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Bildung

01.10.2020

Flächendeckendes WLAN nur an jeder dritten Schule

WLAN ermöglicht den Zugang zum Internet. Das Internet erlaubt digitales Lernen. Und Corona erfordert genau das. Also: Schulen müssen nachgerüstet werden.
Bild: Bernhard Weizenegger

Plus Nur ein Drittel aller bayerischen Schulen ist komplett mit WLAN ausgestattet. Doch ohne WLAN kann kein digitaler Unterricht stattfinden. Schuld an der Misere will so recht keiner sein.

Die Meldungen ändern sich seit Jahren nicht: Deutschland, Innovationsweltmeister und Land der Ideen, wie eine Initiative der Bundesregierung heißt, ist bei der Digitalisierung seiner Schulen ein Entwicklungsland – und in Bayern, so oft für sein Bildungssystem gefeiert, ist das kaum anders.

Wie eine Sonderauswertung der aktuellen Pisa-Studie ergab, hatten in Deutschland im Jahr 2018 zum Beispiel nur 33 Prozent der Schüler Zugang zu einer Online-Lernplattform – Portale, die gerade jetzt in Corona-Zeiten zentrales Mittel für den Unterricht daheim geworden sind. In Dänemark etwa nutzen 90 Prozent der Schüler solche Angebote. Da liegt Deutschland deutlich unter dem weltweiten Schnitt – genauso wie bei der Ausstattung mit digitaler Technik.

 

Realschulen haben das beste Internet

Bayern war das einzige Bundesland, das schon vor Corona eine Lernplattform mit Übungsmaterialien für den (digitalen) Unterricht betrieb. Doch Schulleiter auch hier beklagen, dass es teilweise bei den Grundvoraussetzungen hakt. Wie eine Anfrage des schwäbischen Grünen-Politikers Maximilian Deisenhofer ans Kultusministerium jetzt zeigt, gibt es nur an knapp 33 Prozent der schwäbischen Schulen flächendeckend WLAN. Flächendeckend heißt, dass auf mindestens 90 Prozent der Schulfläche WLAN funktioniert.

Die Zahlen basieren nach Angaben des Kultusministeriums auf einer Umfrage der Akademie für Lehrerfortbildung in Dillingen von Mitte September. Am besten mit Internetzugängen ausgestattet sind demnach die Realschulen, wo es an 40 Prozent der Schulen WLAN im ganzen Haus gibt. Bei Grund- und Förderschulen hat nur ein Viertel vollen Zugang zum Internet. Den Grünen reicht das nicht: „Wir fordern mittelfristig flächendeckendes WLAN an allen Schulen – dann kann jede Lehrkraft wirklich frei entscheiden, wie oft sie mit Hilfe digitaler Hilfsmittel unterrichten möchte“, sagt Deisenhofer, Sprecher für digitale Bildung.

Digitaler Unterricht in der Schule: Wer hat was versäumt?

Wenn es darum geht, die Sache mit der Drahtlosigkeit zu erklären, will keiner so recht die Verantwortung übernehmen. „Der WLAN-Ausbau an Schulen liegt in der Zuständigkeit der Sachaufwandsträger“, heißt es vonseiten des Ministeriums. Oft sind es die Kommunen, die die Schulen betreiben.

 

Wilfried Schober, Sprecher des Bayerischen Gemeindetags, ist die Stimme dieser Kommunen – und schlägt sich seit Jahren mit dem Thema herum. Er sagt – durchaus selbstkritisch, aber nicht nur: „Bei der WLAN-Ausstattung der Schulen hat man sich gegenseitig blockiert. Ministerium, Schulleitungen, Aufsichtsbehörden, Gemeinden – da hat es einer auf den anderen geschoben.“ Bei den Gemeinden etwa herrsche die Vorstellung: „WLAN hat nur dann Sinn, wenn die Schulen es auch nutzen – und Laptops und Tablets nicht in den Kellern vor sich hingammeln.“

Aus den Schulen heiße es: „Wir haben niemanden, um die entsprechenden Geräte zu installieren.“ Und aus dem Ministerium komme die Botschaft: „Kauft ihr mal ein, wir geben dann das Geld dazu. Aber wenn jeder nur wartet, geht nichts voran. Es ist ein Trauerspiel.“ Der aktuelle Flickenteppich – hier eine Schule mit schnellstem Internet und digital top ausgestatteten Klassenzimmern, da eine ohne all das – überrasche nicht. Er sei das Ergebnis eines fehlenden staatlichen Gesamtkonzepts für die digitale Schule. „Das Kultusministerium hätte schon vor Jahren ein klares Konzept vorgeben müssen: Welche ist die richtige Technik und wie soll sie genutzt werden? Dann könnten wir heute eine flächendeckende WLAN-Ausstattung haben.“

Das Ministerium hatte zuletzt darauf gesetzt, dass die Schulen selbst sogenannte Medienkonzepte entwickeln, die auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten sind. Dafür können sie Fördergelder vom Staat beantragen – und bekommen sie in der Regel auch genehmigt. Das aber ist ein langwieriger bürokratischer Prozess.

 

600 Digital-Experten sollen an bayerischen Schulen helfen

Ein großer Bremsklotz bei der Digitalisierung ist jedoch mittlerweile aus dem Weg geräumt. Lange hatte sich an jeder Schule ein Lehrer neben seinen normalen Lehraufgaben darum kümmern müssen, dass die Technik läuft. Eine Sisyphos-Aufgabe. Jetzt sollen die Schulen bis 2024 insgesamt 600 professionelle IT-Betreuer bekommen. Sowohl der Freistaat als auch der Bund zahlen mit. Man gehe davon aus, so das Ministerium, dass diese Zusage „dem WLAN-Ausbau an Schulen einen Schub verleihen wird“.

Aber wo Technik ist, braucht es auch jemanden, der sie richtig einsetzen kann. Hier soll eine Fortbildungsoffensive helfen. Bereits 90.000 der rund 150.000 Lehrer im Freistaat, steht in der Antwort des Kultusministeriums auf die Anfrage Deisenhofers, hätten sich für Online-Fortbildungen eingeschrieben, in denen sie das A und O des digitalen Unterrichtens lernen. Zudem befassten sich 25 Prozent aller staatlichen Fortbildungen für Lehrer heute mit dem digitalen Unterricht.

Wie viel das hilft, wird sich spätestens im nächsten Sommer zeigen: bei der Bilanz von Corona-Schuljahr Nummer zwei.

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