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Allgäu

03.12.2019

"Friedensgipfel" im Skigebiet: So soll es am Riedberger Horn weitergehen

Dienstagmorgen auf Grasgehren: Die Schneekanonen laufen und die Pisten werden präpariert. Am Samstag beginnt dort der Skibetrieb.
Bild: Michael Munkler

Plus Lange haben sich Liftbetreiber und Naturschützer wegen der geplanten Skischaukel am Riedberger Horn gestritten. Jetzt gibt es eine neue Philosophie.

„Wir haben uns neu ausgerichtet“, sagt Tobias Lienemann, seit gut einem Jahr Geschäftsführer der Grasgehren-Lifte unterhalb des Riedberger Horns bei Obermaiselstein (Kreis Oberallgäu). Er zeigt auf das neue Logo: „Berg und Naturerlebnis“ steht darauf und Lienemann versichert, die neue Philosophie sei „mehr als nur eine Marketingbotschaft“. Der 42-Jährige arbeitete vorher viele Jahre lang beim Deutschen Skiverband als Referent für Nachhaltigkeit bei sportlichen Großveranstaltungen.

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Skisport und Nachhaltigkeit: Funktioniert das überhaupt und was will Lienemann im Skigebiet Grasgehren konkret anpacken? Ihm gehe es vor allem um ein Miteinander von Pistenfahrern, Schneeschuhgehern, Winterwanderern und Tourengehern, sagt er. Und das alles solle „im Einklang mit der Natur und dem Bewahren der Lebensverhältnisse am Riedberger Horn“ möglich sein.

Viele Jahre war das Riedberger Horn Zentrum eines Streits

Die Vorgeschichte ist lang: Viele Jahre war am Riedberger Horn um die Liftverbindung mit Balderschwang gerungen worden. Die CSU hatte versprochen, sich dafür einzusetzen. Die Bürgermeister und viele Einwohner waren dafür, die Naturschutzverbände dagegen. Sogar der Alpenplan wurde geändert, bis die CSU den Rückzug antrat und Knall auf Fall die Reißlinie zog. Schließlich wurde sogar noch die Änderung der Schutzzonen im Alpenplan rückgängig gemacht.

Der neue Skilift wird am Riedberger Horn nicht gebaut. Dafür soll ein „Zentrum Naturerlebnis alpin“ entstehen.
Bild: Michael Munkler

Gleichwohl planten die Grasgehren-Lifte weiter eine neue Bahn und einen größeren Wasserspeicher für Schneekanonen. Beide Projekte wurden vom Landratsamt genehmigt, doch der Bund Naturschutz klagte. Dann die Überraschung Ende 2018: Nur mit finanzieller Unterstützung der Gemeinde konnte eine Insolvenz der Grasgehren-Lifte abgewendet werden.

Es begann die Ära des neuen Geschäftsführers. An einem Runden Tisch trafen sich alle Beteiligten: die 28 Gesellschafter der Grasgehren-Lifte, Naturschützer und Vertreter des Naturparks Nagelfluhkette sowie der Gemeinde. Lienemann nennt das heute einen „Friedensgipfel“. Die Naturschützer hatten erklärt, auf die Klagen gegen die erteilten Baugenehmigungen zu verzichten. Andererseits sicherte die Liftgesellschaft zu, die Modernisierung und den Ausbau des Skigebiets im vorgesehenen Maße nicht weiter zu verfolgen.

Skisport und Nachhaltigkeit: Wie geht das zusammen?

Inzwischen hätten mehrere weitere Runde Tische stattgefunden, sagt Lienemann. Vor allem mit dem Naturpark Nagelfluhkette wolle er die Zusammenarbeit noch intensivieren. Von einer „grundsätzlich positiven Entwicklung“ spricht auch Thomas Frey, Regionalreferent des Bundes Naturschutz: „Man kann vernünftig miteinander reden.“

Am Dienstag präparierten Pistenraupen die Abfahrten auf Grasgehren, an diesem Samstag beginnt der Skibetrieb. Doch wie geht es in dem kleinen Wintersportgebiet weiter, das als eines der schneesichersten Bayerns gilt? „Den Trend zu immer höher, immer schneller, immer weiter machen wir nicht mit“, sagt Lienemann. Nach dem „Moratorium mit Gemeinden, Grundstückseigentümern, Naturschutzverbänden und dem Naturpark“ arbeite man jetzt weiter am Gesamtkonzept für ein „etwas anderes Skigebiet“. Zuvor hätten im Sommer 28 Gesellschafter 4000 freiwillige Arbeitsstunden geleistet, um das Unternehmen finanziell wieder auf Kurs zu bringen.

Im Skigebiet deutet der Geschäftsführer auf die neuen Hinweistafeln, die hier aufgestellt wurden. Darauf werden Schneesportler über die Schutzgebiete informiert. Weil Familien eine wichtige Zielgruppe des kleinen Wintersportgebiets sind, soll ein neues buntes Kinderland entstehen. Die Preise sollen erschwinglich bleiben, Kinder bis sechs Jahre fahren in Begleitung der Eltern umsonst. Lienemann sagt, ihm sei besonders daran gelegen, Kinder zur Bewegung im Schnee zu animieren.

Neue Bahnen, so heißt es, wird es vorerst nicht geben. Stattdessen richte man den Fokus auf Tradition, regionale Wertschöpfung und einen Ausbau des öffentlichen Personen-Nahverkehrs über den Riedbergpass. „Erste Gespräche mit Gemeinden und Landkreis zur Verbesserung der Mobilität laufen bereits“, sagt Lienemann. Früher oder später müsse auch ein neuer Wasserspeicher gebaut werden. Der Geschäftsführer ist zuversichtlich, dass am Runden Tisch gemeinsam auch dafür ein geeigneter Standort gefunden wird.

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