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Geburtstag
26.03.2019

Münchens Mutter Courage

Jutta Speidel hat in vielen deutschen TV-Serien geglänzt: In „Der Bulle von Tölz“ spielte sie 1995 mit Ottfried Fischer, ihre bekannteste Rolle bekleidete sie bis 2005 als Schwester Lotte in „Um Himmels Willen“. Mit Henry Vahl war sie in „Unser Willi ist der Beste“ (1971) zu sehen.
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Jutta Speidel hat in vielen deutschen TV-Serien geglänzt: In „Der Bulle von Tölz“ spielte sie 1995 mit Ottfried Fischer, ihre bekannteste Rolle bekleidete sie bis 2005 als Schwester Lotte in „Um Himmels Willen“. Mit Henry Vahl war sie in „Unser Willi ist der Beste“ (1971) zu sehen.

Jutta Speidel gehört immer noch zu den beliebtesten bayerischen Schauspielerinnen. Was ihre größten Erfolge sind und welche ihre größten Ausrutscher im Beruf waren

Jutta Speidels Lebensmotto sagt viel über sie aus: „Ich mach’s einfach. Ich möchte couragiert durch die Welt gehen und möchte nicht ständig über das Risiko nachdenken, das ich bei Dingen eingehe“, betont sie. Sie könne ja nur wachsen und lernen, wenn sie auch etwas falsch mache. So ist sie, die Speidel.

Unterm Strich scheint die gebürtige Münchnerin, die noch immer zu den beliebtesten bayerischen Schauspielerinnen zählt, so viel nicht falsch gemacht zu haben. Jedenfalls wurde sie für ihr bürgerschaftliches Engagement schon mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande und dem bayerischen Verdienstorden ausgezeichnet. Das gelingt auch nicht jeder Frau. Am heutigen Dienstag wird sie 65 Jahre alt.

Im Jahre 1997 hat sie den Verein „Horizont gegründet, der obdachlose Mütter mit ihren Kindern dabei unterstützt, in ein selbstbestimmtes Leben zurückzufinden. Der Verein ist inzwischen immer mehr zu ihrer Lebensaufgabe gewachsen. Ihre ehrenamtliche Arbeit hat sie nie an die große Glocke gehängt. Ein ganz normales Leben ist ihr wichtig, mit normalen Menschen. Den Starrummel brauche sie nicht, sagt sie. Das nimmt man ihr auch ab.

Bei den inzwischen zwei Frauenhäusern bringt sie sich auf allen Gebieten voll ein und packt, wenn es sein muss, auch mal selbst mit an: „Mein Vater hatte keinen Sohn, also hat er seine Tochter zu einem Sohn gemacht. Deswegen kann ich Mauern hochziehen, kann Böden verlegen, kann streichen und auch andere handwerkliche Arbeiten.“ Auch an der Planung war sie beteiligt.

Das würde man ihr bei einem nur oberflächlichen Blick auf ihre Biografie gar nicht zutrauen. Am 26. März 1954 wurde Speidel in München geboren. Vater Eberhard war ein vermögender Patentanwalt, Mutter Gerlinde Hausfrau und die Sekretärin des Vaters. Jutta Speidel wuchs als einziges Kind sehr behütet in einer Villa im Süden von München, im Würmtal, auf.

Ihre Karriere nahm früh Fahrt auf. Bereits als Schülerin wirkte sie in „Pauker“-Filmchen wie „Hurra die Schule brennt“ mit. Jutta Speidel verließ dann vorzeitig das Gymnasium und nahm Schauspielunterricht. Später spielte sie Theater und bastelte gezielt an ihrer Film- und Fernsehkarriere.

Zu ihren beruflichen Ausrutschern gehörte 1970 das Sexfilmchen „Schulmädchenreport“, mit 25 bedeutete dann der legendäre Thriller „Fleisch“, der das Thema Organhandel aufgriff, den künstlerischen Durchbruch für die Schauspielerin. Doch für viele TV-Zuschauer wird Speidel wohl für immer die resolute Nonne Lotte aus der Serie „Um Himmels Willen“ bleiben. Dabei hat sie noch in vielen weiteren populären Produktionen mitgespielt, beispielsweise in „Forsthaus Falkenau“ oder in „Alle meine Töchter“.

Genauso resolut, frisch und fröhlich wie in vielen Filmen wirkt sie auch privat im Gespräch. Jutta Speidel strahlt zudem eine Menschlichkeit aus, die in ihrer Branche eher selten anzutreffen ist. Im Privatleben lief es für sie nicht immer ganz so gut wie im Beruf. Die Münchnerin ist geschieden und hat zwei Töchter. Zuletzt war sie mit ihrem italienischen Kollegen Bruno Maccallini liiert, doch auch diese Beziehung ist in die Brüche gegangen.

Davon lässt sich eine Frau wie Speidel nicht unterkriegen. Sie kann nicht nur bei schönem Wetter Lebensfreude entwickeln. Das bestätigt auch ihre ehrenamtliche Arbeit, die sie in Randgruppenmilieus führt. Die überzeugte Bayerin ist übrigens Münchenerin durch und durch, da liegt die Frage nahe: Ist sie Anhängerin des FC Bayern oder des TSV 1860 München? „Ich war ein glühender Sechzger-Anhänger“, antwortet sie, allerdings nur, solange „Radi Radenkovic im Tor stand“.

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