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Gefährlicher Trend

29.05.2015

#Gleise: Wenn Jugendliche für ein Selfie ihr Leben riskieren

Selfies im Gleisbett: Das kann tödlich enden.
Bild: Bundespolizei

Es ist noch keine zwei Wochen her, da fotografierten sich zwei junge Mädchen auf Gleisen in Augsburg. Das hätte sie das Leben kosten können. Über eine unterschätzte Gefahr.

Die Mädchen sitzen nebeneinander. Sie halten sich fest an den Händen. Ihr Blick geht Richtung Kamera. "Nichts kann uns trennen", steht unter dem Foto. Eine der beiden Freundinnen hat dieses Bild auf der Plattform Instagram veröffentlicht. Sie hat es mit mehreren Hashtags, also Stichwörtern, versehen - etwa #Liebe und #Langeweile. Ein anderes lautet #Gleise. Dort ist das Bild entstanden.

Und nicht nur dieses: In sozialen Netzwerken finden sich unzählige Fotos, auf denen Jugendliche auf Bahngleisen posieren. Manche von ihnen sitzen einfach nur da, andere balancieren, wieder andere legen sich hin. Die Kommentare anderer, junger Internetuser darauf: "Ihr seid so hübsch!" Oder: "Hey, schöne Kulisse!"

Tatsächlich haben die Bahnschienen für Jugendliche offenbar eine romantische Symbolik. Sie laufen immer parallel, wie ein Paar, das sich niemals trennt. So heißt es in einer Informationsbroschüre der Bundespolizei, die auf die Gefahren solcher Fotos hinweist. Diese wurde erstellt, weil Selfies auf Gleisen immer öfter vorkommen. Und weil diese immer öfter tragisch enden.

Jugendliche unterschätzen die tödliche Gefahr

Nach Angaben der Bundespolizei sind allein im Großraum Augsburg seit Januar 2014 knapp 30 Jugendliche ins Gleis gestiegen. Es ist noch keine zwei Wochen her, da fotografierten sich zwei 14 und 15 Jahre alte Mädchen auf Schienen im Stadtteil Oberhausen. Ein Lokführer hatte die Freundinnen entdeckt, die Strecke wurde gesperrt und das Fotoshooting von der Bundespolizei beendet. Die Mädchen hatten Glück.

2011 wurde in Memmingen ein Mädchen von einem Zug erfasst und tödlich verletzt.

Maik Kaiser ist Präventionsbeauftragter der Bundespolizei. Er weiß: "Jugendliche unterschätzen die Gefahr." Regelmäßig besucht Kaiser Schulklassen, um sie aufzuklären. Die Schüler sind zwischen 13 und 15 Jahre alt, manche haben selbst schon einmal ein Foto auf einem Gleis geschossen, fast alle kennen solche Bilder aus sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter oder Instagram. Besonders gefährdet sind laut Kaiser Mädchen. Sie kennen ähnliche Aufnahmen aus Modezeitschriften, ahmen die Models nach und erfreuen sich dann an der Bestätigung, die sie von anderen im Netz bekommen.

Auch auf stillgelegten Strecken kann ein Zug kommen

"Wird schon kein Zug kommen", zitiert Kaiser einen Satz, den er bei seiner Aufklärungsarbeit schon so oft gehört hat. Doch der Experte warnt: "Auch auf stillgelegten Strecken kann mal eine Bahn kommen. Es gibt immer wieder außerplanmäßige Fahrten, Rangierfahrten oder Ähnliches."

Bedacht werden sollte: "Eine Bahn, die sich etwa mit 160 Kilometern pro Stunde nähert, braucht nur gute zwei Sekunden für 100 Meter." Und dank immer moderner Technik würden die Züge auch immer leiser: "Wenn man die Bahn dann hört, hat man schon keine Chance mehr."

Was die vielen jungen Fotografen ebenfalls meist nicht wissen: Ein Gleis-Selfie kann auch ein juristisches Nachspiel haben. "Muss ein Lokführer eine Gefahrenbremsung einleiten, können Fahrgäste verletzt werden", sagt Kaiser. Der Fachbegriff lautet an dieser Stelle "gefährlicher Eingriff in den Bahnverkehr". Im schlimmsten Fall droht hier eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren.

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