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Gesundheit

09.01.2020

Droht in Bayern ein Notärzte-Notstand?

In Bayern könnten immer wieder Notarzt-Schichten nicht besetzt werden.
Bild: Alexander Kaya (Symbolbild)

Plus Zwischen dem 24. Dezember und dem 9. Januar war im Kreis Aichach-Friedberg nur sporadisch ein Notarzt im Einsatz. Das kommt in ganz Bayern immer wieder vor. Aber wie kann das sein?

Wer den Notruf wählt, verlässt sich darauf, dass binnen weniger Minuten ein Notarzt kommt. Und noch ist das auch so. Doch an vielen Orten in Bayern bleiben vermehrt Notarzt-Schichten unbesetzt - vor allem im ländlichen Raum. Hört man sich bei den zuständigen Stellen und bei Rettungsdienstleitern in der Region um, wird klar: Für manche Schichten – etwa an Feiertagen oder in der Nacht – finden sich oft keine Ärzte mehr. Dann bleibt der Notarztstandort für mehrere Stunden – oder gar Tage – verwaist. Ein für den Rettungsdienst zuständiger Mitarbeiter des Roten Kreuzes spricht sogar von einem nahenden Notärzte-Notstand.

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In ganz Bayern sind immer wieder Notarzt-Schichten nicht besetzt

Das drastischste Beispiel der jüngsten Zeit kommt aus dem Kreis Aichach-Friedberg. Nach Informationen unserer Redaktion gibt es dort an beiden Notarzt-Standorten massive Probleme. In Aichach war an neun Tagen zwischen dem 24. Dezember und dem 9. Januar zeitweise kein Notarzt da. In Friedberg konnten die Schichten an fünf Tagen nicht abgedeckt werden. Dazu kommen andere Fälle: An Silvester war der Standort in Gersthofen unbesetzt. In Günzburg fehlte an Weihnachten ein Notarzt. Auch in Nördlingen fallen immer wieder Schichten aus. Das Problem gibt es in ganz Bayern.

Um zu verstehen, wie das kommt, muss man wissen, wie Notärzte in Bayern eingeteilt werden. Grundsätzlich ist die Kassenärztliche Vereinigung Bayern (KVB) dafür zuständig, einen Dienstplan zu erstellen – und eigentlich auch dafür, dass an 365 Tagen im Jahr und an 24 Stunden am Tag an jedem Notarztstandort ein Arzt im Einsatz ist. Aber: Die Mediziner melden sich freiwillig zum Dienst. Ärzte, die ansonsten im Krankenhaus oder als Allgemeinmediziner arbeiten, übernehmen die Schichten zusätzlich. Meldet sich niemand, kann auch niemand gezwungen werden, die Lücken zu schließen. In anderen Bundesländern - zum Beispiel in Baden-Württemberg - ist das anders. Das bayerische System hat lange Zeit funktioniert. Es versagt aber zusehends.

Droht in Bayern ein Notärzte-Notstand?

Notarzt-Mangel: Gibt es in Bayern zu viele Notarzt-Standorte?

Das hat verschiedene Gründe. Gökhan Katipoglu, Leiter Notdienste bei der KVB, erklärt es so: „Die Arbeitsverdichtung in Praxen und Kliniken hat in den letzten Jahren dazu geführt, im Sinne einer verbesserten ,Work-Life-Balance’ dem Notarztdienst nicht mehr den gleichen zeitlichen Rahmen einzuräumen.“ Zudem erreichten viele Notärzte das Rentenalter, Nachwuchs sei schwer zu finden. Thomas Jarausch, erster Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der bayerischen Notärzte, verweist auch darauf, dass die Bezahlung „nicht überragend“ sei.

Genaue Zahlen, wie viele Notarztschichten ausfallen, nennt die KVB nicht. Stattdessen sagt sie, dass bayernweit nur drei Prozent der Schichten nicht besetzt werden. Sie sagt aber: Die Ausfälle kommen überproportional häufig im ländlichen Raum vor. Lösungsvorschläge gibt es: Eine Überlegung ist es, die Notarzt-Standorte auszudünnen. Nicht alle seien ausgelastet.

Diesem Vorstoß schließt sich Bayerns Innenminister, Joachim Herrmann an. Er ist für Rettungsdienste zuständig. Gegenüber unserer Redaktion sagte er, die Regierung wolle die Standorte und Einsatzzeiten neu bewerten lassen. „Auch die Höhe der Vergütungen muss noch einmal betrachtet werden.“

BRK fordert mehr Kompetenzen für Notfallsanitäter

Das Bayerische Rote Kreuz wirbt dafür, die Kompetenzen der Notfallsanitäter auszubauen. Eine Idee, mit der sich auch Herrmann anfreunden kann. Nur eines möchte er nicht: „Eine Abkehr vom Prinzip der Freiwilligkeit sehen wir nicht als Option. Die Ableistung des Notarztdienstes kann aufgrund der hohen Anforderungen nicht in eine Verpflichtung umgewandelt werden.“

Und die Patienten? Bislang haben die Engpässe keine Auswirkung auf die Notversorgung. Ist ein Standort nicht besetzt, fordert die Einsatzzentrale den nächsten Mediziner an.

Hier finden Sie das ganze Interview: Herr Jarausch, warum ist es so schwer Notarzt-Schichten zu besetzen?

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