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Gundremmingen
29.09.2016

"Sehr gefährlich": Grüne und SPD fordern vorzeitiges Aus für AKW

Nach zwei Vorfällen im Atomkraftwerk Gundremmingen im vergangenen Jahr fordern SPD und Grüne im Landtag eine vorzeitige Abschaltung der beiden Reaktorblöcke.
Foto: Ulrich Wagner

SPD und Grüne bekräftigen ihre Forderung nach vorzeitiger Abschaltung beider Blöcke des Atomkraftwerks Gundremmingen. Eigentlich soll erst 2017 und 2021 Schluss sein.

Nach Abschluss der Untersuchung von zwei Vorfällen im Kernkraftwerk Gundremmingen im vergangenen Jahr haben SPD und Grüne im Landtag ihre Forderung nach einer vorzeitigen Abschaltung der beiden Reaktorblöcke bekräftigt. Das Risiko für die Bevölkerung, so sagte die Grünen-Abgeordnete Rosi Steinberger, sei „untragbar“. Der SPD-Abgeordnete Herbert Woerlein nannte den Weiterbetrieb der Blöcke B (bis 2017) und C (bis 2021) „sehr gefährlich“. Die Versicherung des bayerischen Umweltministeriums, dass die Sicherheitssysteme in beiden Fällen funktioniert hätten und Konsequenzen aus den Ereignissen gezogen wurden, konnte die Kritiker nicht beruhigen. Auch die Abgeordneten von Freien Wählern und CSU zeigten sich irritiert.

Der Bericht, den das Ministerium am Donnerstag im Umweltausschuss des Landtags vorlegte, betrifft eine Reaktorschnellabschaltung in Block C im März 2015, die durch einen Fehler eines Handwerkers bei Instandhaltungsarbeiten ausgelöst wurde, und den Absturz eines Brennstabbündels im November 2015, das sich bei der Umlagerung im Abklingbecken vom Kopf des Brennelements gelöst hat. In beiden Fällen handelte es sich zwar um meldepflichtige Ereignisse der untersten Stufe. Das heißt, ihnen wird keine oder nur eine sehr geringe sicherheitstechnische Bedeutung zugemessen. Doch die Sorgen der Atomkraftkritiker wachsen, dass sich gegen Ende des Betriebs Nachlässigkeiten einstellen könnten oder bei der Sicherheit nicht mehr ausreichend nachgebessert werde.

Ministerium sieht AKW Gundremmingen als absolut sicher

Der Sprecher des Ministeriums wies diesen Verdacht zurück. Der Absturz des Brennstabbündels sei ein „einzigartiges Ereignis“ gewesen. Durch technische Nachbesserungen an den Lademaschinen und ein langsameres Verfahren bei der Umlagerung der Brennelemente sei sichergestellt worden, dass es sich nicht wiederholen sollte.

Konsequenzen, so versicherte der Ministerialbeamte, seien auch aus dem Vorfall im März gezogen worden. Dabei sollte eine Armatur von Block B inspiziert werden, der gerade nicht in Betrieb war. Ein Handwerker einer Fremdfirma öffnete allerdings versehentlich eine Armatur des im Leistungsbetrieb laufenden Block C. Die Folge war eine Leckage mit Druckabfall, die letztlich zu einem Ausfall der Steuerluftversorgung und zur Selbstabschaltung des Reaktors führte. Der Fehler des Handwerkers hatte demnach, weil die technischen Sicherungssysteme funktionierten, keine gefährlicheren Folgen. Um solche Fehler in Zukunft zu vermeiden, seien Maßnahmen ergriffen worden: erweiterte Schulungen, Aufnahme von Warnhinweisen in Instandhaltungsverträgen und Sicherungen vor Ort zur Vermeidung von Verwechslungen.

Umweltausschuss will weiter über Sicherheit in Gundremmingen diskutieren

Die Abgeordneten im Umweltausschuss reagierten mit scharfer Kritik. Die Grünen-Abgeordnete Steinberger sprach von „Schlamperei hoch drei“. Benno Zierer (Freie Wähler) schimpfte: „Das ist doch kein Sandkasten. So etwas darf überhaupt nicht passieren.“ Der SPD-Abgeordnete Woerlein stellte die besorgte Frage, ob Gundremmingen möglicherweise „das gefährlichste Kernkraftwerk“ sei. Und auch der Ausschuss-Vize Otto Hünnerkopf (CSU) merkte an: „Da sind wir alle verwundert und reiben uns die Augen. Das darf einfach nicht passieren.“

Die Debatte über die Sicherheit in Gundremmingen ist damit nicht beendet. In einer der nächsten Sitzungen will sich der Ausschuss mit der Frage befassen, wie Computerviren auf den Rechner des Atomkraftwerks kommen konnten.

30 Jahre Block B Kernkraftwerk Gundremmingen. Geburt eines Kraftwerks: Vorne wachsen die Reaktorgebäude in die Höhe, links Block B, rechts Block C. Dahinter entstehen die beiden Maschinenhäuser und im Hintergrund die Kühltürme mit den Becken für die Wasseraufbereitung.
12 Bilder
So sieht es aus im Block B des Kernkraftwerks Gundremmingen
Foto: KGG
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Die Diskussion ist geschlossen.

30.09.2016

Meine Meinung: Momentan tun sich alle ziemlich leicht. In Deutschland steigen wir komplett aus der Kernkraft aus. Wenn´s strommäßig dann eng wird kaufen wir Atomstrom aus Frankreich oder fahren unsere Gas-, Öl- oder Kohlekraftwerke hoch. Sonnen- und Windstrom ist zwar wunderbar, zuverlässig vorhanden aber an ca. 1500 Stunden im Jahr. Das Jahr hat 8700 Stunden! Wenn in 50 oder vielleicht 100 Jahren die fossilen Brennstoffe verbraucht sind, siehts anders aus. Wenn dann vielleicht noch ein Vuilkanausbruch die Erde Wochen oder Monate verdunkelt, wird´s auch mit Sonnenstrom eng. Ich glaube, spätestens in 50 Jahren werden wir wieder in großem Stil Kernkraftwerke bauen. Und zwar deshalb, weil der Rohstoff Uran noch viele Jahrhunderte reicht. Im übrigen gibt es schon heute Kernreaktoren, die eigensicher sind. das heisst, selbst bei einem Ausfall der Kühlung und Ausfall der Stromversorgung passiert da gar nichts!

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30.09.2016

Guten Morgen,

Ich arbeite seit vielen Jahren selbst in der Branche

Gebäudesicherheit. Auch unsere Firma baute auch einst Kernkraftwerke. Ich habe 1986 den Reaktorunfall in Tschenobyl miterlebt. Damals sprach ein ach so gescheiter, ich glaube ein Herr Minister Zimmermann, davon, daß Bayern, und Deutschland ja sowieso nicht von den Auswirkungen betroffen sei???!!! Hallo, was glaubt ihr alle?? Glaubt nur alle an die Technik, die wird schon alles richten! Es gibt kein technisches System daß absolut fehlerfrei arbeitet! Eben nur Technik! Selbst wenn alles in zwei- drei- und vierfacher Ausführung zur Steuerung und Regelung vorhanden ist, gibt es immer einen "Mitarbeiter" der den Supergau auslösen kann! Dieses Thema hier breitzutreten ist sinnlos und führt ja zu nichts. Die ach so gescheiten Minister wohnen ja alle nicht hier! Ich hoffe innständig, auch für die noch junge Generation, daß sich 1986 nie, nie, nie wiederholen wird!!! Leider hat die gesamte Energieindustrie bei uns immer noch die Fäden in der Hand! Mein Vorschlag: Raus aus der Kernenergie bevor es endgültig zu spät ist! Wir haben nicht nur von der Energiewende geredet! Wir haben sie auch umgesetzt! Unsere kleine Solaranlage auf dem Dach erzeugt genug für unseren Eigenbedarf. Und die Sonne wird uns so schnell nicht um die Ohren fliegen?! Also.....nicht immer nur reden....sondern machen! DANKE!! Gruß Markus Blöchl

P.S. Wer will den Atomabfall vor seiner Haustüre haben?? Bitte um Wortmeldungen!

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30.09.2016

Wir haben nicht nur von der Energiewende geredet! Wir haben sie auch umgesetzt! Unsere kleine Solaranlage auf dem Dach erzeugt genug für unseren Eigenbedarf.

Haben sie sich dann auch von der öffentlichen Stromversorgung abgetrennt? Garantiert nicht! Wenn sie konsequent wären, bräuchten sie doch keinen Stromanschluss, oder?

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02.10.2016

Das AKW Gundremmingen ist für die Stromversorgung überflüssig

Vor Fukushima haben die AKW-Betreiber das Schreckgespenst einer Stromlücke an die Wand gemalt und vor Blackouts gewarnt, um eine für sie profitable Laufzeitverlängerung durchzusetzen. Nach Fukushima wurden innerhalb weniger Tage acht Atomreaktoren in Deutschland für immer abgeschaltet. Und es gab keine Stromlücke. Und der Stromexportüberschuss stieg auf Rekordhöhen. Zugleich liegen viele Gaskraftwerke mangels Strombedarf still.

Das AKW Gundremmingen kann heute abgeschaltet werden, ohne dass bei uns Strom fehlt. Sein Weiterbetrieb hat keine Stromversorgungsgründe.

Und jeder Stromkunde kann zu Ökostromanbietern wechseln und sich so frei von Atom- und Kohlestrom machen.

Raimund Kamm

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02.10.2016

Z itat: Und der Stromexportüberschuss stieg auf Rekordhöhen.

Sie als Experte wissen ganz genau, dass überwiegend der bei sonnigem und windigem Wetter viel zu viel vorhandene Ökostrom exportiert wird. Er wird aber meistens nicht verkauft, sondern verschenkt. Weil er sonst nämlich das Netz instabil machen würde. Die Österreicher bekommen teilweise sogar Geld dafür, dass sie uns den überflüssigen Strom abnehmen. Und die deutschen Stromkunden zahlen dafür! Mittlerweile 25.000 Millionen €, pro Jahr wohlgemerkt! Das ist der helle Wahnsinn. Kein Land auf der Welt ausser Deutschland kann sich dies leisten. Bei welcher Ökostromfirma sitzen sie eigentlich im Vorstand oder sind als Berater tätig, H. Kamm?

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02.10.2016

Ihre Aussagen zum Stromexport sind falsch

Deutschland hat im Handel mit Autos wie mit Strom einen Exportüberschuss. Hingegen ist bei Erdgas, Erdöl und Steinkohle Deutschlands Handelsbilanz extrem rot. Das heißt, wir zahlen zig Milliarden jedes Jahr ans Ausland für diese Energierohstoffe.

Mit den Stromexporten verdienen wir Geld. Schauen Sie mal Tabelle 3 im Jahresbericht der AGEB: "Saldo des Außenhandels mit Energieträgern in Deutschland von 2010 bis 2015".

Raimund Kamm

www.atommuell-lager.de

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02.10.2016

Ein Riesengeschäft für uns! Zuerst zahlen die deutschen Verbraucher den Produzenten (u.a. reichen Bauern) 15 Cent pro kWh dafür, dass sie Ökostrom produzieren und den verkaufen wir dann für 2 Cent pro kWh ins Ausland! Wer zahlt jetzt drauf??

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02.10.2016

Ihre Annahmen stimmen auch hier nicht

Da in unserem Land aus Gesundheits- und Umweltgründen die EEG-Kraftwerke einen Einspeisevorrang vor den konventionellen KW haben, und noch nie mehr EE-Strom produziert wurde als der Stromverbrauch betrug, stammen im Prinzip die Stromexporte aus den alten und gesundheitsschädlichen Kraftwerken.

Würden wir endlich die Atom- und dann schrittweise auch die fossilen KW abschalten, hätten wir allerdings nicht mehr diese Stromexportüberschüsse.

Übrigens: Der Strom aus neuen PV- und Windkraftwerken kostet nur noch 6 - 11 ct/kWh. Der Strom aus neuen Atom- und Kohle-KW ist teurer!

Raimund Kamm

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29.09.2016

Ich hab´ früher schon in Kernkraftwerken gearbeitet. Sorgen müsste man sich machen, wenn bei einem Fehler eines Arbeiters keine Reaktorschnellabschaltung erfolgen würde. Genau dafür ist sie nämlich da! In den Anfangsjahren der AKW´s kam sowas jede Woche vor! Für sowas ist die Anlage ausgelegt, das Sicherheitssystem überwacht die Anlage und schaltet bei Unklarheiten sofort den Kernreaktor ab.

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30.09.2016

Das hat in Tschernobyl und Fukushima ja wunderbar geklappt. Wer die Gefahren der Atomkraft so fahrlässig verharmlost, versteht nichts davon.

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02.10.2016

Für wie viele Reaktorschnellabschaltungen ist denn Ihres Wissens der Reaktor und insbesondere auch der Reaktordruckbehälter ausgelegt?


Raimund Kamm

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02.10.2016

Das würde mich auch mal interessieren. Ist das denn so ein großeses Risiko für die Reaktorsicherheit wenn dieser mal "schnell" abgeschaltet wird?

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02.10.2016

Eine Leistung von 4000 MW innerhalb von Sekunden auf ein Bruchteil abbremsen

Ich weiß von diesem Sachverhalt wenig. Doch man kann sich klar machen, dass bei einer Reaktorschnellabschaltung (RESA) eine thermische Leistung von 4.000.000 kW (vergleichsweise über 5 Millionen PS) innerhalb von Sekunden auf einen Bruchteil abgebremst werden müssen. Wie eine Vollbremsung beim Auto aus Höchstgeschwindigkeit, hat mir ein Ingenieur dies veranschaulicht. Und dabei werden der Reaktordruckbehälter (RDB), Rohrleitungen, Armaturen usw. stark beansprucht und abgenutzt.

Vor drei Jahrzehnten schrieb die staatliche Gesellschaft für Reaktorsicherheit (GRS): "Jede Schnellabschaltung bringt eine Belastung der Komponenten und Systeme mit sich. Das Verhindern einer Reaktorschnellabschaltung durch frühzeitigen, weichen Eingriff trägt also zur Schonung der Anlage bei und kann die Lebensdauer des Kraftwerks verlängern."

Alle Jahre wird bei der turnusmäßigen Revision die RESA getestet. Meines Wissens nach aber erst am Ende der Revision und nicht am Anfang.

Bei den zwei Gundremminger SWR bestehen Sorgen, dass wegen eines Konstruktionsfehlers, wodurch die Bodenkalotte an die vertikale Wandung des RDB an der Stelle angeschweißt wurde, wo bei bestimmten Zwischenfällen, die auch mit einer RESA einhergehen können, die größten Druckbelastungen auftreten. So würde man heute keinen RDB mehr bauen, sagten uns Experten.

Fachleute können vermutlich sagen, für wie viele RESA ein Atomreaktor ausgelegt ist. Normalerweise wird eine RESA durch Einschießen der Steuerstäbe gemacht. Dies ist m.W. auch mit einem Schnellschluss der Turbine verbunden.

Übrigens: Der Block A in Gundremmingen erlitt im Januar 1977 bei einer durch externe Kurzschlüsse notwendigen RESA einen Unfall mit Totalschaden.

Raimund Kamm

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02.10.2016

Belastet wird nur der Druckbehälter. Eine feste Zahl gibt es da meines Wissens nicht. Aber mittlerweile kommt eine Reaktorschnellabschaltung in Deutschland im Betrieb der Anlage so selten vor, dass man den Reaktor zur Revision auf Verlangen des TÜV mit einer Schnellabschaltung abfährt. Weil auch dies live getestet werden muß. Die Lebensdauer eines AKW´s hängt einzig und allein vom Zustand des Druckbehälters ab, da dieser nicht ausgetauscht werden kann. Deshalb wird dieser zu jeder Revision geröntgt und untersucht. Früher ging man von einer Laufzeit von 35 Jahren aus, da man noch keine Erfahrungen hatte. Mittlerweile wurden z.B. in den USA die Laufzeiten der Meiler auf 60 Jahre erhöht, vorausgesetzt der Druckbehälter hält so lange. Ich war schon in AKW´s in vielen Ländern und kann mit gutem Gewissen sagen, das sie deutschen die sichersten sind! In den USA stehen die Meiler z.B. oft wie in Fukushima direkt am Meer, ohne Tsunami-Schutzdamm etc!

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