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23.12.2020

Erste Hilfe in Corona-Zeiten: Was tun im Notfall?

Ersthelfer sollen sich in einem Notfall nicht selbst in Gefahr bringen. Das gilt auch in Zeiten einer Pandemie – insbesondere auch in Bezug auf eine mögliche Ansteckung mit dem Coronavirus.
Bild: Martin Schutt, dpa

Erste Hilfe zu leisten ist in Zeiten der Corona-Pandemie offenbar keine Selbstverständlichkeit mehr. Ein Sanitäter aus Buchloe erklärt, worauf Helfer achten sollten.

Aus Sorge vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus ist die Erste-Hilfe-Bereitschaft in der Bevölkerung gesunken. Das stellte der Bundesverband für Patienten- und Versicherteninteressen „Das Patientenforum“ fest, der zugleich aufruft, auch in Pandemie-Zeiten bei Notfällen Erste-Hilfe- und Wiederbelebungsmaßnahmen durchzuführen.

Ansteckungsgefahr: Kann man trotz Coronavirus einfach Erste Hilfe leisten?

Philipp Willmann kennt solche akuten Situationen. Der 23-jährige Buchloer ist Notfallsanitäter und seit einem Jahr Erste-Hilfe-Ausbilder bei ADAC gelbhilft. Willmann weiß: Bei Lebensgefahr können die ersten Minuten entscheiden. „So ist es wichtig, dass Ersthelfer zum Beispiel lebensrettende Sofortmaßnahmen ergreifen.“ Ohne Reanimation sinke, statistisch betrachtet, die Überlebenswahrscheinlichkeit pro Minute um zehn Prozent. Der schnelle Beginn mit Wiederbelebungsmaßnahmen kann für die Betroffenen also über Leben und Tod entscheiden. Doch man muss wissen, was man tut.

Experte Willmann hat Rat, wie man sich verhalten soll, wenn man als Ersthelfer an einen Unfallort kommt. Einfach weiterzufahren sei in keinem Fall eine Alternative, sagt er. Zumindest müsse ein Notruf abgesetzt werden, sonst mache man sich strafbar. Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung gibt in Sachen Erste Hilfe klare Vorgaben: „Jeder und jede muss im Rahmen der Zumutbarkeit und ohne erhebliche eigene Gefährdung Erste Hilfe leisten“, heißt es da.

In Corona-Zeiten gelten besondere Regeln für die Erste Hilfe

In Corona-Zeiten gelten jedoch noch einmal besondere Regeln. Fachleute empfehlen bei Personen, die reanimiert werden müssen, auf eine Mund-zu-Mund- beziehungsweise Mund-zu-Nase-Beatmung zu verzichten, um sich selbst vor einer Infektion zu schützen. So macht der Deutsche Rat für Wiederbelebung deutlich, dass „Ersthelfer primär eine Herzdruckmassage durchführen sollen“. Die Notwendigkeit einer Atemspende in dieser Situation sei, so der Rat, „zunächst nachrangig anzusehen“.

Nach Absetzen des Notrufs sollte ein Ersthelfer bei einer bewusstlosen und nicht atmenden Person also ununterbrochen eine Herzdruckmassage durchführen, bis professionelle Helfer eintreffen. Allein dies führe laut Experten zu einer Verdoppelung bis Verdreifachung des Überlebens der vom Herz-Kreislaufstillstand betroffenen Menschen. Denn: In Deutschland würden nach wie vor pro Jahr mehr als 70000 Menschen an den Folgen eines Herz-Kreislaufstillstands außerhalb eines Krankenhauses sterben.

Die Durchführung einer sogenannten Atemspende sollte laut Verordnung daher immer auch „situationsbezogen sorgfältig“ abgewogen werden. Der Buchloer Notfallsanitäter Philipp Willmann sagt: „Auf Mund-zu-Mund kann verzichtet werden, zum Beispiel bei fremden Personen in der Öffentlichkeit.“

Erste Hilfe in Corona-Zeiten: Bei Reanimation auf Mund- und Nasen-Schutz achten

An erster Stelle stehe immer die Sicherheit desjenigen, der hilft. Selbstverständlich sollte der Ersthelfer einen Mund-Nasen-Schutz tragen, und – wenn möglich – auch der Mindestabstand von eineinhalb Metern wahren. Um Ersthelfer vor Aerosolen zu schützen, lautet bei einer Reanimation schließlich die offizielle Empfehlung, „Mund und Nase mit einem luftdurchlässigen Tuch zu bedecken“, erklärt Willmann.

Der Notfallsanitäter sagt im Übrigen auch, dass die meisten Reanimationen außerhalb von Krankenhäusern nicht im Straßenverkehr, sondern in einem ganz anderen Bereich stattfinden: zu Hause. Es sind mehr als 60 Prozent.

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