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Festspielhaus Füssen

12.06.2019

Es gibt Ärger um ein Fünf-Sterne-Hotel am Forggensee

Direkt am Forggensee und damit herrlich gelegen, soll ein Fünf-Sterne-Hotel in unmittelbarer Nähe des Festspielhauses entstehen.
Bild: Benedikt Siegert

Plus Mit einem Fünf-Sterne-Hotel soll das Musicaltheater am Forggensee wirtschaftlich stabilisiert werden. Doch gegen die Pläne formiert sich Widerstand.

Vom Beginn seiner Regentschaft in jungen Jahren bis zum tragischen Tod im Starnberger See wird das bewegte Leben König Ludwigs II. inzwischen wieder regelmäßig auf der Bühne des Füssener Festspielhauses inszeniert. Ähnlich bewegt ist die Geschichte des Hauses am Ufer des Forggensees im Ostallgäu: Nach der groß gefeierten Eröffnung im Jahr 2000 ist es bereits dreimal in die Insolvenz gerutscht. Seit 2017 ist der Marktoberdorfer Unternehmer Manfred Rietzler, der vor allem in der IT-Branche durch die Produktion von Chips bekannt geworden ist, alleiniger Eigentümer des markanten Gebäudes und will diesem nun neuen Schub geben: Er plant im Nordosten des Musicaltheaters ein Fünf-Sterne-Hotel mit 149 Doppelzimmern und Suiten.

Doch gegen das millionenschwere Vorhaben hat sich in den vergangenen Wochen kräftiger Widerstand formiert: Der Bund Naturschutz mit seinem Landesvorsitzenden Richard Mergner gibt gemeinsam mit dem Kreisfischereiverein Füssen an diesem Mittwoch den Startschuss für ein Bürgerbegehren. Sie befürchten eine nachhaltige Veränderung der Lebensräume für heimische Pflanzen- und Tierarten.

Für Rietzler wiederum geht es um nicht weniger als den Fortbestand des jetzigen Theaterbetriebes. Ohne das millionenschwere Projekt, sagt er, könne das Festspielhaus nicht wirtschaftlich betrieben werden. "Wenn es eine breite Mehrheit gegen das Projekt geben würde, würde ich es nicht machen", sagt Rietzler. Er fühlte sich in der Vergangenheit von einer klaren Mehrheit bei seinem Vorhaben bestätigt. Denn der Stadtrat befürwortete im November 2018 mit 13:7-Stimmen grundsätzlich die Pläne der Architekten Tom Krause und Astrid Bohne aus Eschweiler. Doch das Planungsverfahren ist langwierig und läuft immer noch, Ende Juni müssen die Stadträte unter anderem über die Einwände der Naturschützer und Fischer beraten. Ob dann erneut eine ähnliche Mehrheit zustande kommt, ist derzeit höchst fraglich.

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"Die einzigartige Ostallgäuer Landschaft" vor Eingriff bewahren

Denn die Gegner haben sich positioniert. Ihr Ziel lautet nach Angaben des Bundes Naturschutz (BN), "die einzigartige Ostallgäuer Landschaft" vor diesem Eingriff zu bewahren. Denn das geplante Luxushotel ragt in das Landschafts-schutzgebiet (LSG) "Forggensee und benachbarte Seen". Der BN sieht in dem Projekt eine "weitere quantitative Steigerung des Tourismus in Füssen und keinen Mehrwert mehr für die einheimische Bevölkerung". Auch die Gemeinderäte der Nachbargemeinden Schwangau und Rieden am Forggensee lehnen das Projekt ab: Die Schwangauer kritisieren vor allem, dass der Hotelkomplex im LSG einem sanften Tourismus widerspreche, die Riedener befürchten insbesondere eine noch höhere Verkehrsbelastung. Die Kommunalpolitiker beider Gemeinden haben im Planungsverfahren aber kein Veto-Recht.

Rietzler hat bereits mehrere Gespräche mit den örtlichen Vertretern von BN und Kreisfischereiver-ein geführt – ohne Ergebnis. Er hat zwar angekündigt, die ursprüngliche Länge des geplanten Gebäudes von 144 Metern um 16 Meter zu reduzieren, wodurch es nicht mehr so weit in das Landschaftsschutzgebiet hineinragt. Doch das reicht den Naturschützern nicht. Sie lehnen ein Luxushotel nordöstlich des Festspielhauses ab und schlagen einen Standort südlich des Musicaltheaters vor. Das sei nicht realisierbar, entgegnet Rietzler: "Der Platz reicht nicht aus. Außerdem wäre der Eingriff in die Natur dort deutlich größer." Denn eine weit ausgedehnte Aufschüttung im Uferbereich sei dann notwendig. Er will das Hotel direkt neben dem Festspielhaus platzieren, um Synergien – etwa bei der Gastronomie – zu nutzen.

Füssens Bürgermeister: "Ohne Fünf-Sterne-Hotel geht es nicht"

Das Landratsamt Ostallgäu stuft die notwendige Änderung des Bebauungsplans als "grundsätzlich vertretbar" ein – sofern für den Eingriff ein ausreichender Ausgleich nachgewiesen wird. Rietzler hat angekündigt, er wolle für mehr Ausgleich sorgen als notwendig sei. Die Kreisbehörde hat außerdem errechnet: Vom gesamten Bebauungsplan-Gebiet wären nur 0,014 Prozent des LSG von dem Neubau betroffen.

Ein großer Befürworter des Nobelhotels ist Füssens Bürgermeister Paul Iacob. "Ohne Fünf-Sterne-Hotel geht es nicht", sagt er. Rietzler brauche es, um das Musicaltheater wirtschaftlich betreiben zu können. Den Weg für dieses Großprojekt will der Rathauschef noch ebnen, bevor im nächsten Jahr seine Amtszeit altersbedingt endet.

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