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Kaufbeuren

19.08.2014

Grünes Licht für umstrittenes Geothermie-Projekt bei Kaufbeuren

Bald wird wohl wieder gearbeitet auf dem derzeit stillgelegten Geothermie-Gelände bei Mauerstetten. Archivfoto
Bild: Mathias Wild

Das Bergamt Südbayern hat ein umstrittenes geothermisches Forschungsprojekt zwischen Kaufbeuren und Mauerstetten genehmigt. Der Betreiber sagt, dass dies mit Fracking nichts zu tun habe.

Das Bergamt Südbayern hat ein umstrittenes geothermisches Forschungsprojekt bei Mauerstetten genehmigt. Mit dem Vorhaben möchte das Unternehmen Geysir Europe (München) in Zusammenarbeit mit wissenschaftlichen Einrichtungen untersuchen, wie aus der bislang erfolglosen Bohrung doch ein wirtschaftliches Projekt zur Energiegewinnung entwickelt werden kann.

Vorgesehen ist, über das bestehende Loch mit sogenannten hydraulischen Injektionstests Gesteinsrisse zu vergrößern, um die Durchlässigkeit zu erhöhen oder mögliche Wasservorkommen zu erschließen. Dabei sollen neben Wasser auch Salzsäure, Kohlensäure und sogenannte Additive zum Einsatz kommen. Die beteiligten Wissenschaftler sprechen von einer Stimulation des Gesteins. Im Vorfeld der Genehmigung hatte es öffentliche Diskussionen über mögliche Risiken gegeben. Gegner sehen die Möglichkeit von Beben und Wasserverunreinigungen. Befeuert wurde die Kritik auch von der aktuellen Debatte über das sogenannte Fracking. Dabei werden umweltschädliche Chemikalien mit hohem Druck flächig in tiefe Gesteinsschichten gepresst, um Öl- und Gasvorkommen zu erschließen.

Betreiber: Verfahren hat mit Fracking nichts zu tun

Das jetzt genehmigte Verfahren für Mauerstetten habe mit Fracking nichts zu tun, heißt es seitens des Betreibers. „Die Stimulation wird in dieser Form bei Geothermiebohrungen und Thermalwasserbrunnen zu Heilzwecken regelmäßig angewandt“, teilt das Bergamt mit. Mögliche Beeinträchtigungen des Grundwassers seien intensiv geprüft und ausgeschlossen worden. Das Vorhaben wird vom Bundesumweltministerium gefördert und von der TU Bergakademie Freiberg, dem Geoforschungszentrum Potsdam und der Universität Stuttgart wissenschaftlich begleitet.

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Zugelassen worden sei nun die erste Phase des Vorhabens, wie die für südbayerischen Bergbau zuständige Regierung von Oberbayern mitteilt. Sie umfasst eine Reihe hydraulischer Tests, mit deren Hilfe der Zufluss von Wasser zur Bohrung gesteigert werden soll. Ob und wann das Unternehmen Geysir Europe mit den Arbeiten beginnt, ist unklar. Die Geschäftsführung war am Montag für die AZ nicht erreichbar. Die Genehmigung der ersten Phase des Forschungsprojektes ist bis zum 31. August 2015 befristet.

Kritik von den Bürgern

Gegen den Zulassungsantrag gingen laut Regierung mehr als 20 Einwendungen von Bürgern ein. Kritikpunkte seien möglicher Lärm, die Risiken durch freigesetzte Gase und die Gefahr von Erdbeben gewesen. Behörden und Träger öffentlicher Belange hätten sich intensiv mit dem Projekt auseinandergesetzt. „Dabei ergaben sich keine fachlichen Aspekte, die eine Ablehnung des Antrags hätten begründen können“, so die Regierung. Zudem gebe es zahlreiche Auflagen, beispielsweise eine Überwachung der seismischen Aktivität im Umfeld der Anlage.

Karl Ilgenfritz, Sprecher des Agenda 21-Arbeitskreises Klimaschutz Kaufbeuren, sieht den Genehmigungsbescheid indes kritisch. Er verweist auf die hohen Drücke in unmittelbarer Nähe der Wohngebiete in Mauerstetten und in Kaufbeuren, die bei diesem Verfahren entstünden. Die Genehmigung sei auch vor dem Hintergrund der negativen Stellungnahmen der betroffenen Gebietskörperschaften zu sehen, so Ilgenfritz. Er geht davon aus, dass dieses Vorhaben in Mauerstetten, im Landkreis und in der Stadt Kaufbeuren nun wieder auf die Ratstische kommt.

„Wir sind nicht grundsätzlich gegen dieses Vorhaben“, sagt Kaufbeurens Oberbürgermeister Stefan Bosse. „Wichtig ist aber, mögliche Risiken für die Gesundheit und das Eigentum der Bürger auszuschließen.“ Nach einer ersten Durchsicht finde sich die Stadt mit ihren Bedenken in dem Genehmigungsbescheid wieder. Dies betreffe unter anderem die Haftungsfrage bei möglichen Schäden und den Schutz der Menschen vor Lärm, Gasaustritten und Gewässerverunreinigungen. Im Zuge des seismischen Überwachungsnetzwerkes sei auch die Forderung der Stadt nach zusätzlichen Messpunkten berücksichtigt worden und eine detaillierte Dokumentation der Arbeiten vorgeschrieben.

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