wo Gastronomie und Hotellerie auf Touristen und Messegäste angewiesen sind.“ Gerade vor dem Hintergrund jüngst gestiegener Corona-Fallzahlen und strengerer Maßnahmen in München schätzt auch der bisherige Donisl-Wirt Karlheinz Reindl die Lage kritisch ein. „Ich gehe davon aus, dass wir nicht die letzten sind, die schließen müssen.“

Donisl-Aus könnte Auswirkungen auf Oktoberfest-Zelte haben

Reindl will sich künftig auf die Rubenbauer-Firmengruppe konzentrieren, die Gastronomiekette seiner Familie. Über seine Nachfolge als Donisl-Wirt sind wilde Spekulationen entbrannt – denn damit könnte auch zusammenhängen, wer auf dem Oktoberfest künftig das Bräurosl-Zelt bekommt. Es gehört ebenfalls Hacker-Pschorr. Georg und Renate Heide, deren Familie das Bräurosl über 70 Jahre lang betrieben hatte, verzichteten Anfang Juli wegen Corona auf eine Bewerbung.

 

„Es ist uns klar, dass es eine Herausforderung ist, den oder die richtigen Wirte für zwei Großobjekte wie den Donisl und die Bräurosl auf der Wiesn zu finden. Aber wer weiß, vielleicht ergibt sich hier auch eine Kombination“, deutet Andreas Steinfatt, Geschäftsführer von Hacker-Pschorr, an. Die Zahl derer, die das Wiesn-Zelt und den Donisl übernehmen könnten, ist überschaubar. Im Gespräch ist deshalb auch ein Zusammenschluss von Wirtsfamilien.

Trotz der vorhersehbaren Schwierigkeiten im Jahr 2021 soll der Donisl wieder öffnen. Der bisherige Wirt Karlheinz Reindl sagt, er verlasse den Donisl schon mit ein bisschen Wehmut. Aber, immerhin: „Wirtschaftlich sind wir gut dabei rausgekommen.“

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