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Freizeit

14.06.2017

Gartenschau und Städtebau

Für Besucher bietet „Natur in Pfaffenhofen“ einen entspannten Nachmittag. Für die Einwohner der Kreisstadt an der Ilm schafft die Ausstellung Werte, die bleiben. Und was haben Hobbygärtner davon?

Geht es bei einer Gartenschau wirklich um den Garten? Walter Karl, der Geschäftsführer von „Natur in Pfaffenhofen“ – der sogenannten kleinen Gartenschau – sagt: „Das ist von der Begrifflichkeit her eigentlich völlig falsch.“ Der 64-Jährige arbeitet seit 36 Jahren für die Stadt an der Ilm. Zuletzt war er acht Jahre lang Baumeister, war verantwortlich für die Neugestaltung des Hauptplatzes. Mit diesem Hintergrund sieht er auch die Gartenschau: „Das ist ein städtebauliches Instrument.“

Von der Ausstellung, die alle zwei Jahre in einer anderen bayerischen Stadt stattfindet, wird in Pfaffenhofen eine Menge bleiben. Auch, weil sie ein Publikumsmagnet ist. Allein am Pfingstwochenende besuchten 12000 Menschen das Gelände. Außerdem haben sich mehr als 14000 Menschen eine Dauerkarte gekauft – mehr als bei allen bisherigen „Natur in der Stadt“-Gartenschauen.

Durch die Anlagen laufen an diesem Tag auch tatsächlich eine Menge Besucher. Viele halten einen Plan der vier Bereiche in den Händen. Hinter dem Haupteingang liegt das Areal des Volksfestplatzes, mit Beeten und der klassischen Gartenausstellung. Es ist der Bereich, in dem sich Gartenfreunde am meisten inspirieren lassen können. Firmen aus der Region haben hier ihre Idee eines Idylls vor der Haustür verwirklicht. Wie wäre es etwa mit einer Küche für den Außenbereich, mit Herd und Esstisch? Daneben gibt es einen esoterisch angehauchten Garten mit ovaler Gartenlaube und metallenen Asteroid-Skulpturen, die laut Erklärungstext „die Alltagssorgen ihrer Besucher“ schlucken. Ein Bereich ist dem „Urban Gardening“, also Gartenbau auf kleinen Flächen in der Stadt, gewidmet. Dort sehen Besucher unter anderem, dass sich eine alte Badewanne als Blumenkübel eignet. Und dann gibt es noch ein Zelt, von dem Karl sagt: „Das ist der Burner.“ Es beherbergt die Schmetterlingsausstellung. „Die meisten Fotos, die gepostet werden, kommen von hier.“ Zwischen Blumen und Besuchern schwirren Falter, setzen sich mal auf Blüten, mal auf die Schalen mit Obst. Das alles steht noch bis zum Ende der Gartenschau am 20. August. Doch die anderen drei Bereiche sollen bleiben, wie sie jetzt sind.

Dort ist es besonders interessant zu sehen, was die Stadt aus Gebieten gemacht hat, die vor der Schau nur wenig erschlossen waren. Etwa der neue Sport- und Freizeitpark. Fußballfelder, Tennisanlage, Beachvolleyballfeld, Freibad und Kletterwand gab es schon zuvor. Doch sie sahen aus wie zusammengewürfelt. Das Gebiet dahinter, direkt an der Ilm, wurde kaum genutzt. Für die Gartenschau ließ die Stadt ein Fußballfeld versetzen, baute Wege und bepflanzte den Bereich. So entstanden weite, freie Grünflächen, auf denen nun Schaukeln und Kunstobjekte stehen. Außerdem gibt es einen Zugang zur Ilm, die zuvor durch dicht bewachsene Steilufer versperrt war. So einen Zugang gibt es auch im kleinsten der vier Ausstellungsbereiche, der Ilminsel. Über dem Fluss wurden Wege, Staudenbeete und Grünflächen angelegt. Daneben eine große Terrasse, auf der die Pfaffenhofer in Zukunft ihr Mittagessen oder einen Cappuccino genießen können.

Um ein Vielfaches größer ist der neue Bürgerpark. Der entstand auf dem Areal des ehemaligen Bauhofs und eines Schlachthofes. Mitten in der Stadt, zwischen stark befahrenen Straßen. Dennoch ist es idyllisch. Ein Wasserrad wälzt sich in der Ilm, überall gibt es Sitzgelegenheiten, im Musikzelt finden abends Konzerte statt. Für Kinder gibt es einen Spielplatz mit dem Froschkönig, dem Maskottchen der Gartenschau. Den besten Überblick haben Besucher vom sechs Meter hohen Hopfenturm. Rund um den futuristisch aussehenden Aussichtsturm ranken Hopfenpflanzen nach oben. Billig war der Turm allerdings nicht, das gibt Karl offen zu. Generell gilt, trotz Zuschüssen in Höhe von etwa drei Millionen Euro: Das Geld, das die Stadt in die Gartenschau gesteckt hat, wird sie über die Eintrittsgelder nicht zurückbekommen. Deshalb, und wegen des Trubels, haben sich die Bürger in Traunstein gerade gegen die Ausrichtung ausgesprochen. Allerdings ging es dabei um die „große“ Landesgartenschau, die alle zwei Jahre, im Wechsel mit den „Natur in der Stadt“-Gartenschauen, stattfindet.

Karl sagt: „Eine Kommune sollte nicht immer kostendeckend arbeiten.“ Schließlich seien das Investitionen für eine lebenswertere Zukunft in der Stadt. „Es kommt ein Wert zurück, den man schwer in Geld messen kann.“

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