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G7-Gipfel 2015
10.03.2015

Zerstört der G7-Gipfel auf Schloss Elmau Naturschutzgebiete?

Vor dem G7-Gipfel auf Schloss Elmau laufen die Bauarbeiten. Umweltschützer sorgen sich aber eher um die vielen Menschen, die im Juni in dem Gebiet erwartet werden.
Foto: Ulrich Wagner

Tausende Polizisten und Demonstranten inmitten von Naturschutzgebieten - Umweltschützer fürchten sich vor dem G7-Gipfel auf Schloss Elmau. Wie groß könnten die Auswirkungen sein?

Falscher Ort, falsche Zeit - so fasst Umweltschützer Axel Doering seine Kritik am G7-Gipfel auf Schloss Elmau bei Garmisch-Partenkirchen zusammen. Der Ort sei falsch, da sich die Vertreter der sieben mächtigsten Industrienationen in einem Hotel umgeben von Naturschutzgebieten treffen. Und die Zeit könne nicht ungünstiger sein, da im Juni viel tierischer Nachwuchs eigentlich seine Ruhe bräuchte.

Es laufen bereits massive Bauarbeiten. Bundes- und Staatsregierung lassen den Boden aufreißen, um neue Internetkabel und Wasserrohre zu verlegen. Straßen wurden verbreitert und ein Wanderparkplatz in einen Hubschrauber-Landeplatz umgebaut.

Besonders empört waren Umweltschützer aus ganz Bayern, als der Hotelchef von Schloss Elmau eine Kiesgrube für einen Parkplatz asphaltieren ließ. "Vorher lebten dort Eidechsen - nun ist es die größte Teerfläche, die ich jemals außerhalb eines Flughafens gesehen habe", sagt Doering, der Kreisvorsitzender des Bundes Naturschutz in Garmisch-Partenkirchen ist.

In der Umgebung von Schloss Elmau leben seltene Tiere

Doch die Bauarbeiten sind für Doering nicht das entscheidende Problem. Stattdessen fürchtet er sich vor den Tausenden Menschen, die während des Gipfels in das Gebiet kommen. "Hier werden etwa 15.000 Polizisten und Tausende Gegendemonstranten aufeinandertreffen", sagt er. Proteste seien in einer Demokratie wichtig. Doch er ruft Gegner des G7-Gipfels 2015 dazu auf, vor Ort besonders verantwortungsvoll mit dem Demonstrationsrecht umzugehen.

Doering war bis vor Kurzem Revierförster im Elmauer Tal und kennt die Naturschutzgebiete gut. Begeistert und gleichzeitig besorgt spricht er über Jahrhunderte alte Wälder, Wiesen aus bäuerlicher Landwirtschaft und über seltene Tierarten wie Steinadler oder Rothirsche. "Wir reden von der artenreichsten Region in ganz Deutschland - ja, vielleicht sogar in ganz Mitteleuropa", sagt er. Doch wenn die Tiere im Juni gestört werden, könne ihre Zahl spürbar sinken.

Wenn hier eine Wiese plattgetrampelt werde, verschwinde sofort ein Lebensraum für 120 Arten. Das sei nichts, was sich innerhalb von ein paar Jahren wieder erholen könne. "Wir haben hier kein Grünland - wir haben Buntland", sagt Doering.

Andere Umweltschützer warnen vor einem langfristigen Ansturm auf das Gebiet um Schloss Elmau, da der G7-Gipfel den Tourismus stärken könne. "Manche wollen sicherlich sehen, wo Obama geschlafen hat", sagt Doering. Doch das werde seiner Einschätzung nach kein großes Problem. Denn zum einen werden diese Wanderer wohl auf den Wegen bleiben und zum anderen wird kaum einer wirklich auf Schloss Elmau übernachten können - das schließlich ein teures Fünf-Sterne-Hotel ist.

Staatsregierung verspricht Rückbau nach dem G7-Gipfel 2015

Aus dem bayerischen Umweltministerium heißt es, dass Schäden für die Natur so gering wie möglich gehalten werden sollen. Doch beim G7-Gipfel gebe es hohe Anforderungen an Sicherheit und Katastrophenschutz. Außerdem gelte es, einen reibungslosen Ablauf zu garantieren. Daher könnten Auswirkungen auf die Natur nicht ganz vermieden werden.

Die Staatsregierung hat angekündigt, entstandene Schäden auszugleichen. Da sei am nahe liegenden Standortübungsplatz Mittelwald auch schon gesehen. Hier seien neue Wiesen angelegt und Bäume gepflanzt worden.

Nach dem G7-Gipfel sollen außerdem viele Bauarbeiten wieder rückgängig gemacht werden. Das betreffe beispielsweise den Ausbau der Zufahrtsstraße oder die Asphaltierung des Wanderparkplatzes.

Genau auf diese Zusagen konzentriert sich Umweltschützer Axel Doering bei seiner Arbeit. "Ich kann und will den G7-Gipfel auf Schloss Elmau nicht verhindern", sagt er. Doch er wolle die Öffentlichkeit auf die Auswirkungen für die Natur hinweisen, um die Staatsregierung später im Zweifelsfall besser an ihre Versprechen erinnern zu können.

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