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Kirche

28.08.2020

Gottesdienste: Fällt Weihnachten Corona zum Opfer?

An Weihnachten sind die Kirchen voll – zumindest in normalen Jahren.
Bild: Julian Leitenstorfer Photographie (Symbolbild)

Plus Bereits jetzt machen sich Kirchenverantwortliche Gedanken über Heiligabend. Ihr Schreckensszenario: Ein erneutes Gottesdienstverbot. Welche Alternativen es gäbe.

Wenn man Kirchenverantwortliche auf das diesjährige Weihnachtsfest anspricht, werden sie nachdenklich. Bei dem einen oder anderen bilden sich Sorgenfalten auf der Stirn. Schließlich steigen die Corona-Infektionszahlen wieder – und das lässt nichts Gutes erahnen.

Die Gottesdienstverbote in Bayern zwischen Mitte März und Anfang Mai sind vielen noch in schlechter Erinnerung. Sie erinnern sich vor allem an ein Osterfest, das es in dieser Form wohl noch nicht gab. Mit abgesagten Gottesdiensten oder Priestern, die es ohne Gläubige vor leeren Kirchenbänken begingen.

 

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"Wir sind Kirche": "Das Beharren auf Gottesdiensten ist höchst ungut“

Ein erneutes Gottesdienstverbot ist denn auch das Schreckensszenario, das katholische wie evangelische Kirchenvertreter am meisten besorgt. Es herrscht Unsicherheit. Erst am Donnerstag wurden Erwägungen von Kanzlerin Merkel bekannt, das Verbot von Großveranstaltungen bis 31. Dezember 2020 verlängern zu wollen. Zwar war von Gottesdiensten nicht die Rede, doch die Gotteshäuser sind an Heiligabend und den Festtagen voll wie sonst nie im Jahr, zumindest in einem normalen Jahr. Und so machen sich Kirchenvertreter jetzt schon, Ende August, Gedanken darüber, was im Dezember sein könnte.

"Pläne für Weihnachten gibt es noch keine, aber die Diskussion hat bereits begonnen", sagt der Liturgiereferent des Bistums Würzburg, Stephan Steger. Er kann sich vorstellen, das Angebot an gestreamten Gottesdiensten zu Weihnachten zu verstärken. "Wir benötigen an den Weihnachtstagen mehr unterschiedliche Gottesdienstformen für verschiedene Zielgruppen zu unterschiedlichen Zeiten, damit alle, die gerade an diesen Tagen den Zuspruch Gottes suchen, die Möglichkeit zur Mitfeier erhalten", sagt er. Unter www.familie.bistum-wuerzburg.de verlinkt das Bistum seit Dienstag auf eine Plattform, auf der Gläubige Ideen für dieses Weihnachtsfest in "coronabedingt besonderen Zeiten" einbringen sollen. Eine der ersten: Ministranten könnten Menschen das "Friedenslicht von Betlehem" nach Hause bringen.

Christian Weisner von der katholischen Reformgruppe "Wir sind Kirche" hält die Suche nach neuen, kreativen Möglichkeiten, Weihnachten zu feiern, für überaus wichtig. "Das Beharren auf Gottesdiensten ist höchst ungut", meint er und fragt gleichwohl: "Warum nicht Weihnachtsgottesdienste oder Krippenspiele unter freiem Himmel, auch im Schnee?" Alte und Kranke sollten von Gemeindemitgliedern angerufen werden, es könnten Weihnachtsbriefe geschrieben und kleine Pakete mit Geschenken verteilt werden, schlägt er vor.

Christian Weisner von der innerkirchlichen Reformbewegung „Wir sind Kirche" hält das Beharren auf Gottesdiensten für "höchst ungut".
Bild: Tobias Hase, dpa

Für Gottesdienste muss man sich schon jetzt teilweise anmelden

Zwar gab es in den letzten Monaten im kirchlichen Bereich eine Reihe von Lockerungen, nach wie vor ist das Gemeindeleben aber stark eingeschränkt: Pfarrfeste werden abgesagt, Kirchenchöre können nicht wie gewohnt oder nur unter strengen Bedingungen proben und auftreten. Für Gottesdienste wurde je nach Kirche eine Höchstzahl von Besuchern festgelegt, für die katholische Moritzkirche in Augsburg liegt diese zum Beispiel bei 99. Unter anderem dort müssen sich Gläubige für Gottesdienstbesuche an Sonn- und Feiertagen im Pfarrbüro anmelden. Ob sich dieses System in den Weihnachtstagen genauso anwenden lässt? Noch gibt es jedenfalls kein wesentlich anderes.

Katholische wie evangelische Gemeinden in Bayern weisen zudem darauf hin, dass in Gottesdiensten mit wenigen Ausnahmen Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen sei und immer der Abstand von anderthalb Metern zu anderen eingehalten werden müsse. Der Sprecher des Bistums Augsburg, Karl-Georg Michel, hat festgestellt, dass "eine große Sehnsucht" danach besteht, Gottesdienste wieder in den Kirchen zu feiern und nicht mehr nur virtuell. "Dennoch bleibt natürlich die Sorge wegen der Corona-Pandemie. Und so ist auch eine große Vorsicht in den Gotteshäusern zu verspüren."

 

Wie Corona-Koordinator Florian Herrmann (CSU) über Gottesdienstverbote denkt

Staatskanzlei-Chef Florian Herrmann von der CSU, der Corona-Koordinator der Staatsregierung ist, beobachtet die Entwicklung ebenfalls genau. Er stehe "in einem engen Austausch mit den Kirchen", sagt er unserer Redaktion. "Derzeit gibt es für uns keinen Anlass, die bestehenden Regelungen zu Gottesdiensten zu verändern." Allerdings handele es sich bei der Verbreitung des Coronavirus um einen dynamischen Prozess, bei dem immer wieder nachgesteuert werden müsse. Wie er über Gottesdienstverbote zu Weihnachten denkt? "Die Weihnachtszeit ist noch so weit entfernt, dass wir keine verlässliche Prognose geben können", sagt Herrmann.

Michael Mädler, Sprecher der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, rechnet trotz der widrigen Umstände mit einem großen Andrang bei Gottesdiensten: "Weihnachten ist das Fest, bei dem der Besuch der Christmette oder des Krippenspiels für viele Menschen wichtiger Bestandteil ihrer Festliturgie ist." Er sagt: "Ein neuer Lockdown über die Weihnachtsfeiertage wäre enttäuschend." Hörfunk- und TV-Gottesdienste oder digitale Angebote wären für viele "kein ausreichender Ersatz" für den Besuch eines Weihnachtsgottesdienstes vor Ort.

Wie auch immer das Infektionsgeschehen im Dezember sein wird, die beiden großen christlichen Kirchen in Bayern wollen unbedingt Präsenz zeigen. Christoph Kappes vom Erzbistum München und Freising spricht insofern für alle, die sich in der Kirche engagieren, wenn er betont: "Wir werden für die Menschen da sein."

Lesen Sie dazu auch unseren Kommentar: Corona-Krise: Gottesdienste nicht verbieten

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